Schweizerhalle

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche
Industriegebiet Schweizerhalle mit Salinebohrturm

Schweizerhalle ist ein bedeutendes Industriegebiet in den beiden basellandschaftlichen Gemeinden Muttenz und Pratteln bei Basel direkt am Rhein. Schweizerhalle gehört zum Wirtschaftsgebiet Nordwestschweiz und ist Standort der Schweizer Rheinsalinen und bekannter Chemiekonzerne wie Novartis und Clariant. Der Basler Agrochemiekonzern Syngenta wird sein Werk Schweizerhalle bis Ende 2007 schliessen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Der Name

Der Name rührt her von Schweizerhalle (gemeint ist: Schweizer Halle), einer älteren Bezeichnung des salzgewinnenden Unternehmens Schweizer Rheinsalinen. Der Namensbestandteil „Halle“ bezeichnet den Plural von „Hall“, ein ausser Gebrauch gekommenes Wort für Saline. Bei der Namensvergabe für das Unternehmen ging man noch davon aus, dass „Hall“ ein keltischer Ausdruck für Salz war.

[Bearbeiten] Saline

Am 30.Mai 1836 stiess der deutsche Bergbaufachmann Freiherr Carl Christian Friedrich von Glenk beim Roten Haus in Muttenz auf eine 7 Meter dicke Salzschicht. Bereits ein Jahr später entstand in der Nähe aber im Gemeindebann von Pratteln die erste Saline Durch die vereinigte Rheinsaline in Schweizerhall und im Aargau wird die Schweiz (ohne Kanton Waadt) und Lichtenstein mit Salz versorgt. Die Einnahmen aus dem Salzregal waren eine wichtige Einnahmequelle für den noch jungen und armen Halbkanton Basel-Landschaft.

[Bearbeiten] Das Unglück

Bekanntheit erlangte Schweizerhalle im Jahre 1986, als am 1. November ein Grossbrand beim Chemiekonzern Sandoz entstand. Das grosse Feuer in der 1350 Tonnen Chemikalien enthaltenden Lagerhalle, der dicke Rauch, der Gestank und die unbekannte Zusammensetzung der Verbrennungsgase veranlassten die Behörden der Nachbargemeinden (u. a. Basel), die Bevölkerung frühmorgens mit allgemeinem Sirenenalarm zu alarmieren, auch wurde eine mehrstündige Ausgangssperre verhängt. Menschen erlitten keine akuten Schäden, mit Ausnahme von drei Personen mit vorbestehendem Asthma, die Hospitalisierung benötigten. Jedoch verseuchte Löschwasser den Rhein und löste ein grosses Fischsterben aus. Die Giftwelle, insbesondere Pestizide wie Disulfoton, Thiometon, Parathion oder Fenitrothion mit einer Halbwertszeit von 30 bis 50 Tagen, löschte auf einer Länge von 400 km die gesamte Aalpopulation aus. Das dynamische Fliessgewässer-System und die Organismen haben sich in wenigen Monaten vom Unglück erholt.[1] Jedoch wurde die Einwanderung exotischer Arten stark begünstigt, die unvorteilhaft auf das ökologische Gleichgewicht wirken.[2] Der in den Rhein gelangte rote Farbstoff bewirkte zwar eine starke Färbung des Wassers, war selbst aber harmlos. Der offizielle Untersuchungsbericht gelangte (nur „aufgrund theoretischer Überlegungen“) zum Schluss, dass beim Verpacken von Paletten mit Berliner Blau die falsche Handhabung einer sogenannten Schrumpfpistole zu einem Glutherd führte, der als Ursache gelten könnte. Die nachfolgenden Gerichtsverfahren führten jedoch zu keiner Verurteilung.

[Bearbeiten] Literatur

  • Schweizerhalle, Bericht des Regierungsrates an den Landrat (Baselland), 1987
  • Nikolai A. Behr: Die Entwicklung des Rheinschutz-Regimes unter besonderer Berücksichtigung des Sandoz-Unfalls vom 1. November 1986; brain script-Verlag, München, 2003, 228 S., ISBN 3-9808678-0-3.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Der Rhein rot, die Fische tot – 20 Jahre nach dem Sandoz-Brand – Medienmitteilung der Eawag
  2. Der Rhein lebt – aber anders, MTW vom 26. Oktober 2006

[Bearbeiten] Weblinks

47.5322222222227.6708333333333Koordinaten: 47° 31′ 56″ N, 7° 40′ 15″ O; CH1903: (617486 / 264636)

Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen
Andere Sprachen