Shlomo Sand

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Shlomo Sand, Aufnahme von Juli 2007.

Shlomo Sand (* 10. September 1946 in Linz, Österreich) ist ein israelischer Historiker. Er lehrt an der Universität Tel Aviv.

Leben[Bearbeiten]

Die ersten zwei Jahre nach seiner Geburt verbrachte Sand mit seinen Eltern in einem Flüchtlingslager bei München. Im Jahre 1948 gelangte die Familie Sand nach Jaffa, Israel. Nach dem Sechstagekrieg im Sommer 1967 war Sand jahrelang in der anti-zionistischen Gruppierung Matzpen (Kompass) aktiv, verließ diese aber, nachdem sie u.a. auch das Existenzrecht Israels angegriffen hatte.[1]

Ab Mitte der 1970er Jahre setzte er seine Studien in Paris an der École des Hautes Études en Sciences Sociales bei der Historikerin Madeleine Rebérioux mit einer Magisterarbeit über Jean Jaurès fort und beendete sie mit einer Doktorarbeit über Georges Sorel. Zurück in Israel, beschäftigte er sich mit der Geschichte des Kinos, der Geschichte der Intellektuellen und der Geschichte des Nationalismus, während er immer wieder Gastprofessuren an der École des Hautes Études en Sciences Sociales wahrnahm.[2] Zu seinen jüngsten Beschäftigungen gehört die Auseinandersetzung mit der Geschichte des jüdischen Volkes.

Wirken[Bearbeiten]

Georges Sorel[Bearbeiten]

Mitte der 1980er Jahre befasste sich Sand intensiv mit Georges Sorel und organisierte in Frankreich ein erstes Kolloquium zur Wiederbelebung der Beschäftigung mit dessen Werk. Mit dem Historiker Jacques Julliard gründete er 1983 die Zeitschrift Cahiers Georges Sorel, aus denen unter Julliards Leitung 1988 die Zeitschrift Mil neuf cent. Revue d'histoire intellectuelle wurde.[3]

Die Erfindung des jüdischen Volkes[Bearbeiten]

Sand löste unter anderem in Israel und Frankreich mit seinem 2008 erschienenen Buch „מתי ואיך הומצא העם היהודי?“ (dt. „Wann und wie wurde das jüdische Volk erfunden?“, deutsche Übersetzung des Buchs unter dem Titel Die Erfindung des jüdischen Volkes – Israels Gründungsmythos auf dem Prüfstand) Kontroversen aus.

Im 2009 zur deutschen Ausgabe geschriebenen Vorwort gibt er an, „dass die Kluft zwischen meinen Forschungsergebnissen und der in Israel und anderswo verbreiteten Geschichtsauffassung erschreckend groß ist“. Dabei habe er nichts anderes gemacht, als von der israelischen zionistischen Geschichtsschreibung schon lange präsentiertes, aber vergessenes Material zu verarbeiten, wobei in seiner Arbeit „nichts wirklich Neues“ erschienen sei.[4]

Sands Stellungnahmen zum Zionismus[Bearbeiten]

Sand bezeichnet sich weder als Zionist noch Anti-Zionist. Er verglich die Gründung Israels mit einer Vergewaltigung, was aber dessen Existenzrecht nicht in Frage stelle, analog dazu, wie man dies auch dem aus einer Vergewaltigung hervorgegangenen Kind nicht bestreite.[5] Ihm wurde vorgeworfen, antisemitische Bestrebungen zu fördern.[6]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • L’Illusion du politique: Georges Sorel et le débat intellectuel 1900. La Découverte, Paris 1984
  • mit Jacques Julliard (Hrsg.): Georges Sorel en son temps. Seuil, Paris 1985
  • האינטלקטואל, האמת ובכוח - מפרשת דרייפוס ועד מלחמת המפרץ. Am Oved, Tel Aviv 2000 [Intellektuelle, Wahrheit und Macht: Von der Dreyfus-Affäre zum Golfkrieg]
  • הקולנוע כהיסטוריה - לדמיין ולביים את המאה העשרים. Am Oved & Open University Press, Tel Aviv 2002
  • Le XXe siècle à l'écran. Seuil, Paris 2004
  • mit Haim Bresheeth & Moshe Zimmermann (Hrsg.): קולנוע וזיכרון - יחסים מסוכנים?. The Zalman Shazar Center for Jewish History, Jerusalem 2004 [Kino und Erinnerung - eine gefährliche Beziehung?]
  • ההיסטוריון, הזמן והדמיון - מאסכולת ה"אנאל" ועד לרוצח הפוסט-ציוני. Am Oved, Tel Aviv 2004 [Historiker, Zeit und Vorstellung. Von der Annales-Schule zum postzionistischen Mörder]
  • Les Mots et la terre. Les intellectuels en Israël. Fayard, Paris 2006
  • מתי ואיך הומצא העם היהודי?. Resling, Tel Aviv 2008
  • Comment le peuple juif fut inventé. De la Bible au sionisme. Fayard, Paris 2008
  • The Invention of the Jewish People. New York, Verso 2009
  • Die Erfindung des jüdischen Volkes. Israels Gründungsmythos auf dem Prüfstand. Propyläen, Berlin 2010, ISBN 3-549-07376-3; List, Berlin 2011, ISBN 978-3-548-61033-7
  • De la nation et du «peuple juif» chez Renan. Les liens qui libèrent, Paris 2009, ISBN 978-2-918597-03-2 (Sand stellt zwei Vorträge von Ernest Renan vor, die zu den Quellen gehören, auf denen sein Nachdenken über die Nation in Die Erfindung des jüdischen Volkes aufbaut.)
  • מתי ואיך הומצאה ארץ ישראל?. Kinneret Zmora-Bitan, Tel Aviv 2012
  • Die Erfindung des Landes Israel. Mythos und Wahrheit. Propyläen, Berlin 2012, ISBN 978-3-549-07434-3
  • Warum ich aufhöre, Jude zu sein. Ein israelischer Standpunkt. Propyläen, Berlin 2013, ISBN 978-3-549-07449-7

Weblinks[Bearbeiten]

Texte von Sand
Texte über Sand

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Interview mit Shlomo Sand, Interviewer Igal Avidan, tachles 26. September 2008, Evan R. Goldstein, Tablet 13. Oktober 2009
  2. Vgl. Akademische Laufbahn
  3. Zum 20-jährigen Bestehen
  4. S. 16, Seitenangabe nach der 2010 bei Propyläen erschienenen Ausgabe
  5. Vgl. Johnny Paul, The Jerusalem Post 6. März 2010 = [1]
  6. Vgl. Paul 2010, Kaplan 16. Oktober 2009.