Sina Weibo

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Sina Weibo
weibo.com
Beschreibung Microblogging-Dienst
Sprachen Chinesisch
Eigentümer Sina Corporation
Erschienen 14. August 2009
Status online

Sina Weibo (chinesisch 新浪微博Pinyin Xīnlàng Wēibó) ist der Name des größten chinesischen Mikroblogging-Dienstes. Er wurde am 14. August 2009 von Sina Corporation gegründet, die u. a. das Internetportal Sina.com betreibt. Die chinesische Regierung hatte zuvor mehrere ausländische Angebote (darunter auch Twitter und Facebook) abgeschaltet – eine Reaktion auf die Unruhen von Xinjiang im Juli 2009.[1]

Bedeutung[Bearbeiten]

Der Begriff Weibo bedeutet auf chinesisch wörtlich Mikroblogging[2]. Damit steht Weibo.com synonym für entsprechende Angebote in China. Ende des Jahres 2011 hatte der Dienst nach eigener Darstellung 250 Millionen registrierte Benutzer (davon zwei Millionen in Hongkong[3]), von denen täglich zehn Prozent eigene Nachrichten veröffentlichen.[4] Im Februar 2013 meldete Tech in Asia 500 Millionen Sina-Weibo-User, allerdings kam eine Studie der Universität Hongkong auf Basis von 30.000 zufällig ausgewählten Mitgliederprofilen zu dem Ergebnis, das 57,4 Prozent der gesichteten Accounts leer seien; Sina selbst gab laut Wall Street Journal die Anzahl der täglich aktiven User Ende 2012 mit 46,2 Millionen an.[5]

Zensur[Bearbeiten]

Aufgrund der Internetzensur in der Volksrepublik China wird weibo.com fortlaufend durch staatliche Stellen überwacht. Dies geschieht unter anderem mit Hilfe von Stichwortlisten, die gesperrte Begriffe filtern. Nachrichten, die Kurzlinks enthalten (beispielsweise von bit.ly) und Nachrichten in tibetischer Sprache werden grundsätzlich nicht verbreitet. Die Zensur soll in Zukunft noch verstärkt werden.[6]

Am 9. März 2010 wurden die Kurznachrichten des chinesischen Aktivisten und Künstlers Ai Weiwei entfernt und sein Account gelöscht.[7] Nachrichten, die seinen Namen beinhalten, können nicht mehr erstellt werden. Am 30. Oktober 2010 wurden Nachrichten der Schauspielerin Gigi Leung gelöscht, nachdem sie über den Aktivisten Zhao Lianhai geschrieben hatte.

Am 31. März 2012 wurden als Strafmaßnahme für die Verbreitung von Gerüchten über einen angeblichen Putschversuch in China die beiden großen Mikroblogs bei sina.com und tencent.com angewiesen, ihre Kommentarfunktion für fünf Tage stillzulegen.[8][9]

Im Mai 2012 wurde in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von weiteren Einschränkungen berichtet und vermutet, dass die Internetfirma Sina bereit ist, bei der Kontrolle des Netzes mitzuwirken.[10]

Trotzdem gewährleistet Weibo.com verglichen mit anderen Medien in China relativ weitreichende Möglichkeiten der Meinungsäußerung.[11]

Funktionen[Bearbeiten]

Viele Funktionen sind vom US-amerikanischen Marktführer Twitter abgeleitet. So dürfen die Kurznachrichten maximal eine Länge von 140 Zeichen haben. Benutzernamen werden durch ein @ gekennzeichnet. Themen werden durch so genannte Hashtags gekennzeichnet. Auch die Farbgebung von Sina Weibo ist bewusst an das Vorbild Twitter angelehnt.[12]

Ausländer bei Weibo[Bearbeiten]

In den vergangenen Jahren haben sich auf Weibo auch einige nicht-chinesische Nutzer etabliert. Der bekannteste Ausländer ist der chinesisch-stämmige US-Amerikaner Mike Sui mit etwa einer halben Million Followern (Stand 20. Oktober 2013).[13] Die bekanntesten deutschsprachigen Benutzer sind der Reiseblogger Leikexiaoliumang (Christopher Rehage) mit 134.000 Followern[14] und der Sprachwissenschaftler Deyulaoshi Sven (Sven Hänke) mit 38.000 Followern[15].

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.chinadaily.com.cn/china/2011-03/02/content_12099500.htm
  2. http://en.wiktionary.org/wiki/微博
  3. http://www.chinainternetwatch.com/1313/sina-weibo-users-hk/
  4. http://www.penn-olson.com/2011/11/09/sina-weibo-breaks-250-million-users-but-how-many-are-real/
  5. Sina Weibo: Chinas Twitter-Klon ist womöglich ein Scheinriese spiegel.de vom 13. März 2013
  6. http://www.sueddeutsche.de/digital/regierung-droht-mit-eingriffen-chinas-freiheitsblogger-fuerchten-neue-zensurwelle-1.1174831
  7. http://www.guardian.co.uk/artanddesign/2011/apr/03/ai-weiwei-detained-chinese-police
  8. Zensur Spezial – Tencent und Sina Weibo deaktivieren die Kommentarfunktion der chinesischen Mikroblogs, doppelpod.com, abgerufen am 31. März 2012
  9. Nach Gerüchten um Putschversuch - China schränkt Internet-Kurznachrichten ein, süddeutsche.de, 31. März 2012, abgerufen am 31. März 2012
  10. Sind das nur Gerüchte? in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 1. Juni 2012, Seite 35
  11. Adrian Rauchfleisch/Mike S. Schäfer, Multiple public spheres of Weibo: a typology of forms and potentials of online public spheres in China (veröffentlicht 24. Juli 2014), auf Taylor & Francis online , abgerufen am 3. Sep. 2014 (kostenpflichtig)
  12. Im Kurzportrait: Sina Weibo, das chinesische Twitter, Netzwelt, 14. Februar 2012, abgerufen am 1. März 2012.
  13. Account von Mike Sui
  14. Account von Leikexiaoliumang
  15. Account von Deyulaoshi Sven