Solarstrom

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche
10 kW Dish-Stirling-Anlage in Spanien

Solarstrom bezeichnet umgangssprachlich aus Sonnenenergie gewandelte elektrische Energie. Diese Energieform zählt zu den erneuerbaren Energien, da sie auf der Erde ständig zur Verfügung steht und die Sonne, nach menschlichen Maßstäben betrachtet, mit einer voraussichtlichen Brenndauer von noch etwa 5 Milliarden Jahren eine praktisch unerschöpfliche Energiequelle darstellt. Der Ressourcenverbrauch auf der Sonne wird dabei im Verhältnis zur menschlichen Zeitrechnung vernachlässigt.

Eingeschränkt wird die Verfügbarkeit durch verschiedene Faktoren, wie geographische Breite, Jahreszeit, Tageszeit, Wetterlage (zum Beispiel Umgebungstemperatur, Wolken, Lufteintrübung) und Verschattung durch Aufbauten, Bäume, Fahnenmasten und ähnliches.

Solarstrom kann durch Photovoltaikanlagen oder auch mit Sonnenwärmekraftwerken generiert werden. Die wichtigsten Kraftwerkstypen sind Solarfarmkraftwerke, Solarturmkraftwerke, Dish-Stirlingmotor-Anlagen und Thermikkraftwerke.

Solarmodul an einer Autobahnbrücke

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Solarstrom in Deutschland

Details zur aktuellen Förderung siehe Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)

Solarstrom wird in Deutschland bis auf Forschungsanlagen nur mit Photovoltaikanlagen produziert. Im Jahr 2007 wurden in Deutschland Solarstromanlagen mit einer Leistung von mindestens 1.150 Megawatt installiert.[1] Für 2008 liegen noch keine Zahlen vor. So wird der Zubau beispielsweise von dem Beratungsunternehmen Solarbuzz auf 1.860 MW geschätzt.[2] Die gesamt installierte Leistung lag Ende 2007 bei etwa 3.950 MW[1], Ende 2008 wären es mit Einbeziehung der Solarbuzz-Schätzung somit rund 5.800 MW. Damit lassen sich etwa 0,9 % des deutschen Stromverbrauchs decken.

Deutschland dürfte 2009 mit einem Zubau von 2.000 bis 2.500 MW wieder der weltgrößte Absatzmarkt für Photovoltaik-Anlagen werden. Auf dem zweiten Platz dürften die USA mit einem Zubau zwischen 340 und 1.500 MW folgen [3]. Im Jahr 2008 dürfte nach vorläufigen Zahlen Spanien das Land mit dem größten Zubau gewesen sein. Die Installation dürfte 2.700 bis 3.200 MW betragen haben [4]. Da der spanischen Regierung die Förderung zu teuer wurde, hat sie ab 2009 nur noch einen geförderten Photovoltaik-Zubau von jährlich rund 500 MW zugelassen [5]. So wird der bis 2008 in Spanien erfolgte Zubau an Photovoltaikanlagen Vergütungszahlungen in Höhe von rund 40 Milliarden Euro nach sich ziehen. Da in Spanien der Staat den Strompreis subventioniert, muss dieser Betrag innerhalb der nächsten 20 Jahre vom spanischen Staat aufgebracht werden[6].

In Deutschland wurden im Jahr 2008 Solarzellen mit einer Leistung von 1.460 MW hergestellt. Damit kam Deutschland auf den zweiten Platz hinter China, wo Solarzellen mit einer Leistung von 2.589 MW produziert wurden. Während Deutschland und Japan 2008 Weltmarktanteile in der Zellfertigung verloren, konnten insbesondere China, aber auch Taiwan und weitere asiatische Länder deutlich Weltmarktanteile gewinnen. Mittlerweile kommt rund jede dritte weltweit verkaufte Solarzelle aus China, aus Deutschland kommen rund 19 Prozent der Weltproduktion.[7]

Deutschland dürfte, genauso wie in den 2006 und 2007 auch im Jahr 2008 Netto-Importeur von Solarmodulen gewesen sein, da die inländische Produktionsmenge an Solarmodulen nicht ausreichte, die Nachfrage zu decken. So wurden 2008 in Deutschland Solarmodule mit einer Leistung von 1.207 MW hergestellt [8], die inländische Installation lag aber bei (vorläufige Schätzung) 1.860 MW [2].

Solarstrom aus Photovoltaikanlagen ist in Deutschland noch nicht ganzjährig wirtschaftlich konkurrenzfähig. Die Erzeugung von Solarstrom wird daher durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz gefördert. Inhaber von Photovoltaikanlagen erhalten derzeit eine Einspeisevergütung von ca. 32 bis 43 Cent pro Kilowattstunde, je nach Größe und Art der Anlage. Die Kosten für die Solarstromerzeugung werden auf alle Stromverbraucher umgelegt. Diese stiegen von 19 Mio. Euro im Jahr 1998 auf 1.597 Mio. Euro im Jahr 2007 [9]. Solarstrom wird im Hochsommer an einzelnen Stunden geringer vergütet, als der Strompreis an der Strombörse beträgt. Im "Normalfall" wird Solarstrom aktuell noch mit rund dem achtfachen Betrag des Preises an der Strombörse vergütet[10] Aus Sicht des Energiekonzerns wird es daher bis zur Wettbewerbsfähigkeit von Solarstrom so lange dauern, bis dieser von dem Energiekonzern beim Solaranlagenbetreiber günstiger eingekauft werden kann als an der Strombörse. Anders sieht es allerdings aus Sicht des privaten Stromverbrauchers aus, welcher mit Solarstrom seinen eigenen Strombedarf deckt. Hier tritt Wettbewerbsfähigkeit ein, sobald der Einzelne Solarstrom auf dem eigenen Dach günstiger produzieren kann als er für denselben Strom aus der Steckdose zahlen müsste. Dieser Zeitpunkt dürfte 2012 eintreten [11]. Allerdings ist dabei zu beachten, dass das momenten geltende Erneuerbare-Energien-Gesetz erst eine Wettbewerbsfähigkeit für ca. 2015 vorsieht. Wenn Solarstrom von den Herstellungskosten schneller wettbewerbsfähig wird, dies aber nicht mit einer gleichzeitigen entsprechden Korrektur der Einspeisevergütung einhehr geht, steigen die Gewinnmargen der Anlagenkäufer, der Solarstrom selbst wird aber nicht schneller wettbewerbsfähig.

Die meisten privaten Solarstromnlagen werden in Deutschland auf Dachflächen montiert. Das solare Energiepotenzial einer Dachfläche hängt von deren Form und Größe, Neigung, Exposition und Verschattung ab. Statt diese Daten nur für ein einzelnes Bauobjekt individuell zu berechnen, ist die Erfassung und Auswertung des solaren Energiepotenzials jeder Dachfläche einer ganzen Stadt oder eines ganzen Landkreises auf einmal möglich. In einem Pilotprojekt an der FH Osnabrück geschah dies 2006–2007 mittels hochauflösender Aufnahme der Gebäudegeometrien per Laserscanner-Aufnahme aus dem Flugzeug, automatischer algorithmischer Auswertung der Daten und Verbindung mit der automatisierten Liegenschaftskarte. Die Ergebnisse können per Webzugriff Interessierten zur Verfügung gestellt werden.[12] Das Pilotprojekt SUN-AREA wurde 2008 mit dem „GIS Best Practice Award“ ausgezeichnet.[13]

[Bearbeiten] Bruttostromerzeugung aus Solarenergie in Deutschland

Entwicklung der Solarstromerzeugung in Deutschland

Zum Vergleich: Gesamtbruttostromverbrauch 1990: 550,7 TWh (1 TWh = 1.000 GWh), 2004: 608,9 TWh, 2005: 611,8 TWh, 2006: 615,8 TWh

Jahr GWh Anteil am Bruttostromverbrauch
1990 1 0,000 %
1991 2 0,000 %
1992 3 0,001 %
1993 6 0,001 %
1994 8 0,002 %
1995 11 0,002 %
1996 16 0,003 %
1997 26 0,005 %
1998 32 0,006 %
1999 42 0,008 %
2000 64 0,011 %
2001 116 0,020 %
2002 188 0,032 %
2003 313 0,057 %
2004 557 0,092 %
2005 1.282 0,21 %
2006 2.220 0,36 %
2007 3.500 0,6 %

Quelle: BMU, Februar 2006; Bezugswerte Bruttostromverbrauch: DIW, Juli 2005 (PDF)

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. a b Photon Jan. 2009, Seite 42f: Mehr als ein Gigawatt Zubau
  2. a b Solarbuzz(2009): World PV Industry Report Summary, [1]
  3. http://www.epia.org/fileadmin/EPIA_docs/publications/epia/Global_Market_Outlook_Until_2013.pdf EPIA: Global Market Outlook for Photovoltaic until 2013
  4. Photon April 2009 Seite 18: Iberisches Zahlenwirrwarr
  5. Photon Okt. 2009, Seite 22ff:Adios, Espana
  6. Photon Jan.2009, Seite 3: Editorial
  7. Photon April 2009, Seite 54ff: Verhaltenes Lächeln auf langen Gesichtern
  8. Photon Jan. 2009, Seite 36ff: Ein gutes Jahr
  9. BDEW (2008): EEG-Jahresabrechnung 2007, [2]
  10. Beispielpreise an der Strombörse EEX [3]
  11. Solarworld-Chef Frank Asbeck zur Wettbettewerbsfähigkeit von Solarstrom[4]
  12. Projektwebsite SUN-AREA auf der Website der FH Osnabrück. (Abgerufen am 8. Mai 2009.)
  13. INTERGEO 2008 in Bremen, Verleihung des GIS Best Practice Award Pressemitteilung auf der Website der FH Osnabrück. (Abgerufen am 8. Mai 2009.)
Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen
Andere Sprachen