Einspeisevergütung

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Eine Einspeisevergütung, auch Einspeisungsvergütung, ist eine staatlich festgelegte Vergütung von Strom, die dazu dient, bestimmte Arten der Stromerzeugung zu fördern. In der Regel handelt es sich dabei um Erneuerbare Energien, d. h. Windkraft-, Solar, Wasserkraft-, Geothermie- und Biomasseanlagen, allerdings erhalten in manchen Staaten auch andere Arten der Stromerzeugung eine Einspeisevergütung.

So sagte beispielsweise 2013 Großbritannien den Betreibern des geplanten Kernkraftwerk Hinkley Point C eine Einspeisevergütung in Höhe von 92,50 Pfund pro MWh plus Inflationsausgleich zu, da die Stromgestehungskosten dieses Kraftwerkes etwa beim Doppelten des englischen Börsenstrompreises liegen.[1][2] 2012 forderten Großbritannien, Frankreich, Polen und Tschechien Subventionen für die Stromerzeugung mittels Kernenergie, die neben Hilfen bei dem Bau von Kernkraftwerken auch eine Einspeisevergütung für den produzierten Atomstrom vorsehen um damals wirtschaftlich unrentable Kernkraftwerksprojekte realisieren zu können.[3]

Allgemeines[Bearbeiten]

Die Einspeisevergütung ist ein Mindestpreissystem, das es ermöglicht, auch Erzeugungsformen in den Markt zu integrieren, die nicht in der Lage sind, alleine über ihren Marktpreis mit anderen Erzeugungsformen zu konkurrieren. Sie gibt Investoren Planungssicherheit. Üblicherweise sind Einspeisevergütungen degressiv gestaltet. Die Vergütung wird dabei regelmäßig, beispielsweise jährlich, um einen bestimmten Prozentsatz verringert. Dadurch wird bewusst ein Kostendruck erzeugt, sodass die Anbieter von geförderten Anlagen dazu gezwungen werden effizienter und kostengünstiger zu produzieren. Langfristiges Ziel ist es, dass die neuen Technologien auch ohne Hilfen am Markt bestehen können. Die Sozialwissenschaftler Weert Canzler und Andreas Knie sehen in der garantierten Einspeisevergütung kombiniert mit dem Einspeisevorrang und der damit einhergehenden Planungssicherheit das eigentliche Erfolgsgeheimnis des EEG.[4]

Verbreitung[Bearbeiten]

Im Jahr 2012 waren in 20 von 45 europäischen Staaten Einspeisevergütungen für Erneuerbare Energien eingeführt;[5] andere Fördermodelle für Erneuerbare Energien wie die Quotenregelung oder das Ausschreibungsmodell waren deutlich weniger verbreitet. Einen Überblick über die Höhe der jeweiligen Einspeisevergütungen in der EU liefert eine Online-Datenbank des Bundesumweltministeriums.[6]

Ein bekanntes Beispiel für eine auf Einspeisevergütungen setzende Regelung ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in Deutschland. Dieses Gesetz diente weltweit als Vorbild für den Ausbau der alternativen Stromerzeugung. Es wurde in seiner Grundstruktur bis Anfang 2012 weltweit von mindestens 65 Staaten sowie 27 Bundesstaaten bzw. Provinzen übernommen, während das Quotenmodell sowie die „mindeste Angebotsverpflichtung alternativer Energien“ (Renewable Portfolio Standard, RPS) in etwa 18 Staaten und 53 anderen Gerichtsbarkeiten erlassen wurde. Damit ist das EEG der am weitesten verbreitete Mechanismus zur Förderung alternativer Energieerzeugung. Insgesamt werden Erneuerbare Energien in 109 Staaten gefördert.[7] Vorgänger des EEG war das 1990 beschlossene Stromeinspeisungsgesetz, mit dem erstmals in Deutschland Elektrizitätsversorgungsunternehmen verpflichtet wurden, elektrische Energie aus regenerativen Umwandlungsprozessen abnehmen und vergüten zu müssen.

Wirksamkeit[Bearbeiten]

Einspeisevergütung gelten als effektivster Fördermechanimus zum Ausbau Erneuerbarer Energien.[8] Ein empirischer Vergleich der Fördersysteme in der EU zeigt, dass in Ländern mit Einspeisevergütungen die Stromerzeugung mittels erneuerbarer Energien günstiger und effizienter ist als in solchen mit Quotensystemen. In Ländern wie Deutschland, Spanien, Frankreich oder Portugal beträgt die Vergütung pro Kilowattstunde Onshore-Windstrom deutlich weniger als 10 Cent. Hingegen ist der Zubau von Windkraftanlagen in Staaten mit Quotenregelung wie Großbritannien, Polen, Belgien oder Italien mit einer Spanne von knapp 11 Cent/kWh bis fast 15 Cent/kWh deutlich kostspieliger. Laut einer Umfrage von EuPD Research sahen fast drei Viertel der 2012 befragten Erneuerbare-Energien-Unternehmen in Einspeisevergütungen das geeignete Instrument für Klimaschutz, Markteinführung und Technologieentwicklung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Quotensysteme hielten dagegen nur zwei Prozent der Unternehmen für sinnvoll.[9][10]

Die Beratungsgesellschaft Ernst & Young fand im Jahr 2011 feste Einspeisetarife hinsichtlich Kosteneffizienz, Anwendbarkeit und Akteursvielfalt Quotenmodellen und auch Bonus-/Prämiensystemen überlegen. Daher setzten einige Staaten wie Japan und China, die zuvor letztgenannte Modelle verwendeten, mittlerweile auf Einspeisevergütungen.[11] Bereits 2004 war eine Studie des Massachusetts Institute of Technology (MIT) zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen.[12] 2008 kam eine Studie der EU zu dem Ergebnis, dass gut ausgestaltete Einspeisevergütungen die effizientesten und effektivsten Fördermechanismen für den Ausbau der regenerativen Stromerzeugung darstellen.[13]

Gegenüber Marktprämienmodellen bieten Einspeisevergütungen den Vorteil, dass sie bei derselben Attraktivität für Investoren mit niedrigeren Förderhöhen auskommen, da sie gegenüber diesen Modellen eine größere Sicherheit bieten. Ermöglicht wird dies dadurch, dass riskioaverse Investoren bereit sind, niedrigere Renditen zu akzeptieren, wenn die Erträge durch fixe Einspeisevergütungen sicherer sind. Der Effekt wird auf ca. 10 Euro/MWh beziffert, was im untersuchten Fall einer Kostenersparnis von bis zu 40 % entsprach.[14]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kooperation mit China: Großbritannien baut erstes Atomkraftwerk seit Jahrzehnten. In: Spiegel Online, 21. Oktober 2013. Abgerufen am 16. November 2013.
  2. Britain, EDF strike deal on nuclear project. In: Global Post, 17. Oktober 2013. Abgerufen am 18. Oktober 2013.
  3. sueddeutsche.de 13. April 2012: Konkurrenz zu erneuerbaren Energien. EU-Staaten fordern Subventionen für Atomkraft.
  4. Weert Canzler, Andreas Knie, Schlaue Netze. Wie die Energie- und Verkehrswende gelingt, München 2013, S. 69.
  5. Franz Alt Energielücke in Frankreich beweist: Deutsches EEG ist ein Erfolgsmodell. Sonnenseite, 11. Februar 2012. Abgerufen am 25. Februar 2012.
  6. Bundesministerium für Umwelt: RES Legal Abgerufen am 11. April 2012.
  7. Renewables Global Status Report 2012, S. 14, 17, 66f., 70–72, 118f., REN21
    GSR Policy Table
  8. Wong et al, Recent advances of feed-in tariff in Malaysia. Renewable and Sustainable Energy Reviews 41, (2015), 42–52, S. 44, doi:10.1016/j.rser.2014.08.006.
  9. Pressemitteilung Agentur für Erneuerbare Energie, 27. Juni 2012
  10. Hintergrundpapier "Renews Kompakt: Erfolgreicher Ausbau Erneuerbarer Energien dank Einspeisevergütung", Juni 2012
  11. Feste Einspeisetarife für Erneuerbare Energien setzen sich weltweit durch. In: Schweriner Volkszeitung, 31. August 2011. Abgerufen am 25. Februar 2012.
  12. Lucy Butler, Karsten Neuhoff: Comparison of Feed in Tariff, Quota and Auction Mechanisms to Support Wind Power Development. Cambridge Working Papers on Economics CWPE 0503, 2004
  13. The support of electricity from renewable energy sources (PDF; 385 kB). Abgerufen am 25. Februar 2012.
  14. Lena Kitzing, Risk implications of renewable support instruments: Comparative analysis of feed-in tariffs and premiums using a meanevariance approach. Energy 64 (2014) 495–505, S. 504 doi:10.1016/j.energy.2013.10.008.