St. Albani (Göttingen)

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Die St. Albani-Kirche von Westen
Die St. Albani-Kirche von Nordosten
Stundenschlag und Sechsuhrläuten von St. Albani

Die ev. luth. Pfarrkirche St. Albani ist eine dreischiffige gotische Hallenkirche in Göttingen.

Geschichte[Bearbeiten]

Der romanische Vorgängerbau war das Gotteshaus des alten, zuerst 953 in einer Urkunde erwähnten Dorfes Gutingi. Später bildete die Kirche das Gotteshaus der Albanigemeinde, einer kleinen, ärmlichen Dorfgemeinde, die ihre größte Ausdehnung außerhalb der Göttinger Stadtmauern besaß. Ab dem Beginn des 14. Jahrhunderts verkleinerte sich der Umfang des Dorfes, 1307 wurden die Häuser westliches des Leinearms abgezweigt, während in den Folgejahren ihr einzelne Kapellen und Stifte genommen wurden.[1] Dazu zählten mitunter Häuser in der Karspüle, der Wendenstraße und der Langen und Kurzen Geismarstraße. Gleichzeitig mit der neuen Glocke der Nikolaikirche, wurde 1271 eine neue Glocke für die Albanikirche gegossen. Vom Kloster Pöhlde erwarb Herzog Albrecht I. das Patronatsrecht, welches Herzog Otto der Quade mitsamt der Kirche dem Deutschen Orden schenkte. Ein Brief, datiert auf das Jahr 1404, bezeugt jedoch den Verlust der Kirche durch den Orden.

Die heutige St. Albanikirche ist in mehreren Bau- und Sanierungsabschnitten entstanden. Sie liegt am östlichen Rand der Göttinger Altstadt gegenüber der Stadthalle. Um 1400 wurde der Bau mit dem Chor begonnen. 1423 (Inschrift am südwestlichen Eckpfeiler) wurde der Westteil mit dem Glockenturm errichtet. Beim Glockenguss 1447 war der kubisch gestaltete Glockenturm vollendet. 1467 wurde das Gewölbe geschlossen und der Bau vollendet. Die 1996 freigelegten Malereien im Gewölbe stammen aus dieser Zeit. Der relativ niedrige Hallenraum von bescheidenen Dimensionen erhielt erst spät (nach 1467) seine gekehlten Kreuzrippengewölbe. Die Achteckpfeiler mit Schildwänden über den Spitzbogenarkaden lassen optisch eine stärkere Trennung der drei Kirchenschiffe entstehen.

Der ursprünglich gotische Spitzhelm des Glockenturmes wurde 1726 durch eine barocke glockenförmige Dachhaube ersetzt.

Innenausstattung[Bearbeiten]

1996 wurde der Innenraum renoviert und 2005 die 13 verbleiten Glasfenster restauriert.

Altar[Bearbeiten]

Flügelaltar des Hans von Geismar
Ott-Orgel von 1964

Kostbarster Schatz der Kirche ist der große Flügelaltar, der 1499 von Hans von Geismar erschaffen wurde. Die jetzigen Tafeln des Altars haben eine abenteuerliche Irrfahrt mitgemacht. 1857 wurde die Kirche renoviert und der Altar für den Trödler bestimmt. Der Göttinger Student Hubert von Arnswald kaufte die Altartafeln für 1 Taler das Stück dem Küster ab. So gelangten sie teils auf das pommersche Familiengut der von Arnswaldt, teils ins Rostocker Museum, und konnten erst 1907 für 1.000 Reichsmark von der Stadt Göttingen zurückgekauft werden und kamen in das Städtische Museum. Erst 1931 sind die Altartafeln als Leihgabe des Museums wieder an den alten Platz in der Kirche zurückgekehrt. Die einzelnen Bildtafeln waren für den privaten Gebrauch voneinander getrennt und sogar in Längsrichtung gespalten worden, so dass sie getrennt voneinander an Wänden aufgehängt werden konnten. Bei der Zusammenfügung der Tafeln zu einem Altaraufsatz wurden die Tafeln der ehemaligen Werktagsseite nicht wieder auf der Rückseite der äußeren Flügel der Sonntagsseite angeordnet, sondern leicht angewinkelt an deren Außenseite, so dass ein gleichzeitiger Anblick der ehemaligen Sonntags- und Werktagsseite möglich ist. Dadurch ist die Möglichkeit der Nutzung als Wandelaltar verlorengegangen.

Die Tafeln zeigen auf der ehemaligen Sonntagsseite in acht Bildern Szenen aus dem Marienleben. Im Uhrzeigersinn, beginnend oben links, sind zu sehen: Marias Tempelgang, Mariä Verkündigung, Mariä Heimsuchung, Geburt Jesu Beschneidung Jesu, Darstellung des Herrn, Anbetung der Könige und Tod der Maria. Die äußeren Tafeln, die früher die Werktagsseite bildeten, zeigen jeweils ein hochformatiges Gemälde: links das Martyrium des Heiligen Albanus, rechts das jüngste Gericht. Bei der Restaurierung des Altars 1961 entdeckte der Restaurator Kurt Manning auf der Altartafel Tod der Maria dreizehn trauernde Apostel. Der dreizehnte Apostel ohne Heiligenschein, der einem anderen über die Schulter guckt, ist höchstwahrscheinlich das Konterfei vom Schöpfer des Altars, Hans von Geismar.

Orgel[Bearbeiten]

Paul Ott baute 1964 eine neue Orgel mit 36 Registern, verteilt auf drei Manualen und Pedal. Sein Schüler Rudolf Janke führte 1990 einen Renovierungsumbau durch.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: St. Albani (Göttingen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Albrecht Saathoff: Aus Göttingens Kirchengeschichte. Festschrift zur 400jährigen Gedächtnisfeier der Reformation am 21. Oktober 1929. Verlag des Göttinger Gemeindeblattes, Göttingen 1929, S. 45.

51.5336888888899.9411361111111Koordinaten: 51° 32′ 1″ N, 9° 56′ 28″ O