Stille SMS

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Eine Stille SMS, auch Stealth Ping oder Silent SMS, bezeichnet eine spezielle Form einer SMS. Diese Nachricht wird nicht auf dem Bildschirm des Mobiltelefons angezeigt und löst kein akustisches Signal aus, beim Mobilfunkanbieter fallen jedoch Verbindungsdaten an, die anschließend ausgewertet werden können. Ursprünglich sollte der Dienst für Sonderdienste der Netzbetreiber eingesetzt werden.

Datenschutz und Funkzellenermittlung[Bearbeiten]

Solche Kurzmitteilungen werden von Ermittlungsbehörden zur Ortung von Telefonen oder zur Erstellung von Bewegungsprofilen[1][2][3] verwendet. Am häufigsten wird die stille SMS von den Behörden der Zollfahndung (2010: 236.000) und des Verfassungsschutzes (2010: 107.000) genutzt.[4] Stille SMS können auch von privater Seite aus versandt werden, lassen dann aber nur erkennen, dass die adressierte SIM eingebucht ist, bzw. das Empfängergerät empfangsbereit ist.

Von 2007 bis 2012 haben Bundesbehörden insgesamt 1,7 Millionen stille SMS verschickt, um Handybesitzer zu orten.[5][6] Im Jahr 2012 wurden 328.572 Handy-Ortungen durch Ermittlungsbehörden (Verfassungsschutz, Bundeskriminalamt, Bundespolizei und Zoll) vorgenommen, davon stammten 138.779 Ortungen vom Zoll.[7] Im ersten Halbjahr 2013 waren es 264.648.[8][9]

Jahr BfV BKA BPOL Zoll Summe
2012 28.843 37.352 63.354 199.023 328.572
2013 (1. Hj.) 28.472 31.948 65.449 138.779 264.648

Auch die Landesbehörden für Verfassungsschutz nutzen das Verfahren: Das Innenministerium Nordrhein-Westfalens legte 2011 Zahlen vor. Demnach erhielten im bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland 2.644 Anschlussinhaber insgesamt 255.784 „Ortungsimpulse“, um ihren Aufenthaltsort bestimmen zu können. Für die Stille SMS nutzen die Polizeibehörden eine eigene Software und entsprechende „SMS-Server“. Die Funkzellenauswertung und das Versenden von Ortungsimpulsen sind laut Innenministerium des Landes NRW rechtlich wie technisch unterschiedliche Maßnahmen.[10]

Die Bundesbehörden und Landesbehörden können die Mobilfunkbetreiber zur Herausgabe sämtlicher Daten zwingen. Der Chaos Computer Club sprach von einer „Ortungswanze“.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Leitfaden zum Datenzugriff insbesondere für den Bereich der Telekommunikation. Generalstaatsanwaltschaft München, 2011, abgerufen am 5. Dezember 2011 (PDF; 429 kB).
  2. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,799404,00.html
  3. Was sind stille SMS
  4. http://www.zdnet.de/news/41558728/zoll-verschickt-die-meisten-stillen-sms.htm
  5. http://wissen.dradio.de/ueberwachung-heimliche-kontrolle-via-ortungswanze.36.de.html?dram:article_id=14422 DRadio Wissen Beitrag 9. Januar 2012
  6. Roland Freist: Silent SMS und IMSI-Catcher - Handys aufspüren und abhören. In: PC-Welt Ratgeber. IDG Tech Media GmbH 2012. Abgerufen am 10. Juli 2013.
  7. Süddeutsche.de: Überwachung mittels stiller SMS nimmt zu, 6. September 2013
  8. Spiegel Online: Stille SMS: Deutsche Ermittler nutzen immer häufiger verdeckte Handy-Ortung, 6. September 2013
  9. Süddeutsche.de: Überwachung mittels stiller SMS nimmt zu, 6. September 2013
  10. http://www.heise.de/tp/artikel/35/35905/1.html