Karsten Nohl

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Karsten Nohl

Karsten Nohl (* 11. August 1981)[1] ist ein deutscher Kryptospezialist.[2] Zu seinen Forschungsgebieten gehören GSM-Sicherheit, RFID-Sicherheit und der Schutz der Privatsphäre.[3]

Leben[Bearbeiten]

Nohl wuchs im Rheinland auf und studierte von 2001 bis 2004 Elektrotechnik an der Fachhochschule Heidelberg.[1][3] 2005 bis 2008 promovierte er an der University of Virginia über Implementable Privacy for RFID Systems.[3] Seit 2010 ist er Forschungsleiter und Geschäftsführer der in Berlin ansässigen Security Research Labs GmbH.[3] [4]

Forschungsgebiete[Bearbeiten]

Mifare Security[Bearbeiten]

Zusammen mit Henryk Plötz und Starbug vom CCC Berlin gab Nohl im Dezember 2007 bekannt, dass der Verschlüsslungsalgorithmus, der in Mifare Classic RFID Smartcards genutzt wurde, geknackt wurde. Die Mifare Classic Card wurde in vielen Micropayment-Anwendungen wie der Oyster card, CharlieCard, oder der OV-Chipkaart zum Bezahlen genutzt.[5][6][7]

deDECTed.org[Bearbeiten]

Nohl war 2008 Teil der Projektgruppe deDECTed.org[8], welche auf dem 25C3 auf gravierende Mängel im DECT-Protokoll hinwies.[9]

Im April 2010 veröffentlichte Nohl zusammen mit Erik Tews und Ralf-Philipp Weinmann Details zur Kryptoanalyse des bei DECT proprietären und geheimen eingesetzten Verschlüsselungsalgorithmus (DECT Standard Cipher), welche auf Reverse-Engineering von DECT-Hardware und Beschreibungen aus einer Patentschrift beruht.[10]

A5/1 Security Project[Bearbeiten]

Im Sommer 2009 stellt Nohl das A5/1 Security Project vor.[11] Dieses Projekt stellt einen Angriff mittels Rainbow Tables auf den GSM-Verschlüsslungstandard A5/1 dar. Mit Hilfe von Freiwilligen wurden die Schlüssel-Tabellen in wenigen Monaten berechnet.[12]

Die GSM Association bezeichnete Nohls Vorhaben als illegal und bestritt dass ein Abhören tatsächlich möglich sei. Dieser erwiderte, dass seine Forschungen rein akademisch seien.[13]

Bereits 2008 hatte die Hacker-Gruppe THC mit dem Vorberechnen von Schlüssel-Tabellen für A5/1 begonnen, aber vermutlich wegen rechtlicher Probleme die Tabellen nie veröffentlicht.[11]

GSM Sniffing[Bearbeiten]

Auf dem 27C3 demonstrierte Nohl zusammen mit Sylvain Munaut[14], wie sich Mobilfunkgespräche mit Hilfe umgebauter Billighandys und der Open-Source-Software OsmocomBB mitschneiden und entschlüsseln lassen. Dabei zeigten beide, dass die GSM-Verschlüsselung „in rund 20 Sekunden“ geknackt werden kann und wie Anrufe aufgezeichnet und wiedergegeben werden können.[15][16]

GPRS Security[Bearbeiten]

Beim Chaos Communication Camp 2011 zeigte Nohl zusammen mit Luca Melette in einem Vortrag, dass Datenverkehr auf der Basis von GPRS unsicher ist.[17] Sie gaben an, mehrere Datenübertragungen in den deutschen Mobilfunknetzen von T-Mobile, O2 Germany, Vodafone und E-Plus mitgeschnitten zu haben.[2] Mehrere Mobilfunkanbieter verwendeten entweder keine oder nur eine ungenügende Verschlüsselung. Mit einem modifizierten Mobiltelefon konnte der Datenverkehr aus einem Umkreis von fünf Kilometern Reichweite ausgelesen werden.[2] The recent research work of Nohl shows how SIM card are susceptible to hacker attack

Car Immobilizer[Bearbeiten]

Auf der Sigint-13 wies Nohl auf die Unsicherheit von elektronischen Wegfahrsperren hin. Dabei zeigte er exemplarisch Sicherheitslücken in den 3 am weitesten verbreiteten Systemen DST40 (Texas Instruments), Hitag 2 (NXP Semiconductors) und Megamos (EM Micro) auf.[18]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Teresa Goebbels: GPRS-Hacker Karsten Nohl: Der perfekte Verbrecher. 11. August 2011, abgerufen am 11. August 2011.
  2. a b c Daniel Bachfeld: GPRS-Verbindungen leicht abhörbar. heise online, 10. August 2011, abgerufen am 11. August 2011.
  3. a b c d CV Karsten Nohl (PDF-Datei; 110 kB)
  4. Impressum der Security Research Labs GmbH (SRLABS)
  5. Press Release: Lost Mifare obscurity raises concerns over security of OV-Chipkaart. 8. Januar 2008, abgerufen am 11. August 2011.
  6. 24C3:Mifare. Abgerufen am 11. August 2011.
  7. 24C3:Mifare. Abgerufen am 11. August 2011 (MP4 Video 94 MB).
  8. deDECTed.org. Abgerufen am 11. August 2011.
  9. Stefan Krempl: 25C3: Schwere Sicherheitslücken beim Schnurlos-Telefonieren mit DECT(update). heise online, 30. Dezember 2008, abgerufen am 11. August 2011.
  10. Daniel Bachfeld: Kryptanalyse der DECT-Verschlüsselung. 26. April 2010, abgerufen am 11. August 2011.
  11. a b Daniel Bachfeld: Open-Source-Projekt geht GSM an den Kragen. heise online, 26. August 2009, abgerufen am 11. August 2011.
  12. 26C3: GSM: SRSLY? Abgerufen am 11. August 2011 (mp4 Video 666MB).
  13. Christoph H. Hochstätter,Andrew Nusca: 26C3: Deutscher Hacker knackt GSM-Verschlüsselung. ZDNet, 29. Dezember 2009, abgerufen am 11. August 2011.
  14. 27C3:Wideband GSM Sniffing. Abgerufen am 11. August 2011.
  15. Stefan Krempl: 27C3: Abhören von GSM-Handys weiter erleichtert. heise online, 28. Dezember 2010, abgerufen am 11. August 2011.
  16. 27C3 Wideband GSM Sniffing. 28. Dezember 2010, abgerufen am 11. August 2011 (mp4 Video 512 MB).
  17. Camp 2011:GPRS Intercept. Abgerufen am 11. August 2011.
  18. http://sigint.ccc.de/schedule/events/5034.html