DRadio Wissen

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DRadio Wissen
Logo von DRadio Wissen
Allgemeine Informationen
Empfang DAB+, DVB-S, Livestream und in den meisten Kabelnetzen
Sendegebiet DeutschlandDeutschland Deutschland
Sendeanstalt Deutschlandradio
Intendant Willi Steul
Sendestart 18. Januar 2010
Rechtsform öffentlich-rechtlich
Programmtyp Jugendradio
Homepage www.dradiowissen.de
Liste der Hörfunksender

DRadio Wissen (auch kurz DWissen oder lang Deutschlandradio Wissen) ist das dritte Programm des Deutschlandradios und ging erstmals am 18. Januar 2010 um 6 Uhr auf Sendung. Sein Studio befindet sich in der Kölner Sendezentrale. Anders als der Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur sendet DRadio Wissen nicht über UKW, sondern primär über Digitalradio DAB+ und das Internet. Das Motto lautet: Hirn will Arbeit. Der Leiter von DRadio Wissen ist Ralf Müller-Schmid. Seit 19. Februar positioniert sich DRadio Wissen als anspruchsvolles Jugendradio mit einem überdurchschnittlich hohen Wortanteil und einer heterogenen Musikauswahl.[1]

Programm[Bearbeiten]

Bis Februar 2014[Bearbeiten]

Tagsüber sendete DRadio Wissen neben kurzen Pausen mit vorzugsweise ruhiger, elektronischer Musik viertelstündig Nachrichten, abwechselnd aus dem Tagesgeschehen und dem Bereich Wissenschaft. Ein Konzept, das Programmdirektor Günter Müchler Nachrichtenkreuz nennt. Am Abend waren halbstündige Sendungen geplant. Die Beiträge wurden von den beiden anderen Vollprogrammen des Deutschlandradios sowie den ARD-Anstalten zugeliefert. Für das Programm wurden 28 Planstellen geschaffen. Das Budget war mit 6,9 Millionen Euro angesetzt.[2]

Das Programm war tagsüber im 15-Minuten-Takt nach folgendem Schema aufgebaut:

  • Agenda (Nachrichten)
  • Natur (Umwelt, Technik und Natur)
  • Medien (Kommunikation und Web)
  • Globus (Auslandsreportagen)
  • Kultur
  • Meine Zukunft (Bildung)
  • Spielraum („Gymnastik für Hirn und Ohren“)

Zwischen den Blöcken kamen stündlich zweimal Weltnachrichten und zweimal Wissensnachrichten.[3]

Wochentags nach 18 Uhr und am Wochenende wurden Sendungen der Schwestersender Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur sowie anderer ARD-Sender, beispielsweise Bayern2 oder hr2, übernommen. International kooperierte man mit Radio France, der BBC und DRS 2. Von Nordwestradio wurden Nachrichten in lateinischer Sprache zugeliefert.[4] In der Reihe Hörsaal wurden historische und aktuelle[5] wissenschaftliche Vorträge gebracht, in der Regel mehrere Folgen nacheinander zu einem Thema. Am Samstag- und Sonntagabend waren Musiksendungen im Angebot.

Partner des Programms waren unter anderem Zeit Online und die c’t.[6]

Programmreform[Bearbeiten]

Pläne zu einer Programmreform von DRadio Wissen waren seit Anfang des Jahres 2013 im Gespräch, zogen sich aber hin. Nachdem im Januar 2013 angekündigt worden war, DRadio Wissen werde im Laufe des Jahres einem massiven Umbau unterzogen, das Programm solle deutlich musiklastiger werden und eine jüngere Zielgruppe ansprechen,[7] hieß es am 20. Juni 2013 offiziell, das Programm werde zum Ende des Jahres in seiner bisherigen Form eingestellt und zum Jahresende durch ein jugendorientiertes Format ersetzt. Der Wechsel gelte vor allem der Musik, die sich an ein wesentlich jüngeres Publikum richten solle. Deshalb werde auch die Zusammenarbeit mit dem Moderator Alan Bangs, der bisher die Musiksendungen im Abendprogramm am Wochenende gestaltet hatte, nicht verlängert.[8]

Im Januar 2014 wurde als Zeitpunkt für die „Auffrischung des Programms“ und für einen „neuen Netzauftritt“ Mitte Februar 2014 genannt.[9] Offizieller Starttermin für das neue Programm war der 19. Februar 2014.[10]

Seit Februar 2014[Bearbeiten]

Seit dem 19. Februar 2014 wird nach einer umfassenden Programmreform ein neues Programmformat gesendet.[11] Seitdem gibt es im Tagesprogramm keine Rubriken im Viertelstundentakt mehr. Tagsüber wird durchgehend über acht Stunden hinweg der Grünstreifen gesendet.[12] Die Rubrik Wissensnachrichten stündlich gegen Minute 45 und die Redaktionskonferenz wurden aus dem alten Programmschema übernommen. Auch den Hörsaal gab es schon früher, er wird nun aber nur noch am Wochenende gesendet.

Sendungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Schaum oder Haase, tgl. 6:30 bis 10 Uhr, Morningshow mit höherem Wortanteil
  • Grünstreifen, tgl. 10 bis 18 Uhr, Tagesbegleitprogramm
  • Update, tgl. 18 bis 18:15 Uhr, Nachrichtenmagazin
  • Redaktionskonferenz, Mo–Fr 18:15 Uhr bis 20 Uhr, monothematisches Diskussionsformat
  • Einhundert, Fr 18:15 Uhr bis 20 Uhr, Erzählradioformat, das an das Programm Radiolab des U.S.-amerikanischen Senders WNYC angelehnt ist
  • Eine Stunde …, Mo–Fr 20 bis 21 Uhr, Themensendungen zu den täglich wechselnden Bereichen Musik, Film, Internet, Medien und Liebe
  • Green Goes Black, Fr 21 bis 24 Uhr, moderierte Musikspezialsendung für R'n'B, Soul, Hip-Hop, Funk
  • Early Bird, Sa 7 bis 10 Uhr, Morgenmagazin mit einem Schwerpunkt auf „weltweiten“ Themen
  • Hörsaal, Sa–So 18 bis 20 Uhr, Sendung mit je einer Hochschulvorlesung
  • Club der Republik, Sa 19 bis 0 Uhr, Elektronische Musik mit Sets verschiedener DJs
  • Festival, So 19 bis 21 Uhr, Livemusik

Musik[Bearbeiten]

Nach dem Relaunch am 19. Februar 2014 spielt Musik bei DRadio Wissen trotz des immer noch hohen Wortanteils eine weitaus größere Rolle als bisher und ist voll ins Programm integriert. Nachts wird im Soundtrack ausschließlich Musik gespielt. Das Klangbild soll dabei deutlich heterogener sein als bei anderen Jugendradios sonst üblich.[13] Ein gänzlich alternatives Format, wie z.B. bei FM4 oder Flux FM, wird jedoch nicht geboten.

Empfang[Bearbeiten]

Das Programm wird ausschließlich digital über den Digitalradio-Standard DAB+, Kabel, Satellit und im Internet als Livestream in verschiedenen Formaten ausgestrahlt. An den meisten Standorten, wo der Deutschlandfunk bereits vor dem 18. Januar 2010 mit 128 kbit/s über DAB vertreten war, wurde die Bandbreite auf zwei 64 kbit/s-Programmstreams zugunsten des DLF und des neuen Programms aufgeteilt. Zurzeit (Februar 2014) wird eine Bitrate von 56 kbit/s verwendet. DRadio Wissen will besonders für die jüngere Generation attraktiv sein und dabei das lineare Radioprogramm mit dem interaktiven Medium Internet verknüpfen.[14][15] Alle Beiträge stehen deshalb auch im Internet auf Abruf und als Podcast zur Verfügung. Zur Jahresmitte 2010 kam das Programm auf „rund 40.000“ Hörer pro Tag online.[16]

Rezeption[Bearbeiten]

Während der Deutschlandradio-Programmdirektor Günter Müchler auf der Start-Pressekonferenz DRadio Wissen als „drittes Programm des Deutschlandradios“ bezeichnete, sprechen Beobachter dem reinen Digitalprogramm den Status als vollwertigen Sender ab: „Deutschlandradio Wissen wird demnach das erste Radioprogramm sein, das gar keines ist: eine Podcast-Download-Station. Eigentlich eine Art öffentlich-rechtlicher iTunes Store.“[17] Dagegen lobt Ullrich Claus in der Welt den Sender als höfliches Jungakademiker-Programm, welches mit beachtlichem Erfolg alle Marktregeln ignoriert. So würde „sehr unmodern“ nach allen Regeln heutigen Programmdesigns auf ein „Format“ im branchenüblichen Sinn, auf „Durchhörbarkeit“ sowie auf eine windschnittige „Musikfarbe“ verzichtet. „Die Botschaft ist der pure Inhalt: Wissen im wörtlichen Sinn.“[18]

Auszeichnung[Bearbeiten]

Im Jahr 2011 wurde DRadio Wissen mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Die Preisverleihung wurde von der Jury insbesondere mit der Verbindung von Radioprogramm und Website begründet. Die Programme seien dort nicht nach Sendeschema und -zeiten sortiert, sondern thematisch gegliedert. Die Oberfläche der Website könne von den Benutzern nach eigenen Vorlieben konfiguriert werden. Die Radiobeiträge seien qualitativ überzeugend, und jeder Beitrag sei auch auf Abruf, als Podcast sowie in Textform online verfügbar. „So muss Radio im Internet sein.“[19]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Daniel Kähler: DRadio Wissen neu: Gutes Wort & gute Musik deutschlandweit. In: DWDL.de. 18. Februar 2014, abgerufen am 13. März 2014.
  2. Daniel Bouhs: Mit einem Ohr im Netz. Neuer Sender DRadio Wissen. die tageszeitung. 13. Oktober 2009. Abgerufen am 19. Dezember 2011.
  3. So geht DRadio Wissen. Abgerufen am 30. August 2012.
  4. Radiolinks – Links zu unseren Partnern. Abgerufen am 30. August 2012.
  5. Deutschlandradio-Programmheft September 2012, Programmmitte, Vorstellung der DRadio-Wissen-Sendeformate
  6. Hören fürs Hirn – der neue Radiosender DRadio Wissen. Abgerufen am 29. Januar 2010.
  7. DRadio Wissen soll musiklastiger werden – Massiver Programmumbau. Infosat. 3. Januar 2013. Abgerufen am 12. Januar 2013.
  8. Aus für DRadio Wissen in bisheriger Form zum Jahresende - Eklat um Alan Bangs. satnews.de, abgerufen am 21. Juni 2013.
  9. Ralf Müller-Schmid: Ein Radio für die Gegenwart. In: Programmheft Deutschlandradio, Februar 2014, S. 2.
  10. Daniel Kähler: Relaunch bei DRadio Wissen: „Wir wollen keine Mainstreamberieselung“ (Interview mit Ralf Müller-Schmid). In: Radioszene. 5. Februar 2014. Abgerufen am 10. Februar 2014.
  11. Uwe Mantel: DRadio Wissen vor Relaunch, Bombi-Show wieder da. In: DWDL.de. 13. Februar 2014, abgerufen am 20. Februar 2014.
  12. Daniel Kähler: Neustart von DRadio Wissen: Gutes Wort und gute Musik – überall in Deutschland. In: Radioszene. 18. Februar 2014, abgerufen am 20. Februar 2014.
  13. Daniel Kähler: Relaunch bei DRadio Wissen: „Wir wollen keine Mainstreamberieselung“. 5. Februar 2014, abgerufen am 13. März 2014.
  14. Programmheft des Deutschlandradio, Januar 2010, S. 3–5
  15. DRadio Wissen startet am 18. Januar. Digitalmagazin im Gespräch mit Dietmar Timm, Leiter des neues Senders DRadio Wissen, 18. Dezember 2009. In: Infosat. Archiviert vom Original am 25. Januar 2010, abgerufen am 28. Dezember 2009.
  16. Willi Steul, Editorial, In: Programmheft, August 2010, S. 2.
  17. Jürgen Fenn: Deutschlandradio Wissen – der Freitag. In: Der Freitag (Blog). Archiviert vom Original am 16. Oktober 2009, abgerufen am 28. Januar 2010.
  18. Alleinstellungsmerkmal: Klug und sachlich, Die Welt 16. März 2010.
  19. Grimme Online Award: Begründung der Jury. Preisträger 2011. Ohne Datum. Abgerufen am 25. Juni 2011.