Strandbad Müggelsee

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Blick vom Müggelturm auf das Strandbad am Nordufer, 2009

Das Strandbad Müggelsee, auch bekannt als Strandbad Rahnsdorf, ist ein Freibad in Berlin-Rahnsdorf am Nordufer des Müggelsees.

Das Strandbad, welches als Gesamtanlage unter Denkmalschutz steht[1], wurde Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet und bis in die 1980er-Jahre stetig umgebaut und erweitert. Es verfügt über mehr als 500 m Strand auf einer Gesamtlandfläche von 211.000 m² und bietet eine Kapazität für 25.000 Badegäste, inklusive FKK-Bereich. Derzeit hat es in provisorischem Betrieb geöffnet, wodurch es kostenfrei zugänglich ist. Der kostenlose Zugang soll auch nach einer bis 2014 geplanten, umfassenden Renovierung und Restaurierung bestehen bleiben.

Das Bad verfügt über eine gute Verkehrsanbindung mit eigener Straßenbahnhaltestelle der Linie 61[2] sowie großen Parkflächen am Fürstenwalder Damm.

Geschichte[Bearbeiten]

Historische Ansicht des Strandbads, 1963

Anfangsjahre[Bearbeiten]

Bereits im Jahr 1910 wurden in Privatinitiative auf dem auch schon zuvor von Anwohnern als Badestelle genutzten Gelände erste, temporäre Bauten errichtet. Die ersten festen, teils hölzernen Umkleide- und Toilettengebäude sowie ein Eingangsgebäude entstanden dann im Jahr 1912 nach Gründung der „Freibad Müggelsee GmbH“. Schon in jenem Eröffnungsjahr zählte man über 177.000 Besucher.

1928–2006[Bearbeiten]

FKK im Strandbad, 1989 (heute ist an dieser Stelle kein FKK-Betrieb mehr)

Nach wirtschaftlicher Schwierigkeiten und einem Großbrand im Jahr 1928 erfolgte 1929/30 ein Neubau der Anlage nach Entwurf von Martin Wagner, welcher auch am Bau des Strandbads Wannsee beteiligt war, und Friedrich Hennings. Hierbei wurde das Bad deutlich größer und unter Verwendung von Stahlbeton errichtet. Neben einer 160 m langen Terrasse mit Freitreppe zum Strand bot die Anlage vielfältige Räumlichkeiten für Umkleiden, sanitäre Anlagen, Verwaltung und Aufsicht sowie diverse Läden mit Dienstleistungsangeboten.

Anlässlich der „Weltjugendfestspiele“ im Jahr 1951 sowie in den Jahren 1976-78 wurde das Bad saniert und erheblich auf eine Gesamtfläche von 121.000 m² erweitert. Seitdem besitzt es eine Tageskapazität von 25.000 Gästen. Neben einer später wieder entfernten Freilichtbühne entstanden unter anderem ein neuer Gastronomiebau, Sauna- und Kegelanlagen.

Bis zum Jahr 2006 verblieb das Strandbad Müggelsee dann in der Verwaltung der Berliner Bäderbetriebe, welche es aus finanziellen Gründen schließen wollten.

Aktueller Stand[Bearbeiten]

Nach Übernahme durch den Bezirk Treptow-Köpenick im Jahr 2006 und der damit erfolgten Verhinderung der Schließung wurden zunächst Beräumungs- und Sicherungsmaßnahmen durchgeführt. Das Gelände ist für die Öffentlichkeit kostenlos zugänglich, wenngleich kein offizieller Badebetrieb stattfindet. Gastronomiegebäude sowie Strandbadgebäude stehen leer, während nur das Saunagebäude noch teilweise bewirtschaftet wird.[3] Die Bausubstanz ist dabei nachhaltig, beispielsweise durch Risse und Undichtigkeiten, geschädigt.[4]

Seit dem Jahr 2009 wird das Bad durch Initiative des Vereins „Bürger für Rahnsdorf e.V.“, welcher sich für dessen Erhaltung einsetzt, und einem Arbeitslosenhilfeträger in provisorischem Betrieb gehalten.[5] Die Besucher lassen sich indes wenig vom Zustand der Anlage beeinflussen. Im Jahr 2009 sollen nach Investorenangaben rund 110.000 Menschen das Strandbad besucht haben (300 Besucher an jedem Tag im Jahr).[4] Andere Quellen, darunter Wassersportler eines am See ansässigen Kanusportvereins, nennen hingegen "deutlich weniger als 40.000 Besucher" je Badesaison.

Zukunft[Bearbeiten]

Nachdem ein öffentliches Interessenbekundungsverfahren des Bezirkes zur Findung eines Investors im Jahr 2008 zunächst scheiterte, wurden 2010 drei Konzepte für den Erhalt und Betrieb vorgestellt.[6] Im März 2011 wurde schließlich die Firma „Kühne Pool & Wellness“ aus Schöneiche vom Bezirksamt als zukünftiger Investor ausgewählt. Für geschätzte 6,12 Millionen Euro sollte eine denkmalgerechte Altbausanierung durchgeführt und ein neues Eingangsgebäude errichtet werden. Weiterhin war der Aufbau eines ganzjährig betriebenen „Wellness- und Spa“-Bereichs, ausgebauten Saunen, Fitnessräumen, Physiotherapie und einer Kindertagesstätte mit insgesamt rund 50 Arbeits- und Lehrstellen vorgesehen. Der Eintritt des Bades sollte weiterhin frei bleiben, dem Bezirk ebenfalls keine Kosten entstehen. Eine Fertigstellung war seitens des Investors für das Jahr 2014 avisiert.[5][4]

Das Areal sollte hierbei dem Investor per Erbbaurechtsvertrag für 99 Jahre überlassen werden.[5] Da für dieses Vorhaben das Grundstück allerdings zunächst an den Bezirk überschrieben werden muss und sich dies als problematisch herausstellte war diese Lösung jedoch rasch fragwürdig geworden.[7]

Nach weiteren Rückschlägen wie der Erklärung des Bezirks, dass eine erneute europaweite Ausschreibung vonnöten sei sowie nicht erfolgten Genehmigungen einiger Veranstaltungen auf dem Gelände des Strandbads, teilte Sven Kühne in einem Schreiben vom 3. Januar 2012 mit, nicht mehr länger als möglicher Investor zur Verfügung zu stehen. Ausdrücklich wird dabei auch der Vorbehalt von Schadensersatzansprüchen gegen das Bezirksamt erwähnt.[8]

Anlagen[Bearbeiten]

Gelände[Bearbeiten]

Das Areal umfasst eine Gesamtfläche von 121.000 m² und bietet täglich Platz für 25.000 Gäste. Neben einem ausgedehnten Strandareal gibt es Wiesenbereiche. Am westlichen Ende befindet sich ein FKK-Bereich.

Angrenzend an das Strandbad befindet sich im Westen ein Jugenddorf, welches durch den „Jugendbund DJODeutscher Regenbogen Landesverband Berlin e.V.“ betrieben wird. Hier werden Herbergsplätze für Kinder- und Jugendtourismus, Seminare und Familienreisen angeboten. Östlich befinden sich Bootsstege mit Slipanlagen und eine benachbarte Surfschule mit Bar- und Imbissbetrieb, welcher sowohl im Sommer als auch bei im Winter gefrorenem See geöffnet hat.

Gebäude[Bearbeiten]

Die aus den Jahren 1929/30 stammenden, nach den Plänen von Martin Wagner und Friedrich Hennings entstandenen und später mehrfach umgebauten Gebäude des Strandbads stehen als Gesamtanlage unter Denkmalschutz.[1] Dazu gehört unter anderem das Terrassengebäude, die Eingangshalle, Pförtnerwohnung sowie die Plastik „Maja“, eine Bronzefigur von Fritz Klimsch, welche um 1931 entstand und heute im Heimatmuseum Berlin-Köpenick steht.

Strand[Bearbeiten]

Das Strandbad bietet einen 180 m langen frei zugänglichen Natursandstrandbereich auf dessen Seiten sich insgesamt über 300 m zum Teil leicht bewaldete Wiesen befinden. Derzeit ist der Sandstrand von einer durch Frost erheblich beschädigten Betonkante vom Wasser getrennt, die nur an einigen Stellen passiert werden kann. Die Wiesenbereiche haben einen natürlichen Zugang zum See. Die Einfassungen des natürlichen Übergangs zwischen Wasser und Sand mit einer Betonkante sind – wie auch im Seebad Wendenschloss – laut Kristine Jaath eine typische DDR-Bauweise in den Seebädern Ost-Berlins, die um 1973 zur Zeit der Berliner Weltfestspiele der Jugend und Studenten eingeführt worden sei.[9]

Im Wasser folgt auf das Ufer ein ca. 60 m in den See führender Flachwasserbereich, durch den das Freibad auch besonders bei Familien mit Kindern sehr beliebt ist.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Strandbad Müggelsee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Eintrag in der Berliner Landesdenkmalliste: Strandbad Müggelsee
  2. BVG: Verlauf der Straßenbahnlinie 61. Abgerufen am 8. September 2011.
  3. Entwicklungskonzept der „Stiftung Strandbad Müggelsee i.G.“ (PDF; 3,9 MB) 2011. Abgerufen am 8. September 2011.
  4. a b c Märkische Oderzeitung: Riviera des Ostens: Strandbad Müggelsee soll denkmalgerecht saniert werden. 18. Mai 2010. Abgerufen am 8. September 2011.
  5. a b c Tagesspiegel: Investor für Strandbad am Müggelsee gefunden. 18. März 2011. Abgerufen am 8. September 2011.
  6. Kühne Pool & Wellness: Aktueller Zustand des Strandbads Müggelsee. Abgerufen am 8. September 2011.
  7. Schreiben des Bezirksamts an den potentiellen Investor vom Juni 2011 (PDF; 506 kB) Abgerufen am 8. September 2011.
  8. Strandbad Müggelsee (PDF; 1,8 MB) Abgerufen am 12. Januar 2012.
  9. Kristine Jaath: Baden in und um Berlin. Trescher Verlag, Berlin 2009 ISBN 978-3-897-94149-6, S.  68.

52.44537913.676155Koordinaten: 52° 26′ 43″ N, 13° 40′ 34″ O