Wellness

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Wellness-Bereich mit Ruheliegen

Der Begriff Wellness (engl. wellnessWohlbefinden‘ bzw. ‚Wohlfühlen‘), erstmals 1654 in einer Monografie von Sir A. Johnson als „...wealnesse“ im Oxford English Dictionary mit „gute Gesundheit“ übersetzt, steht nach modernem Verständnis für ein ganzheitliches Gesundheitskonzept und ist seit den 1950er Jahren in den USA Oberbegriff einer seinerzeit neuartigen Gesundheitsbewegung.

Begriff[Bearbeiten]

Nach der Definition des amerikanischen Arztes Kenneth H. Cooper („The Father of Aerobics“) oder des Sozialmediziners Halbert Dunn basiert der Begriff Wellness auf den englischen Begriffen well-being, fitness und happiness. Der Begriff ist also ein Kofferwort. Das Lebensstilkonzept Wellness zielt auf Wohlbefinden, Spaß und eine gute körperliche Verfassung. Heute versteht man unter Wellness vor allem Methoden und Anwendungen, die das körperliche, geistige oder seelische Wohlbefinden steigern. Fremdenverkehrseinrichtungen, Hotels, Schwimmbäder und Kureinrichtungen bieten unter der Bezeichnung „Wellness“ Massagen und Bäder an.

Wellness ist ein beliebtes Werbewort. Der Begriff ist allerdings rechtlich nicht geschützt.[1] Unterschiedlichsten Produkten, wie Mineralwasser, indischer Lassi, Socken, Tees, Müsli, Konfitüren und Nahrungsergänzungsmitteln wird eine wellnesssteigernde, mithin gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben. Gelegentlich werden auch Produkte mit nicht nachgewiesener Wirkung wie Erdstrahlen-Entstörgeräte, Magnetmatratzen oder esoterische Wasserbehandlungen unter der Bezeichnung Wellness angeboten. Seit Ende der 1990er Jahre bilden sich vermehrt Qualitätszeichen im Wellnesstourismus heraus, um der zunehmenden Konturlosigkeit des Begriffes entgegenzuwirken.[2] Diese Zertifikate wurden von unterschiedlichen Akteuren wie dem Deutschen Wellness Verband, Hotelkooperationen oder anderen touristischen Akteuren initiiert.[3][4]

1959 hatte der amerikanische Sozialmediziner Halbert L. Dunn das Wort Wellness neu aufgegriffen. In den 1970er Jahren – als die Kosten im US-amerikanischen Gesundheitswesen explodierten – entwickelten die Wellness-Pioniere Donald B. Ardell und John Travis im Auftrag der US-amerikanischen Regierung neue ganzheitliche Gesundheitsmodelle, die auf Gesundheitsförderung und Eigenverantwortung des Einzelnen für seine Gesundheit aufbauten. Nach dem Verständnis Ardells beschreibt Wellness einen Zustand von Wohlbefinden und Zufriedenheit und besteht aus den Faktoren Selbstverantwortung, Ernährungsbewusstsein, körperliche Fitness, Stressmanagement und Umweltsensibilität. Im Einklang mit diesem ganzheitlichen Ansatz lässt sich Wellness als Harmonie von Körper, Geist und Seele begreifen.[5]

Verwendung der Bezeichnung[Bearbeiten]

Wellness als passives Wohlgefühl

Man kann bei der Verwendung des Wortes Wellness zwischen der Alltagssprache und einer wissenschaftlichen Betrachtung unterscheiden. Es ist bei Analysen der Verwendung des Begriffes der Gesundheitsbezug nur in begrenztem Maße festzustellen.[6] Im alltäglichen Gebrauch wird Wellness allerdings eher mit einer passiven Form der Entspannung gleichgesetzt und ruft bei den Menschen emotionale Bilder hervor. Wellness wird auch unmittelbar mit Urlaub verbunden. Aktive körperliche Betätigung wird von den Verbrauchern eher nicht als Wellness empfunden. Umgangssprachlich werden unter Wellness vor allem passive Wohlfühlangebote verstanden, die für Entspannung stehen. Die Bezeichnung Wellness wird unter anderem auf folgende Bereiche angewendet

Diese Auffassung von Wellness wird mittlerweile auch als Medical Wellness bezeichnet, deren Grundlage vor allem eine gesundheitsbewusste Lebensweise im Alltag ist. Entsprechende Kurse für Menschen mit gesundheitlichen Problemen – vor allem den so genannten Zivilisationskrankheiten – werden von vielen Krankenkassen und in Kurorten angeboten. Unter Medical Wellness sind darüber hinaus Urlaube mit präventiven und teilweise rehabilitativen Maßnahmen zur Verbesserung, Erhaltung und Wiederherstellung des Gesundheitszustandes zu verstehen.

Wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten]

Laut Zahlen des Wirtschaftsforschungsunternehmens Global Insight wird der jährliche Umsatz der Wellness-Branche in Deutschland auf rund 73 Milliarden Euro geschätzt. Hierbei handelt es sich um Schätzungen über sämtliche in Zusammenhang mit dem Begriff Wellness stehenden Umsätze. Diese reichen von Lifestyle-Nahrungsmitteln wie kalorienreduzierten Lebensmitteln, verdauensfördernden Joghurtprodukten usw. bis hin zu Fitnessstudios und Aufenthalten in Wellnesshotels.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Stefanie Duttweiler: Body-Consciousness – Fitness – Wellness – Körpertechnologien als Technologien des Selbst. In: Widersprüche: Selbsttechnologien – Technologien des Selbst. Heft 87, März 2003. (Kleine Verlag)
  • Claudia Freidl: Wellnessboom. Erholung oder zu viel des Guten? VDM Verlag, 2004, ISBN 3-936755-94-9. (soziologische Studie)
  • Harald A. Friedl: Wer braucht Wellness – und warum gerade jetzt? Über die gesellschaftlichen Hintergründe des Wellness-Booms. In: Integra. Zeitschrift für integrativen Tourismus und Entwicklung. Heft 4/2006, S. 6–10.
  • A. Geiger, Th. Gindhart, G. Neuhaus, J. Rauch, S. Ritter, G. Schleinkofer (Hrsg.): Unternehmen Wellness – Handbuch für Betriebe der Wellness und Medizinischen Wellness. Pabst Science Publishers, 2005, ISBN 3-89967-239-9.
  • Lutz Hertel: Der große Wellness-Guide. Deutscher Wellness-Verband, 2003, ISBN 3-85680-677-6. (Ratgeber für Verbraucher)
  • Willigis Jäger: Auch hier sind Götter. Wellness, Fitness und Spiritualität. Herder-Spektrum TB, 2005.
  • Bettina Kenter: Auf Rosen gebettet? Geschichten von Wellness und Wellnepp. 1. Auflage. BOD, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-9433-6.
  • Alma-Elisa Kittner, Jörg Scheller, Ulrike Stoltz (Hrsg.): Weichspüler: Wellness in Kunst und Konsum. 3. Ausgabe der wissenschaftlichen Zeitschrift Querformat: Zeitgenössisches, Kunst, Populärkultur. transcript, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-8376-1579-1.
  • Ulrike Pilz-Kusch: Gesucht: Wellness. Was ist drin und dran? 2. Auflage. Verbraucher-Zentrale NRW, 2003, ISBN 3-933705-28-2. (Ratgeber für Verbraucher)
  • Knut A. Wiesner: Wellnessmanagement. Erich Schmidt Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-503-10360-7.
  • Peter Aderhold: Die Reiseanalyse RA 2000. Kurzfassung, F. U. R. Oktober 2000.
  • Eveline Lanz Kaufmann: Wellness-Tourismus. Entscheidungsgrundlagen für Investitionen und Qualitätsverbesserungen. Universität Bern (Berner Studien zu Freizeit und Tourismus. Band 38), Bern 2002.
  • Meike Sonnenschein: Medical Wellness & Co. Der Gesundheitsvorsorgetourismus in Deutschland. Angebot und Nachfrage im Wandel. Pro Business, Berlin 2009, ISBN 978-3-86805-968-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tams, Katrin: Wellness-ABC – Infos rund um Wellness. Vista-Point-Verlag, Köln 2012, S. 10.
  2. Monika Rulle, Wolfgang Hoffmann, Karin Kraft: Erfolgsstrategien im Gesundheitstourismus. Analyse zur Erwartung und Zufriedenheit von Gästen. Erich Schmidt Verlag, Berlin 2010, S. 10.
  3. Deutsches Wellness Zertifikat mit Qualitätssiegel. Website des Deutschen Wellness Verbandes. Abgerufen am 7. November (PDF-Datei; 475 kB), S. 1 f.
  4. IchZeit-Gastgeber. Website von Rheinland-Pfalz Tourismus. Abgerufen am 7. November 2013.
  5. Eveline Lanz Kaufmann: Wellness-Tourismus. Entscheidungsgrundlagen für Investitionen und Qualitätsverbesserungen. Bern 2002, S. 37.
  6. Die Reiseanalyse RA 2000, Kurzfassung, Peter Aderhold, F.U.R. Oktober 2000, S. 124.

Weblinks[Bearbeiten]