Sturlungar

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Statue des Snorri Sturluson in Reykholt (Gustav Vigeland)

Die Sturlungar (dt. auch Sturlunger) waren ein mächtiges Geschlecht im Island des Hochmittelalters.

Herausragende Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Als Urvater des Geschlechts gilt Sturla Þórðarson, der auch den Beinamen Hvamm-Sturla nach seinem Hauptsitz Hvammur im heutigen Bezirk Dalir im Norden von Snæfellsnes trug. Er lebte vermutlich um 1115 n. Chr. Von seinem Vater Þórður Gilsson hatte er das dortige Godentum geerbt. Sturla war bekannt dafür, mit vielen im Streit zu liegen. Jón Loftsson, einer der Mächtigen aus dem Clan der Oddaverjar, vermittelte in einem dieser Fälle.

Bei diesem wurde später Sturlas Sohn Snorri Sturluson als Ziehsohn untergebracht und aufgezogen, der der bedeutendste Vertreter dieses Geschlechts werden sollte. Sowohl als Politiker als auch als Literat erwarb er sich Ruhm weit über die Grenzen von Island hinaus. [1]

Neben zahlreichen (oft illegitimen) Halbgeschwistern und zwei Schwestern hatte Snorri zwei Brüder Þórður Sturluson und Sighvatur Sturluson, die sich ihrerseits als Politiker einen Namen machen sollten.

Macht und Bürgerkrieg[Bearbeiten]

Seine höchste Machtausdehnung erreichte der Familienclan in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Das dadurch entstandene Ungleichgewicht der Macht im Staate bewirkte schließlich bürgerkriegsähnliche Zustände und den Untergang der mittelalterlichen Republik in Island am Ende des 13. Jahrhunderts.[2]

Durch geschickte Bündnispolitik war es ihnen gelungen, Westisland, die Westfjorde und Nordostisland unter ihre Macht zu bringen. Auch im Süden hatten sie durch ihr Bündnis mit den Oddaverjar, einem anderen Machtclan, großen Einfluss.[3]

Die wichtigste Rolle in diesen Verwicklungen spielten neben Snorri Sturluson selbst sein Bruder Sighvatur Sturluson und dessen Sohn Þórður kakali Sighvatsson.

Literaten[Bearbeiten]

Als Autor ging neben Snorri selbst, dem Verfasser der Snorra-Edda, der Heimskringla und wohl auch der Saga um Egill Skallagrímsson[4], sein Neffe Sturla Þórðarson in die Literaturgeschichte ein. Er verfasste die Íslendingasaga, den größten Teil der Sturlungasaga und Hákonarsaga gamla, die Geschichte von Håkon IV. (Norwegen). Manche Literaturwissenschaftler sehen in ihm auch den Autor der Kristnisaga und eines Transkripts der historischen Quelle Landnámabók[5].

Trotz der politischen Wirren gilt die nach dem Geschlecht benannte Epoche Sturlungaöld als eine Blütezeit der Literatur, entstand doch genau zu dieser Zeit, d.h. vor 1280, ein Großteil der berühmtesten isländischen Texte des Mittelalters, vor allem die Isländersagas.

Sturlunga saga[Bearbeiten]

Die Geschichte der Familie der Sturlungar wird u.a. in der Sturlunga saga wiedergegeben.

Stammbaum der Sturlungar [6][Bearbeiten]

Hvamm-Sturla, Sturla Þórðarson, Gode in Hvammur, 1116 - 1183
│
├─Halldór (unehel. Sohn)
│
├─Björn (unehel. Sohn)
│
├─Sveinn (unehel., Mutter: Ólöf Vilhjálmsdóttir)
│
├─Helga (unehel., Mutter: Ólöf Vilhjálmsdóttir)
│
├─Þuríður (unehel., Mutter: Ólöf Vilhjálmsdóttir)
│
├─Valgerður (unehel., Mutter: Ólöf Vilhjálmsdóttir)
│
├─Sigríður (unehel., Mutter: Ólöf Vilhjálmsdóttir)
│
├─Steinunn, (Mutter: Ingibjörg Þorgeirsdóttir)
│
├─Þórdís, (Mutter: Ingibjörg Þorgeirsdóttir)
│
├─Þórður, (Mutter: Guðný Böðvarsdóttir), Bauer in Stað á Ölduhrygg, 1165 - 1237
│ │
│ ╰─Sturla Þórðarson, Geschichtsschreiber ebd., 1214 - 1284
│    │
│    ╰─Ingibjörg Sturludóttir, geb. 1240, vgl. Flugumýrarbrenna
│
├─Sighvatur, (Mutter: Guðný Böðvarsdóttir), Gode u.A. in Grund (Eyjafjarðarsveit), 1170 - 1238
│ │
│ ├─Tumi, geb. 1198
│ │
│ ├─Sturla, Gode in Sauðafell í Dölum, 1199 - 1238, gefallen in der Schlacht Örlygsstaðabardagi
│ │
│ ├─Steinvör, Hausfrau in  Keldur á Rangárvöllum, geb. um  1200, gest. um 1270
│ ╰─Þórður kakali Sighvatsson, Machtpolitiker Ísland 1210 - 1256
│
├─Snorri Sturluson, (Mutter: Guðný Böðvarsdóttir), Schriftsteller und Machtpolitiker in Reykholt (Borgarbyggð), 1178 - 1241
│ │
│ ├─Hallbera, 1. Ehe m. Árni óreiður, 2. Ehe mit Kolbeinn ungi aus Víðimýri in Skagafjörður (Gemeinde), um 1201 - 1231
│ │
│ ├─Jón murtur Snorrason, ermordet in  Norwegen, um 1203 - 1231
│ │
│ ├─Þórdís Snorradóttir, 2. Frau des  Þorvaldur Snorrason Vatnsfirðingur im Vatnsfjörður, um 1205 - 1245 oder später
│ │
│ ├─Órækja Snorrason, gest. 1245, wohnte in  Stafholtstunga (Borgarbyggð) , wurde aus dem Lande vertrieben  │ │
│ ╰─Ingibjörg, verh. m. Gissur Þorvaldsson von  1224 bis 1233, geb. um 1208
│
├─Vigdís, (Mutter: Guðný Böðvarsdóttir), Hausfrau auf der Insel  Flatey im  Breiðafjörður
│
╰─Helga, (Mutter: Guðný Böðvarsdóttir), verh. m. Sölmundur austmann

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Primärliteratur[Bearbeiten]

  • Sturlunga saga (s.u.)

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

  • Árni Daníel Júlíusson, Jón Ólafur Ísberg, Helgi Skúli Kjartansson: Íslenskur sögu atlas: 1. bindi: Frá öndverðu til 18. aldar. Almenna bókafélagið, Reykjavík 1989
  • Irene R. Kupferschmied: Untersuchungen zur literarischen Gestalt der Kristni Saga. 2009

Weblinks[Bearbeiten]

Zum Geschlecht und zur Epoche[Bearbeiten]

Zur Sturlunga saga[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vgl. z.B. [1] Ævi og störf Snorra Sturlusonar eftir Jónas Kristjánsson, abgerufen am 18. August 2010
  2. vgl. http://visindavefur.hi.is/svar.asp?id=4429 Háskóli Íslands zum Sturlungarzeitalter, abgerufen am 18. August 2010; s. auch http://books.google.de/books?id=CkRjY1yDURwC&pg=PA155&lpg=PA155&dq=Sturlungar&source=bl&ots=ejIL8RMPLX&sig=D3IJJ43WyuuqB5G7Ps_RZ4OG1Ro&hl=de&ei=LfdrTKToF9KVOMDr7FI&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=5&ved=0CCkQ6AEwBDge#v=onepage&q=Sturlungar&f=false Irene R. Kupferschmied: Untersuchungen zur literarischen Gestalt der Kristni Saga, 2009, S. 155, abgerufen am 18. August 2010
  3. vgl. z.B. Karte zu den jeweiligen Einflussbereichen (7) http://docs.google.com/viewer?a=v&q=cache:BPQhtBKqLjUJ:rimaskoli.is/samfo/II-7.pdf+Sturlungar&hl=is&gl=is&pid=bl&srcid=ADGEESha70SDvd8xzrvuMH-2vtFKDP-7LRmQ8hxcSFa0-EEmDI5uu7xax-m5CBKoKUqRpkWeEuod0hQ0s7XSWWNZnQCdqxSFx0eqLvNJAamEKFNROW36wWJMA74H_o4bMws18TSOtzef&sig=AHIEtbT2y2Fioz5Vd1tKArC_k2IBNISmaw abgerufen am 18. August 2010
  4. vgl. z.B. [2] Ævi og störf Snorra Sturlusonar eftir Jónas Kristjánsson, abgerufen am 18. August 2010
  5. vgl. z.B. http://visindavefur.hi.is/svar.asp?id=1818 Háskóli Íslands zu Sturla Þórðarson, abgerufen am 18. August 2010
  6. vgl. http://www.aettartal.is/FlexFamilyTree.aspx?f=Sturlungar&MID=54806 Aettartal.is abgerufen am 18. August 2010