Tataouine

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32.93333333333310.45Koordinaten: 32° 56′ N, 10° 27′ O

Karte: Tunesien
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Tataouine
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Tunesien

Tataouine (arabisch ‏: تطاوينTaṭāwīn, früher Foum Tataouine) ist die Hauptstadt des südtunesischen Gouvernements Tataouine. In Tataouine leben 59.346 Menschen (2004). Die Stadt liegt ca. 525 Kilometer südlich der tunesischen Hauptstadt Tunis. Der Name Tataouine bedeutet in der Sprache der Berber „Wasserquelle“. Der französische Beiname des Ortes war la porte du désert („das Tor zur Wüste“). 63 % der Bewohner Tataouines sind Berber und 37 % sind Araber.

Geschichte[Bearbeiten]

Ksar Ouled Soltane, etwa 20 km südlich von Tataouine

Die Oase Tataouine war für die Handelsroute von Gabès in den Fessan und den Sudan von Bedeutung. Sie war in neolithischer Zeit bewohnt.[1] Einige der Funde befinden sich heute im Archäologischen Nationalmuseum von Saint-Germain-en-Laye.

In römischer Zeit befanden sich entlang des Limes Tripolitanus mehrere Kastelle in der Nähe der Oase, wie etwa Talalati (Ras El Aïn Tlalet) nahe der Römerstraße von Gigthis nach Tillibari (Remada).[2] 1903 wurde von Jules Toutain vorgeschlagen, die Station Tabalati mit Tatouine zu identifizieren[3], doch fehlt ein archäologischer Nachweis. Später wurde Tabalati/Talalati, wo in den Jahren 355 bis 360 propugnacula (Verteidigungsanlagen) auf Anordnung des Comes et Praeses von Tripolitanien Flavius Archontius Nilus entstanden[4], allerdings nur aufgrund der Namensähnlichkeit mit Tlalet (Ras el-Ain) identifiziert.[5]

Offenbar wurden in den Ksour der Region spätestens unter den Hafsiden große Mengen Getreide und anderer Lebensmittel gelagert, wozu die noch heute bestehenden großen Speicher (Ghorfas) dienten, von denen in Tunesien noch 92 bestehen.[6] Ksar Haddada liegt 29 km von Tataouine entfernt, Ksar Ouled Soltane 20 km und Remada etwa 75 km.

Blick auf Tataouine, 1925

Die Stadt im europäischen Sinne wurde zu Beginn des französischen Protektorats gegründet, um die dortige Bevölkerung zu kontrollieren. Dazu wurde der Militärposten von Douiret hierher verlegt, was sich vor allem gegen die Ouderna richtete. Sie lebten um die Zentren Béni Barka, das als Markt von Bedeutung war, und das Grabmal des Marabouts von Sidi Abdallah Boujlida. Dieser Ort wurde von der gesamten Ouerghemma-Föderation verehrt. 1888 entstand neben dem Militärposten ein Krankenhaus mit 40 Betten.[7] Bis 1938 befand sich hier eine französische Strafkolonie.

500 m vom Militärposten entfernt entstand 1892 ein Souk mit mehr als 50 Geschäften, die auch von Djerba aus beliefert wurden. 1898 entstand eine Moschee, deren Minarett 1903 fertiggestellt wurde. 1911 kam ein städtischer Schlachthof hinzu, 1913 ein Postamt, 1916 eine Grundschule und ein Gerichtshof. Während des Ersten Weltkriegs entstand eine Kirche und eine Synagoge. Bis 1938 bestand ein Bad für die Gefangenen und die Soldaten, aus dem nach der Unabhängigkeit eine Kaserne entstand.

Am 27. Juni 1931 schlug in Tataouine ein Meteorit ein, ein seltener Achondrit. Es konnten über zwölf Kilogramm Fragmente gefunden werden, in denen die Minerale Chromit, Cristobalit, Hypersten und Troilit nachgewiesen werden konnten.[8] Hauptsächlich bestand der Meteorit jedoch aus grünen Pyroxen-Kristallen (Orthopyroxen) und wurde daher als Diogenit klassifiziert.

Erneut erschien der Ort in der Weltpresse, als Filmemacher die Region entdeckten. Als George Lucas, der den Star-Wars-Film in verschiedenen tunesischen Orten drehte, den fiktiven Heimatplaneten Luke Skywalkers Tatooine nannte, erlangte der Ort Berühmtheit unter Star-Wars-Fans, was einen gewissen Tourismus auslöste.[9] Auch am Ende des Films Akte X kam der Ort Foum Tataouine vor. Dort wurde eine Einrichtung für Experimente an außerirdischen Viren betrieben.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Tataouine stellt die Drehscheibe des Tourismus in Südtunesien dar. Trotz des Status als wichtiger Punkt einer Rundreise hat der Ort seinen ursprünglichen Charakter und seine ursprüngliche Architektur gewahrt.

Der Distrikt ist berühmt für seine Ksour (befestigte Berber-Kornspeicher) aus dem 15. und 16. Jahrhundert, wie den pittoresken Ksar Ouled Soltane. Auch die Berberdörfer Chenini und Douiret tragen viel zum Charme der Gegend bei. Diese Siedlungen präsentieren urtümlich aussehende gewölbte Lehmgebäude, auch Ghorfa genannt, in denen Getreide und andere haltbare Lebensmittel sowie Wertgegenstände deponiert wurden.

Auch das Suq (Souk, Geschäfts- und Handwerksviertel) Tataouines gehört zu den sehenswertesten Tunesiens, das jeweils dienstags und donnerstags geöffnet ist.

Einmal jährlich im März organisiert die Stadt zudem ein Ksar-Fest.

Literatur[Bearbeiten]

  • Mohammed-Habib Daghari-Ounissi: Le bâti traditionnel de la région de Tataouine (Tunisie), in: Archéologie islamique 11 (2001) 151-166.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ginette Aumassip: Le Bas-Sahara dans la Préhistoire, Paris 1986, S. 612.
  2. Pol Trousset: Recherches sur le Limes tripolitanus. Du Chott el-Djerid à la frontière tuniso-libyenne, Paris, 1974, S. 105-108.
  3. Jules Toutain: Notes et documents sur les voies stratégiques et sur l'occupation militaire du sud tunisien à l'époque romaine, in: Bulletin archéologique du comité des travaux historiques et scientifiques (1903) 400f.
  4. René Rebuffat: Au-delà des camps romains d'Afrique mineure: renseignement, contrôle, pénétration, in: Hildegard Temporini (Hrsg.): Aufstieg und Niedergang der römischen Welt, de Gruyter 1982, S. 474-512, hier: S. 481.
  5. Pol Trousset: Recherches sur le limes tripolitanus, du Chott el-Djerid à la frontière tuniso-libyenne, Paris 1974, S. 32.
  6. Perspektiven für Tunesiens Speicherburgen, Universität Bayreuth. Dazu: Herbert Popp, Abdelfettah Kassah: Les ksour du Sud tunesien, Naturwissenschaftliche Gesellschaft, Bayreuth 2010.
  7. Benoît Gaumer: L'organisation sanitaire en Tunisie sous le Protectorat français (1881-1956). Un bilan ambigu et contrasté, Presses de l'Université Laval, S. 200.
  8. Mindat – Tatahouine meteorite, Tataouine (Foum Tatahouine), Tataouine Governorate, Tunisia
  9. „Star-Wars-Tourismus“ in Tataouine. Archiviert vom Original am 25. Juni 2008, abgerufen am 24. August 2014 (englisch).