Teff

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Teff
Teff (Eragrostis tef)

Teff (Eragrostis tef)

Systematik
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Süßgräser (Poaceae)
Unterfamilie: Chloridoideae
Gattung: Liebesgräser (Eragrostis)
Art: Teff
Wissenschaftlicher Name
Eragrostis tef
(Zuccagni) Trotter

Teff[1], Tef[1] oder Zwerghirse[1] (Eragrostis tef) ist eine Pflanzenart innerhalb der Familie der Süßgräser (Poaceae). Das natürliche Verbreitungsgebiet liegt in Äthiopien, doch wird die Art auch in anderen tropischen und subtropischen Gebieten angebaut, wo sie auch häufig verwildert ist. Die Samen sind glutenfrei und reich an essenziellen Fettsäuren. Diese Hirseart ist das wichtigste Getreide Äthiopiens, wo es zu Fladenbrot und Bier weiterverarbeitet und als Viehfutter verwendet wird.

Beschreibung[Bearbeiten]

Erscheinungsbild und Blatt[Bearbeiten]

Teff ist ein einjähriges, büschelig aufrecht wachsendes, 30 Zentimeter bis 1 Meter hohes Gras.[2] Die meist aufrechten, einfachen oder verzweigten Halme erreichen Wuchshöhen bis 90 cm und besitzen keine Drüsen. Die Knoten (Nodien) sind kahl.[3]

Das Laubblatt ist in Blattscheide und Blattspreite gegliedert. Die Blattscheide ist kahl. Das Blatthäutchen (Ligula) besitzt eine Linie mit Haaren (Trichome). Die einfache, kahle Blattspreite ist bei einer Länge von 6 bis 30 cm und einer Breite von 2 bis 4 mm linealisch, flach oder nach oben eingerollt; sie besitzt keine Drüsen.[3]

Blütenstand, Blüte und Frucht[Bearbeiten]

Der Blütenstand ist eine 10 bis 50 Zentimeter lange, zusammengezogene oder offene, häufig überhängende Rispe mit langen Rispenästchen. Die Ästchen sind im unteren Teil des Blütenstands quirlig angeordnet[2], alle weiteren darüber sind nicht quirlig[3]. Die Ährchen stehen auf 4 bis 9 mm langen schlanken[3], fadenförmigen Stielen. Die Verzweigungen sind kahl oder dünn verteilt lang-fein behaart. Auch das oberste Ährchen ist fertil.[3] Die Ährchen sind bei einer Länge von 5,5 bis 9 Millimeter und einer Breite von 1,5 bis 2 Millimeter schmal länglich und etwas seitlich abgeflacht.[3]

Jedes Ährchen enthält vier- bis zwölf Blüten[3]. An der Ährchenachse bleiben die Blüten einige Zeit erhalten. Die ungleichen Hüllspelzen besitzen fast die Hälfte der Länge der angrenzenden Deckspelze. Es sind keine Grannen vorhanden[2]. Die gekielten, kahlen im Umriss lanzettlichen Hüllspelzen besitzen ein spitzes oder zugespitztes oberes Ende; die unteren sind 1,2 bis 2,5 mm lang und die oberen 1,7 bis 3 mm lang. Die gekielte, dünnhäutige Deckspelze ist bei einer Länge von 2 bis 2,7 mm länglich-elliptisch bis länglich-eiförmig und besitzt deutliche Seitennerven. Die Vorspelze verwelkt mit der Deckspelze erst spät. Die Vorspelze ist an den Seiten kahl und ihr Kiel ist schlank, ungeflügelt sowie rau. Die drei Staubbeutel sind 0,3 bis 0,6 mm lang.[3]

Die weißlichen oder dunkel rotbraunen Karyopsen sind oval[2] oder länglich sowie angeschwollen und 1 bis 1,5 Millimeter lang[3]. Die Karyopsen verbleiben in den reifen Ährchen[3].

Chromosomensatz und Abstammung[Bearbeiten]

Bei Tef liegt Allotetraploidie mit 2n = 4x = 40 vor. Die Chromosomengrundzahl ist also x =10. Der Ursprung dieser Getreideart aus diploiden Wildformen innerhalb der artenreichen Gattung Eragrostis ist unbekannt.[4]

Verbreitung[Bearbeiten]

Die Zwerghirse stammt aus dem Bergland von Äthiopien und wird dort bevorzugt in Höhen zwischen 1000 und 3000 Metern[5] als Getreide angebaut. Sie wird auch außerhalb ihres Verbreitungsgebiets in tropischen und subtropischen Zonen kultiviert und ist bis in mittlere Breiten häufig verwildert.[2]

Taxonomie[Bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1775 unter dem Namen (Basionym) Poa tef durch Attilio Zuccagni in Dissertazione Ditef. Die Neukombination zu Eragrostis tef (Zucc.) Trotter wurde 1918 durch Alessandro Trotter in Bolletino della Società Botanica Italiana, S. 62 veröffentlicht; er stellte diese Art damit in die Gattung Eragrostis.[6][7] Das Artepitheton tef stammt aus dem Amharischen und wird in Äthiopien für die Zwerghirse verwendet[8].

Weitere Synonyme für Eragrostis tef (Zucc.) Trotter sind: Poa abyssinica Jacq., Poa radicans Moench, Poa cerealis Salisb. nom. superfl., Cynodon abyssinicus (Jacq.) Raspail, Eragrostis abessinica (Jacq.) Link orth. var., Eragrostis abyssinica (Jacq.) Link, Poa flaccida Moench ex Steud. pro syn., Eragrostis pilosa subsp. abyssinica (Jacq.) Asch. & Graebn., Eragrostis abyssinica var. alba Hochst. ex Chiov., Eragrostis abyssinica var. viridis Hochst. ex Chiov., Eragrostis pilosa var. tef (Zucc.) Fiori, Eragrostis tef f. spiciformis Serp., Eragrostis tef subsp. spiciformis (Serp.) Portal & H.Scholz.[9]

Verwendung[Bearbeiten]

Teff aartjes Eragrostis tef.jpg

Teffsamen sind glutenfrei und reich an essentiellen Fettsäuren. Sie sind trotz ihrer geringen Größe das wichtigste Getreide Äthiopiens und werden gemahlen zu Brot oder Grütze verarbeitet. In Äthiopien ist Teffmehl Grundlage für das äthiopische Nationalgericht Injera, ein pfannkuchenähnliches Fladenbrot, das zu Gemüse- und Fleischgerichten gegessen wird.[5] Teff ist auch die Grundlage für die Herstellung von Tella, einem Bier und anderer alkoholischer Getränke wie z. B. Katikalla.[10] Als Brotgetreide werden weißliche Samen bevorzugt, die braunsamigen Sorten werden als Viehfutter verwendet und dienen zur Bierherstellung. Das Stroh der Pflanzen ist ein geschätztes Viehfutter.[5]

Brennwert und Inhaltsstoffe[Bearbeiten]

100 Gramm Teff haben einen Brennwert von 1541,4 kJ, das entspricht 367 kcal. Die gleiche Menge weist folgende Inhaltsstoffe auf:[11]

Inhaltsstoffe Anteil
Wasser 8,8 g
Eiweiß 13,3 g
Fett 2,4 g
Kohlenhydrate 73,1 g
Ballaststoffe 8,0 g
Zucker, gesamt 1,8 g
Natrium 12,0 mg
Kalium 427 mg
Calcium 180 mg
Phosphor 429 mg
Magnesium 184 mg
Eisen 7,6 mg
Vitamin E, Tocopherol 0,08 mg
Vitamin B1, Thiamin 0,39 mg
Vitamin B2, Riboflavin 0,27 mg
Vitamin B3, Niacin 3,4 mg
Vitamin B6, Pyridoxin 0,48 mg

Anbau[Bearbeiten]

Die Aussaat erfolgt meist in der Regenzeit. Die Pflanzen wachsen schnell und sind im Wasserbedarf genügsam. Teff wird etwa drei Monate nach der Aussaat geerntet.[5]

Die Samenkörner sind sehr klein (weniger als 1 mm Durchmesser, Tausendkornmasse von 0,35 bis 0,47 g). Diese Eigenschaft macht Teff besonders geeignet für halbnomadische Lebensweisen, denn das Saatgut für große Flächen kann problemlos im Gepäck mitgeführt werden. In Äthiopien liegt der durchschnittliche Ertrag bei ungefähr 9 dt/ha. Die besten Sorten liefern bis knapp 30 dt/ha. Seit einigen Jahren gibt es einen erfolgreichen Anbau aus Nachzüchtungen in den Niederlanden. In letzter Zeit wird Teff auch in Deutschland kultiviert. In Europa liegt der Ertrag zwischen 7 und 13 dt/ha, je nach klimatischem Verlauf des Jahres.

Krankheiten[Bearbeiten]

Wirtschaftlich bedeutend ist der Befall mit dem Rostpilz Uromyces eragrostidis.[12]

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas A. Cope: Gramineae, In: Flora Zambesiaca, Volume 10, 1999. (Abschnitt Beschreibung)
  •  Bernd Nowak, Bettina Schulz: Taschenlexikon tropischer Nutzpflanzen und ihrer Früchte. Quelle&Meyer, Wiebelsheim 2009, ISBN 978-3-494-01455-5, S. 262–263.
  •  Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3. Auflage. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 3-937872-16-7, S. 46, 232, 632.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Deutsche Namen nach Nowak, Schulz: Taschenlexikon tropischer Nutzpflanzen und ihrer Früchte, S. 262
  2. a b c d e Nowak, Schulz: Taschenlexikon tropischer Nutzpflanzen und ihrer Früchte, S. 262
  3. a b c d e f g h i j Thomas A. Cope: Gramineae, In: Flora Zambesiaca, Volume 10, 1999.
  4. Amanda L. Ingram & Jeff J. Doyle: The origin and evolution of Eragrostis tef (Poaceae) and related polyploids: evidence from nuclear waxy and plastid rps161, In: American Journal of Botany, Volume 90, No. 1, 2003, S. 116-122. Volltext-online. doi:10.3732/ajb.90.1.116
  5. a b c d Nowak, Schulz: Taschenlexikon tropischer Nutzpflanzen und ihrer Früchte, S. 263
  6. Poa tef. In: Germplasm Resources Information Network (GRIN). United States Department of Agriculture, abgerufen am 28. Februar 2013 (englisch).
  7. Eintrag bei Tropicos.
  8. Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. S. 632
  9. World Checklist of Selected Plant Families von Kew, 2011 - Daten von W.D.Clayton, R.Govaerts, K.T.Harman, H.Williamson & M.Vorontsova. zuletzt eingesehen am 28. Februar 2013
  10. Waldemar Ternes (Hrsg.): Lebensmittellexikon. Behr's Verlag DE, 2005, ISBN 3-89947-165-2
  11. Nutritient database, USDA, abgerufen am 28. Februar 2013
  12. Woubit Dawit and Yeshi Andnew (2005) The study of fungicides application and sowing date, resistance, and maturity of Eragrostis tef for the management of teff rust (Uromyces eragrostidis). Canadian Journal of Plant Pathology 27: 521-527. doi:10.1080/07060660509507253

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Teff (Eragrostis tef) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien