Tempel-Weichschildkröte

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Tempel-Weichschildkröte
Bostami Turtle.jpg

Tempel-Weichschildkröte (Aspideretes nigricans)

Systematik
Ordnung: Schildkröten (Testudinata)
Unterordnung: Halsberger-Schildkröten (Cryptodira)
Familie: Weichschildkröten (Trionychidae)
Unterfamilie: Trionychinae
Gattung: Indische Weichschildkröten (Aspideretes)
Art: Tempel-Weichschildkröte
Wissenschaftlicher Name
Aspideretes nigricans
(Anderson, 1875)
Chittagong, in dessen Nähe sich der Schrein befindet (Bangladesch)
Chittagong, in dessen Nähe sich der Schrein befindet
Chittagong, in dessen Nähe sich der Schrein befindet
Wasserbecken des Schreins

Die Tempel-Weichschildkröte (Aspideretes nigricans) , auch Dunkle Weichschildkröte genannt, ist eine extrem seltene Schildkrötenart aus der Gattung der Indischen Weichschildkröten (Aspideretes). Sie zählt zu den großwüchsigen Weichschildkröten, die die Panzerlänge der Ganges-Weichschildkröte durchaus erreicht. Sie gilt als in der Wildnis ausgestorben. Ihr Vorkommen ist auf ein künstliches Wasserbecken in einem Tempelbezirk im Südosten von Bangladesch beschränkt. Der Bestand betrug 1986 dreihundert Individuen.[1]

Erscheinungsbild[Bearbeiten]

Die Tempel-Weichschildkröte hat eine Carapaxlänge von bis zu 91 Zentimeter. Der Carapax ist niedrig und oval. Von dieser Art existieren zwei Farbmorphen. Eine Farbmorphe hat einen kupferfarben glänzenden Rückenpanzer mit schwarzen Flecken und dunkelt mit zunehmendem Alter nach. Der Bauchpanzer ist weiß, Kopfoberseite und Nacken sind grau. Schläfe und Oberlippe sind weiß gefleckt.

Die zweite Farbmorphe hat einen olivgrünen Rückenpanzer, auf dem ebenfalls dunkle Flecken sind. Bei dieser Morphe ist der Kopf auf der Oberseite grauoliv. Schnauze, Nacken und die Partie über den Augen sind dagegen dunkelgelb.

Männchen lassen sich von den Weibchen durch ihre größere Carapaxlänge sowie den längeren und dickeren Schwanz unterscheiden.

Verbreitung und Lebensweise[Bearbeiten]

Heute kommt diese Art nur noch in einem 94 × 61 Meter großen Wasserbecken in unmittelbarer Nähe eines Schreines für Bayazid Bostami, einem islamischen Mystiker des Sufismus, in Nasirabad bei Chittagong im Südosten von Bangladesch vor. Die Wasserhöhe in diesem Wasserbecken beträgt zwischen 2,5 und 5 Meter. Bis in die 1980er Jahre gab es ein zweites Vorkommen in einem Wassergraben, der jedoch trockengelegt wurde.[2]

Die Tiere sind vermutlich vollständig auf das Futter angewiesen, das die Schreinbesucher für sie kaufen. Mehrere Stände in der Nähe bieten hierfür Garnelen, Fische, Brot, Reis, Teeblätter und Bananen an.[1]

Fortpflanzung[Bearbeiten]

Die Paarung fällt in die Zeit von Mitte Februar bis Mitte März. Die Weibchen legen ihre Eier auf einem in der Nähe des Wasserbeckens liegenden Hügel ab. Sie graben dort eine 20 bis 25 Zentimeter tiefe Nistgrube und legen 10 bis 38 runde, weiße Eier darin ab. Die Zeitdauer, bis aus den Eiern Jungtiere schlüpfen, beträgt zwischen 92 und 108 Tagen. Der Schlüpfzeitpunkt fällt mit dem Einsetzen des Monsuns zusammen. Durch den Regen ist dann der Boden aufgeweicht. Frisch geschlüpfte Jungtiere wiegen zwischen 14 und 19 Gramm.

Schutzstatus[Bearbeiten]

Die Tempel-Weichschildkröte ist auf dem Anhang I der CITES-Vereinbarung aufgeführt und darf nicht gefangen, gehalten oder gehandelt werden. Durch die unmittelbare Lage am Tempel sind sie durch die Schreinwächter geschützt. Als auf einen Ort begrenzte Population ist diese Schildkrötenart durch Epidemien gefährdet. Es wurde bereits 1991 vorgeschlagen, mit einigen der Tiere eine zweite Population an anderer Stelle aufzubauen.

Nachweise[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Die Schildkröten des Indischen Subkontinents (siehe Literatur), S. 86
  2. Die Schildkröten des Indischen Subkontinents (siehe Literatur), S. 85

Literatur[Bearbeiten]

  • Indraneil Das: Die Schildkröten des Indischen Subkontinents, Edition Chimaira, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-930612-35-6

Weblinks[Bearbeiten]