Terrot

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Unternehmen Terrot. Zu Personen siehe Charles Terrot.
Terrot GmbH
Logo
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 2006
Sitz Chemnitz, Deutschland
Leitung Peter Schüring, Andreas von Bismarck
Branche Textilmaschinenbau
Produkte RundstrickmaschinenVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.terrot.de
Markenlogo auf einem Motorradtank
Terrot 250 cm³ (1931)

Die Terrot GmbH ist ein deutscher Textilmaschinenhersteller mit Sitz in Chemnitz und eine ehemalige berühmte französische Motorradmarke.

Geschichte[Bearbeiten]

Am 16. April 1862 gründet Charles Terrot (* 12. Oktober 1831 in Kyllburg, Eifel; † 1903) zusammen mit dem Kaufmann Wilhelm Stücklen in Cannstatt (Württemberg) die Firma „Stücklen u. Terrot“ zur Herstellung von Rundwirkmaschinen, genannt „Französischer Rundstuhl“, die ab 1878 unter „C. Terrot“ firmiert und bis heute als Terrot GmbH existiert.

1887 eröffnet C. Terrot eine Filiale in Dijon. Die Leitung des neuen Werkes wird seinem Sohn Franz und seinem Schwiegersohn Wilhelm Duttlinger übertragen. Da sich Schwierigkeiten ergeben, das Werk alleine mit der Produktion von Rundwirkmaschinen rentabel zu gestalten, nimmt man 1890 die Produktion von Terrot-Fahrrädern auf.

1900 und 1902 entstanden Kleinwagen, die allerdings nicht über den Prototypenstatus hinauskamen.[1][2] 1902 erscheinen die ersten Terrot-Motorräder in Dijon. Der Firmengründer Charles Terrot hatte sich 1901 aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen und die Leitung an seine Söhne und Schwiegersöhne übergeben. Es wurden drei Typen Motorräder mit unterschiedlichen Einzylinder-Einbaumotoren produziert.

Die Rundwirkmaschinen (Rundstühle) und später auch Rundstrickmaschinen werden in Cannstatt unter „C. Terrot Söhne“ und in Dijon unter „Terrot & Cie“ weiter produziert. 1905 werden erstmals auch Zweizylinder-Modelle angeboten. 1915 beliefert Terrot die französische Armee mit Motoretten der 500er Serie. Zwischen 1912 und 1914 wurden in Dijon auch Automobile produziert. Es gab die Vierzylindermodelle 8 CV mit 1244 cm³ Hubraum und 10 CV mit 1460 cm³ Hubraum.[1][2] Der Motor war vorne im Fahrzeug montiert und trieb über eine Kardanwelle die Hinterachse an.[1][2] Als Folge der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg wird das Werk in Dijon enteignet und später verkauft. 1920 entsteht die Gesellschaft Etablissement Terrot, mit Alfred Vurpillot an der Spitze. 1921 wird eine neue Generation von Zweirädern vorgestellt, gerade Rahmen, breite Lenker, ein spitz zulaufender Tank und eine schwarze Lackierung mit goldenen Zierlinien prägen nun die neuen Zweitakter. Die Typen E (mit 267 cm³ Hubraum) und L (mit 175 cm³ Hubraum) werden vorgestellt, aus denen sich eine Vielzahl ähnlicher Modelle entwickeln sollten, die bis in die 1930er Jahre produziert wurden, so ging 1925 aus der E Reihe die F Reihe mit 250 cm³ Hubraum hervor. Ab 1923 wurden neben den Zweitaktern auch erstmals eine Viertakt-Modellreihe vorgestellt, die bis in die 50er Jahre gebaut wurde. Es waren zunächst Modelle mit englischen JAP-Motoren bis 350 cm³ Hubraum, 1927 kamen auch 500-cm³-Modelle hinzu. Ab 1926 wurden die ersten eigenen Viertakt-Motoren verbaut. Im Jahre 1928 war Terrot zum größten Arbeitgeber in Dijon herangewachsen und hatte ungefähr 1500 Beschäftigte. Im Oktober 1929 verlässt das hunderttausendste Motorrad das Werk.

Nach der Weltwirtschaftskrise wird eine neue Fahrzeugklasse, Bicyclettes à moteur auxiliaire (Fahrräder mit Hilfsmotor) eingeführt. Im Jahre 1932 sorgt Terrot im Rennsport als dreifacher französischer Meister für Schlagzeilen, es siegen im selben Jahr Coulon in der 250er Klasse, Boetsch in der 350er Klasse und Gillot in der 500er Klasse.

In den Kriegsjahren 1939–1945 wird Terrot zum wichtigsten Lieferanten der französischen Armee. Hierfür wurden verschiedene Typen von Gespannen entwickelt, der Typ GT mit Motoren von 350 bis 750 cm³, der Typ DT mit Motoren von 500 bis 750 cm³. Im Jahre 1951 wurde relativ spät der erste Roller von Terrot vorgestellt. Doch für Terrot blieb in den 1950er Jahren nur der Markt für Leichtmotorräder und Mopeds, denn das Motorrad wurde immer mehr durch das Auto verdrängt. Terrot konnte letztlich nicht gegen erfolgreichere Marken wie Peugeot und Motobécane bestehen und 1958 musste die Fabrikation eingestellt werden und die Mitarbeiter wurden von Automobiles Peugeot übernommen. 1961 kam dann das endgültige Aus für die Produktion von Mopeds und Motorrädern in der Fabrik von Automoto in Saint-Étienne.

Rundwirkmaschinen und Rundstrickmaschinen[Bearbeiten]

Zwischen den beiden Weltkriegen entwickelt sich C.Terrot Söhne ständig weiter. Die Rundstrickmaschinen verdrängten immer mehr die Rundwirkmaschinen. Im Zweiten Weltkrieg, in der Nacht zum 20. Oktober 1944, wird das Werk in Schutt und Asche gelegt. Der Wiederaufbau in der Nachkriegszeit ist von einem ständig steigenden Bedarf an Rundstrickmaschinen geprägt. 1958 ergibt sich die Gelegenheit, die Firma „Textilmaschinenbau Wahlstedt GmbH“ in Wahlstedt / Schleswig Holstein zu übernehmen. Am 1. März 1959 entsteht so die Firma „C.Terrot Söhne & Co.“ in Wahlstedt. In Wahlstedt werden zu diesem Zeitpunkt speziell für die Produktion feiner Unterwäsche geeignete Rundstrickmaschinen, sogenannte „Transfermaschinen“ gebaut. Später dann auch weitere Maschinen der Terrot-Programmes. Die 1960er Jahre bis in die erste Hälfte der 1970er Jahre sind von einer gewaltigen Nachfrage nach Rundstrickmaschinen gekennzeichnet, getrieben vor allem durch die weltweit herrschende Jersey-Mode, denn Jersey wird auf Rundstrickmaschinen hergestellt. Terrot erbaut ein weiteres Werk in Waiblingen (Inbetriebnahme 1972). Das Werk Wahlstedt wird 1973/74 ausgebaut.

Doch dem Aufschwung folgt ein steiler Absturz. Das Werk Wahlstedt wird 1976 geschlossen. Die daraus entstehenden Lasten treiben die Stammfirma C.Terrot Söhne 1977 in den Konkurs. Unmittelbar nach der Konkurseröffnung gründen neue Gesellschafter die neue Firma „Terrot Strickmaschinen GmbH“, die sich, befreit von vielen Altlasten, am Stammsitz Stuttgart-Bad Cannstatt erfolgreich weiterentwickelt.

Bis 2001 konzipierten und produzierten 700 Mitarbeiter in zwei Werken über 1.000 Rundstrickmaschinen im Jahr. 1993 wurde die ehemalige „Chemnitzer Strickmaschinenbau“ übernommen und als zweites Werk neben Bad Cannstatt ausgebaut. Im Jahre 2001 kam die Firma infolge der Asienkrise und innerbetrieblicher Probleme in finanzielle Probleme und musste Insolvenz anmelden. Dies führte dazu, dass der Stammsitz in Stuttgart-Bad Cannstatt aufgelöst wurde. Seit 1. Juni 2006 ist der Firmensitz in Chemnitz. Hier produziert die Firma als neu gegründete Terrot GmbH mit ca. 150 Mitarbeitern und neuer Unternehmensleitung, die durch einen privaten Investor (Matterhorn Private Equity) gestellt wird. Die indische Voltas Ltd. hält 24 % der Anteile von Terrot.[3] Eine Jahresproduktion von 400 bis 600 Maschinen wird angestrebt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Harald Linz, Halwart Schrader: Die Internationale Automobil-Enzyklopädie. United Soft Media Verlag, München 2008, ISBN 978-3-8032-9876-8.
  • George Nick Georgano (Chefredakteur): The Beaulieu Encyclopedia of the Automobile. Volume 3: P–Z. Fitzroy Dearborn Publishers, Chicago 2001, ISBN 1-57958-293-1. (englisch).
  • George Nick Georgano: Autos. Encyclopédie complète. 1885 à nos jours. Courtille, Paris 1975. (französisch).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Terrot – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Georgano: The Beaulieu Encyclopedia of the Automobile.
  2. a b c Georgano: Autos. Encyclopédie complète. 1885 à nos jours.
  3.  Voltas Ltd: Company Analysis. Hem Securities Limited, 26. Mai 2007, S. 3 (PDF, 81 kB, online, abgerufen am 19. Juni 2007).