The Literary Digest

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Titelblatt des The Literary Digest vom 19. Februar 1921.

The Literary Digest war eine vielgelesene wöchentliche Zeitschrift verlegt von Funk & Wagnalls. Seit 1890 wurde die Zeitschrift von Isaac Kaufmann Funk publiziert als Weiterführung zweier ähnlicher wöchentlicher Zeitschriften, der Public Opinion und der Current Opinion.

Geschichte[Bearbeiten]

Schon in der ersten Ausgaben lag der Schwerpunkt auf Meinungsartikeln, der Analyse von Nachrichten sowie der Zusammenfassung von Artikeln aus amerikanischen, kanadischen und europäischen Publikationen. Nach dem Tod von Isaac Funk 1912 wurde Robert Joseph Cuddihy der neue Editor.[1] 1927 erreichte die Auflage die 1-Million-Grenze. Nach dem Literary Digest Desaster verschmolz die Zeitschrift 1938 mit der Zeitschrift Review of Reviews und wurde kurz danach endgültig eingestellt. Die Liste der Abonnenten wurde von Time Inc. gekauft.[1]

Die Titelblätter des The Literary Digest waren erst ab Anfang des 20. Jahrhunderts illustriert. In den zwanziger Jahren wurden auf den Titelblättern berühmte Gemälde in Farbe gedruckt und die letzten Ausgaben zeigten verschiedene fotografische Techniken und Photomontagetechniken.

Eine ständige Kolumne, genannt "The Lexicographer's Easy Chair", wurde von Frank Horace Vizetelly geschrieben.[2]

Das Literary Digest Desaster[Bearbeiten]

The Literary Digest ist am besten bekannt für das Ereignis, das seinen Niedergang einleitete: das Literary Digest Desaster. Für die Präsidentschaftswahlen 1936 in den Vereinigten Staaten führte es eine Meinungsumfrage durch um den Wahlgewinner herauszufinden: Alf Landon, der republikanische Gouverneur von Kansas, oder der Demokrat Franklin D. Roosevelt. Dafür wurden ca. 10 Millionen Wähler angeschrieben bzw. angerufen, von denen auch ca. 2,4 Millionen antworteten. Ca. 60 % der Antwortenden entschieden sich für Alf Landon und The Literary Digest sagte in seiner Ausgabe vom 31. Oktober voraus, dass er 370 von 531 Wahlmännerstimmen gewinnen würde.

Dies schien auch möglich, da zum einen die Republikaner die Gouverneurswahlen im September in Maine gewonnen hatten und zum anderen die Weisheit As Maine goes, so goes the nation galt. Die Vorhersage des The Literary Digest hatte besonderes Gewicht, da The Literary Digest in den fünf vorausgegangen Präsidentschaftswahlen das Wahlergebnis korrekt vorausgesagt hatte.

Als am 3. November das Wahlergebnis der Präsidentschaftswahlen feststand, hatte Franklin D. Roosevelt 60,8 % der Stimmen. Alf Landon konnte nur in zwei Bundesstaaten siegen: Vermont und Maine. Er gewann insgesamt nur 8(!) Wahlmännerstimmen.

Bei der Befragung wurden zwei Fehler bei der Stichprobenauswahl gemacht. Zum einen wurden die 10 Millionen Befragten aus Telefonverzeichnissen, registrierten Autobesitzern, Listen von Mitgliedern bestimmter Vereine und Abonnenten der Zeitschrift genommen. Der Besitz eines Autos, eines Telefons oder der Bezug des The Literary Digest war nach der Weltwirtschaftskrise nur gut-situierten Haushalten möglich, die eher republikanisch wählten. Wie jedoch nachgewiesen wurde, war das Hauptproblem, dass die Beantwortung der Befragung freiwillig war.[3] Das Rücksenden des Fragebogens hing davon ab, wie stark der Befragte an der Wahl interessiert war; dies war offensichtlich bei den Roosevelt-Gegnern stärker der Fall als bei den Roosevelt-Unterstützern:

„... respondents who returned their questionnaires represented only that subset of the population with a relatively intense interest in the subject at hand, and as such constitute in no sense a random sample… it seems clear that the minority of anti-Roosevelt voters felt more strongly about the election than did the pro-Roosevelt majority.“

Maurice C. Bryson[3]

Hinzu kam das bis heute häufig zu beobachtende Faktum, dass Angehörige der Mittelschicht tendenziell eher auf schriftliche Anfragen antworten als Menschen mit eher geringem Einkommen.[4] Da die Mittelschicht zu dieser Zeit eher republikanisch, die unteren Sozialschichten eher demokratisch gesinnt waren, verstärkte dies noch den response bias. George Gallup hatte eine Meinungsumfrage, auf Basis einer Quotenstichprobe, mit nur 50.000 Befragten durchgeführt und hatte das Wahlergebnis richtig vorhergesagt. In einem Leserbrief schrieb er auch, dass The Literary Digest eine falsche Vorhersage treffen würde. Gallup hatte nämlich während der Sommermonate 1936 die Literary-Digest-Umfrage in einer eigenen Stichprobe von 3.000 Befragten mit ähnlichen sozio-demografischen Merkmalen nachgebildet.[5]

Das Literary Digest Desaster führte zu einer tiefgreifenden Überarbeitung der Umfrage- und Auswahltechniken in der Meinungs- und Umfrageforschung und wird oft als Beginn der modernen wissenschaftlichen Meinungsforschung betrachtet.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Press: Digest Digested. In: Time, 23. Mai 1938. Abgerufen am 8. März 2010. 
  2. A word a day Man: a biography. In: Biographical essay. Centre d'études du 19e siècle français Joseph Sablé.. Abgerufen am 18. Oktober 2010.
  3. a b  Maurice C. Bryson: The Literary Digest Poll: Making of a Statistical Myth. In: The American Statistician. 30, Nr. 4, November 1976, S. 184-185 (http://www.jstor.org/stable/2683758).
  4. Raimund Alt: Statistik. Eine Einführung für Wirtschaftswissenschafter. Linde Verlag, Wien 2013 ISBN 978-3-7143-0228-8 S. 325f.
  5. Raimund Alt: Statistik. Eine Einführung für Wirtschaftswissenschafter. Linde Verlag, Wien 2013 ISBN 978-3-7143-0228-8 S. 325f.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]