Theodor Heckel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Theodor Heckel (* 15. April 1894 in Kammerstein; † 24. Juni 1967 in München) war ein deutscher protestantischer Theologe und Bischof.

Ausbildung und Lehrtätigkeit[Bearbeiten]

Theodor Heckel war der Bruder von Johannes Heckel.

Nach der Schulzeit am Progymnasium Dinkelsbühl und dem humanistisches Gymnasium Ansbach studierte er zwischen 1913 und 1914 Theologie in Erlangen, hier trat er im Wintersemester 1913/14 der Uttenruthia im Schwarzburgbund bei, unterbrach das Studium jedoch mit Kriegsausbruch und war 1915–1918 Kriegsteilnehmer als Freiwilliger. Anschließend beteiligte er sich in Süddeutschland an Kämpfen des Freikorps Epp.[1]

Nach dem Krieg nahm er 1918–1920 das Theologiestudium in Erlangen wieder auf und setzte seine Studien 1920–1922 am Predigerseminar in München fort.

Von 1922 bis 1925 war er Reiseprediger München-Süd mit Sitz in Solln und von 1925 bis 1928 hauptamtlicher Religionslehrer und Studienrat an der evangelischen Lehrerinnenbildungsanstalt Erlangen. Ab 1928 war er Oberkonsistorialrat und wurde an das Deutsche Evangelische Kirchenbundesamt in Berlin berufen (hier u.a. Sachbearbeiter für Auslandsgemeinden).

Im Jahr 1928 promovierte er über Richard Rothe.

Arbeit im Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Heckel war von 1928 bis 1945 Leiter des für die Ökumene zuständigen Kirchlichen Außenamtes der Deutschen Evangelischen Kirche (DEK), in dem seit 1935 Eugen Gerstenmaier sein Assistent war. Heckel war ein Verfechter des Arierparagraphen im antisemitischen Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums.[1] 1934 erhielt er den Bischofstitel. Heckel war weder NSDAP-Mitglied noch Deutscher Christ, aber er verschloss sich auch der Bekennenden Kirche. Während Dietrich Bonhoeffer von 1933–35 in London Auslandspfarrer war, war Heckel sein dienstvorgesetzter Bischof. Nach dessen Rückkehr denunzierte er ihn 1936 als „Staatsfeind“.[1] Heckel behinderte die Arbeit der Bekennenden Kirche, weil sie seiner Ansicht nach der verfassten Kirche schade. Heckel wollte die Kirche bekenntnistreu unabhängig von Deutschen Christen halten, ohne dies bewerkstelligen zu können.

Im Jahre 1939 war Heckel Gründer und seitdem Leiter des Freien Evangelischen Hilfswerks für die Internierten und Kriegsgefangenen. In dieser Eigenschaft und als Beauftragter des Rats der Deutschen Evangelischen Kirche in Deutschland war er auch nach 1945 für Kriegsgefangenenfragen zuständig und behielt die Amtsbezeichnung Bischof.

Arbeit im Nachkriegsdeutschland[Bearbeiten]

Mit dem Ende des Krieges wurde Heckel zusammen mit dem hannoveranischen Landesbischof August Marahrens kirchenintern des Amtes enthoben. Heckel setzte nun die Kriegsgefangenenarbeit fort und begann, die Versorgung der deutschen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion zu organisieren und war von 1950 bis 1964 Dekan der Stadt München.

Ab 1950 war er Mitglied, 1962 Vizepräsident der Landessynode der Evangelischen Kirche in Bayern. Von 1961 bis 1967 war er Mitglied des Bayerischen Senats.

Heckel steht heute exemplarisch für die Kontinuität und Diskontinuität im lutherischen Protestantismus zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Adenauerschen Bundesrepublik und die Problematik der Entnazifizierung und der Übernahme von Alt-Nationalsozialisten in den Kirchendienst der neuen Republik. Das Polarisierungsvermögen Heckels reicht hier bis in die Gegenwart. Obwohl ein Theodor-Heckel-Bildungswerk bereits seit Jahrzehnten in München bestand, brachte erst 2000 die Aufstellung einer Heckel-Büste erneut Kontroversen hervor.[2]

Ehrungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

  • Diss. und Habil.: Exegese und Metaphysik bei Richard Rothe, München 1928 (Forschungen zur Geschichte und Lehre des Protestantismus, Bd. I/3)
  • Adolf von Harleß. Theologie und Kirchenpolitik eines lutherischen Bischofs; 1933

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, Zweite aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, ISBN 978-3-596-16048-8, S. 235.
  2. vgl. T.H. und die Folgen … 2001.