Theodor von Taussig

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Theodor Ritter von Taussig

Theodor Ritter von Taussig (* 22. Juli 1849 in Prag; † 24. November 1909 in Wien) war ein österreichischer Bankfachmann. Er war unter anderem Gouverneur der Österreichischen Boden-Credit-Anstalt.

Leben[Bearbeiten]

Theodor Taussig übersiedelte 1862 nach Wien, besuchte die Höhere Handelslehranstalt und arbeitete ab 1866 im Bankhaus Landauer & Goldschmidt. Ab 1871 war er Vizedirektor der Wiener Wechselstuben-Gesellschaft, 1872 deren Direktor. 1873 wechselte er zur Boden-Credit-Anstalt und wurde 1874 Direktoriumsmitglied. Er leitete die Sanierung der durch den Börsenkrach vom Mai 1873 schwer geschädigten Bank.

Er baute die österreichische Boden-Credit-Anstalt, ursprünglich ein Hypothekenkreditinstitut, zu einer führenden Großbank der Donaumonarchie aus. Anfangs dazu bestimmt auf erworbene Hypothekenforderungen Pfandbriefe und Kommunalobligationen auszugeben, entwickelte sich die Boden-Credit-Anstalt unter Taussig vielseitig in Verbindung mit den neuen Unternehmungen, die der Staat und die Stadt Wien förderten. Sie verwaltete das Vermögen des kaiserlichen Familienfonds und wurde vom Kaiserhaus wie von der österreichischen Regierung als Gegengewicht zum Bankhaus Rothschild angesehen. Die Boden-Credit-Anstalt zahlte damals die höchsten Dividenden der Donaumonarchie.[1] 1908 wurde er Gouverneur dieses Instituts; ab 1907 war Taussig auch Präsident der Neuen Wiener Sparcassa.

Taussig, ein überaus vorsichtig agierender Mann galt als der „hervorragendste Bankier des Landes“, wie unter anderem Ludwig von Mises in seiner „Geldtheorie“ anlässlich der Schilderung einer Kontroverse zwischen Carl Menger und Taussig über die Relevanz von Geldwertveränderungen bezüglich der Bilanzerstellung vermerkt.[2]

Als Kapital- und Hauptaktionärsvertreter sowie Präsident der Österreichisch-ungarischen Staatseisenbahn-Gesellschaft und Verwaltungsrat der Österreichischen Nordwestbahn, spielte er eine zentrale Rolle bei deren Verstaatlichung.[3] Taussigs Nachfolger war der als äußerst risikofreudig geltende Rudolf Sieghart.

Taussig war der Vater der Wiener Malerin Helene von Taussig (1879–1942).

Als Mitglied einer jüdischen Familie war er von 1901 bis 1906 Vorstandsmitglied der Israelitischen Kultusgemeinde Wien.

Sein Haus in der Gloriettegasse 47–49[4] wurde von dem bekannten Architekten Karl König (1841–1915) errichtet, die künstlerische Ausgestaltung des Speisesaals stammte von Josef Engelhart.

Begraben ist er auf dem alten jüdischen Friedhof des Wiener Zentralfriedhofs.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Band 5. Verlag Kremayr & Scheriau, Wien 1997, ISBN 978-3-218-00547-0, S. 421.
  • Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft 18. bis 20. Jahrhundert Band 3. Hrsg.: Österreichische Nationalbibliothek, Wien. K. G. Saur, München 2002, ISBN 978-3-598-11545-5, S. 1370.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gerhard Schulz: Von Brüning zu Hitler. Zwischen Demokratie und Diktatur Teil 3: Der Wandel des politischen Systems in Deutschland 1930–1933. Mit weiteren Nachweisen. Walter de Gruyter, Berlin 1992, ISBN 978-3-11-013525-1
  2. Ludwig von Mises, The Theory of Money and Credit [1912 Chapter 12]
  3. Verstaatlichung auf Raten (PDF; 1,05 MB)
  4. Villa Malfatti / Villa Taussig