Tiertransport

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Transport von Polizeipferden
Hundetransportbox für internationale Flüge
Dreistöckiger Viehtransporter
Verladen von Ferkeln (ca. 30 kg) für Transport zum Mastbetrieb
In Entwicklungsländern gelten oft weniger strenge Tiertransportbestimmungen als in der Europäischen Union.
Lebend-Schweinetransport auf Timor (um 1970)

Unter einem Tiertransport versteht man im Sinne der deutschen Tierschutztransportverordnung den gewerblichen Transport von lebenden Wirbeltieren mithilfe von Kraftfahrzeugen oder anderen Triebvorrichtungen. Meistens handelt es sich um Viehtransport (Transport von Vieh).

Allgemeine Situation[Bearbeiten]

Die Anlässe für den Transport lebender Tiere sind unterschiedlicher Art. Es handelt sich sowohl um Zucht-, Mast- oder Schlachttiere, um Zoo- und Zirkustiere, aber auch um solche, die für Tierversuche bestimmt sind oder mit Privatpersonen auf Reisen gehen.

Das Schienenverkehrsunternehmen DB Cargo stellte zum 1. April 2001 den Transport lebender Tiere auf der Schiene ein.[1] Die Begründung war, man wolle bei diesem sensiblen Thema keinen öffentlichen Prügelknaben spielen. Zudem war es im Jahr 2000 durch BSE-Fälle sowie MKS zu einem deutlichen Rückgang der Transporte gekommen, sodass man den Zeitpunkt für richtig befand.[2]

Tiertransporte über See finden an Bord spezialisierter Schiffe, sogenannter Tiertransporter statt.

Grenzüberschreitende Lebendtransporte (Deutschland)[Bearbeiten]

Einfuhr nach Deutschland:

  • Rinder: 150 Tausend Tiere
  • Schweine: 13,9 Millionen Tiere (überwiegend Ferkel)
  • Schlachtschweine: 4,6 Millionen (Anzahl von Tieren, die zur Schlachtung nach Deutschland gebracht wurden, 2011)[3]
  • Geflügel: 202 Millionen Tiere

Ausfuhr aus Deutschland:

  • Rinder: 667 Tausend Tiere
  • Schweine: 2 Millionen Tiere
  • Schlachtschweine: 973 Tausend Tiere (Anzahl von Tieren, die zur Schlachtung aus Deutschland ausgeführt wurden, 2011)[4]
  • Geflügel: 264 Millionen Tiere

(Stand 2010 bre. 2011)[5]

Gründe für Lebendtransporte[Bearbeiten]

Die Gründe für Lebendtransporte sind unterschiedlicher Art.

  • Spezialisierung
So wie allgemein in der Wirtschaft Arbeitsplätze oft in sogenannte Billiglohnländer verlegt werden, so werden in der Agrarwirtschaft die Tierzucht und -haltung häufig in die Regionen Europas verlagert, in denen Futter- und Lohnkosten gering und die Tierschutzstandards niedrig sind. Auf der anderen Seite spezialisieren sich insbesondere in der Schweinehaltung viele Betriebe auf reine Aufzucht- oder auf reine Masttätigkeiten.
  • Zentralisierung
Immer mehr Großschlachthöfe entstehen, gegen die kleinere Betriebe in den jeweiligen Regionen nicht konkurrieren können und geschlossen werden. Dadurch verlängern sich die Transportstrecken.
  • Sonstige Gründe
Es werden beispielsweise lebende Tiere in Länder transportiert, damit sie dort gemäß den religiösen oder traditionellen Riten (Schächten) des Landes getötet werden. Es werden auch Masttiere in Länder transportiert (z. B. Spanien), in denen Haltungsformen erlaubt sind, die in Ländern mit strengeren Vorschriften verboten sind (z. B. Deutschland).

Gesetzliche Bestimmungen[Bearbeiten]

Innerhalb der EU gilt die Richtlinie zum Schutz von Tieren beim Transport. Diese Richtlinie sieht eine Höchstdauer je Transport von acht Stunden vor, die jedoch unter bestimmten Bedingungen (Spezialfahrzeuge, Pausen-/Versorgungsintervalle) unbegrenzt verlängert werden kann. 1997 wurde die EU-Richtlinie in Deutschland als Tierschutztransportverordnung (TierSchTrV) umgesetzt. Je nach Tierart dürfen die Fahrzeuge eine bis fünf Ladeebenen haben: z. B. Pferde einstöckig, Rinder zweistöckig, Schafe und Kälber dreistöckig und Jungtiere (Lämmer, Kälber, Ferkel) vier- oder fünfstöckig. Tiergruppen dürfen nur bis zu einer bestimmten Stückzahl zusammen transportiert werden. So dürfen zum Beispiel nur 25 Kälber zusammengesetzt werden. Sollen mehr Tiere mit einem Transporter bewegt werden, so müssen sie durch eine feste Abtrennung getrennt werden.

Dauer der Transporte[Bearbeiten]

Liegen der Versandort und der Bestimmungsort im Inland darf laut EU-Richtlinie 1/2005 der Transport zu einem Schlachtbetrieb höchstens acht Stunden betragen. Abweichungen von dieser Richtlinie sind möglich, soweit die Transportdauer aus unvorhersehbaren Umständen überschritten wird oder wenn der Transport auf einem speziellen Fahrzeug nach der Verordnung Nr. 411/98/EG stattfindet. Während Transporte von bis zu acht Stunden in Normalfahrzeugen erlaubt sind, sind für längere Transportzeiten Spezialfahrzeuge mit Tränkesystem und Ventilatoren vorgeschrieben. In der nicht der EU angehörenden Schweiz ist die maximale Transportdauer am Stück auf sechs Stunden limitiert.

Tiertransporte in der ökologischen Landwirtschaft sind ebenfalls gesetzlich auf acht Stunden begrenzt. Die ökologischen Anbauverbände Bioland, Naturland und Demeter verpflichten sich selbst aber dazu, Tiertransporte auf vier Stunden und möglichst nicht mehr als 50 km zu begrenzen..[6]

Probleme und Kritik[Bearbeiten]

Tierschützer beklagen, dass selbst bei Einhaltung der geltenden gesetzlichen Bestimmungen die Tiere während der Transporte große Qualen ertragen müssten. Sie litten während der Transporte an Erschöpfung, Dehydratation und Stress. Bei sommerlichen Temperaturen würden die Transportbedingungen besonders qualvoll.[7]

Die Regelungen zum Tiertransport würden nur bei Transporten in Verbindung mit einer wirtschaftlichen Tätigkeit greifen.[8] Private Transporte von Heimtieren seien nicht geregelt, wenn von allgemeinen Bestimmungen des Tierschutzes und der Straßenverkehrsordnung abgesehen werde. Im Zusammenhang mit privaten Transporten von Heimtieren spielen Tiertransportboxen eine Rolle.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tiertransporte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Meldung Aktuelles in Kürze. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 5/2001, ISSN 1421-2811, S. 198.
  2. Hintergrund zur Einstellung von Bahntransporten in Deutschland
  3. Bundesministerium für Landwirtschaft, Einfuhr von Schlachtschweinen und Schweinefleisch nach Ländern 5. März 2013 (PDF; 12 kB)
  4. Bundesministerium für Landwirtschaft, Ausfuhr von Schlachtschweinen und Schweinefleisch nach Ländern 5. März 2013 (PDF; 13 kB)
  5. Kleine Anfrage an die Bundesregierung, Export und Import von tierischen Erzeugnissen und Futtermitteln, 17. Januar 2012 (für die Schweineproduktion siehe eigene Einzelnachweise; PDF; 329 kB)
  6. Was wir essen, Transport von Schlachtvieh
  7. Hitzewellen und Tiertransporte, Albert Schweitzer Stiftung, 3. August 2013
  8. Schutz von Tieren beim Transport