Tiger-Klasse

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FRG Naval Ensign
Schnellboot Reiher P6159
Schnellboot Reiher P6159
Klasse 148
Typ Flugkörperschnellboot
Typboot S 41 Tiger
Einheiten 20 für die Bundesmarine
Dienstzeit 1972 - 2002 DeutschlandDeutschland Deutschland
seit ??? AgyptenÄgypten Ägypten
seit 1997 ChileChile Chile
seit 1995 GriechenlandGriechenland Griechenland
Technische Daten
Verdrängung 265 t
Länge 47  Meter
Breite 7  Meter
Tiefgang 2,7  Meter
Geschwindigkeit: 38 kn
Besatzung 30
Antrieb 4 × Dieselmotoren MTU 872-D
4 Propeller
Leistung 10.690 kW /
14.400 PS (4 × 3.600 PS)
Reichweite 570 sm mit 30 kn,
1600 sm mit 15 kn
Bewaffnung

optional:

Elektronik

Die Tiger-Klasse (148) war eine Klasse von Flugkörperschnellbooten der Deutschen Marine, die von 1972 bis 2002 im Dienst standen. Sie wurden in Frankreich auf Grundlage von Entwürfen der deutschen Lürssenwerft entwickelt. Daraus entstand eine Familie von Bootsklassen, die als La Combattante bekannt und erfolgreich exportiert wurde.[1] Die Entsprechung der deutschen Boote war dabei die La-Combattante-II-Klasse. Die 20 für die Bundesmarine beschafften Boote wurden teilweise von der Lürssenwerft gefertigt.

Entwicklung[Bearbeiten]

Schon Anfang der 1960er-Jahre begannen die Planungen für die Nachfolger der bei der Bundesmarine eingeführten Schnellbootsklassen. An den deutschen Schnellbooten zeigte sich auch Israel interessiert. Als aufgrund des Kriegswaffenkontrollgesetzes ein Export aus Deutschland nicht möglich erschien, wurden die Pläne in Zusammenarbeit mit der französischen „Chantiers des Constructions Mechaniques de Normandie“ in Cherbourg für Israel umgesetzt. Dort wurde zunächst die „La Combattante“ gebaut, die den deutschen Booten der Jaguar- und Zobel-Klasse äußerlich noch sehr ähnlich sah, aber im Unterschied zur Konstruktion von Lürssen einen Stahlrumpf hatte. Dieses Boot blieb ein Einzelstück. Daraus wurde unmittelbar die „La-Combattante-II-Klasse“ mit einer Bewaffnung aus vier Seezielflugkörpern und je einem 76-mm- und 40-mm-Geschütz weiterentwickelt.

Israelisches Boot der Sa'ar-Klasse, die Grundlage für die La-Combattante-II-Klasse war

Die La-Combattante-II-Klasse war für Frankreich im Export sehr erfolgreich, so erhielten außer Deutschland (20) und Israel (12) auch Griechenland (4), Malaysia (4), Iran (12) und Libyen (10) Boote dieses Typs. Die Klasse wurde weiterentwickelt und als La Combattante III an weitere Länder geliefert.[2]

Einsatz bei der Bundesmarine[Bearbeiten]

Als der Ersatz der deutschen Jaguar-Schnellboote anstand, war die Entwicklung der späteren Albatros-Klasse (143) bei Lürssen noch nicht abgeschlossen. Auf der Suche nach schnell verfügbaren Alternativen konnte sich Frankreich 1970 mit seinem Angebot von Booten der La-Combattante-II-Klasse in der Ausschreibung durchsetzen (je Boot 43 Millionen DM). Acht der Boote wurden von Lürssen nach Lieferung der rohen Bootskörper aus Frankreich fertiggestellt.[3]

Boote der Tiger-Klasse im Hafen Olpenitz

Die Boote wurden bei der Bundesmarine zunächst als „Klasse 148“ in Dienst gestellt und ersetzten ab Mitte der 1970er-Jahre die Boote der Jaguar-Klasse des 3. und 5. Schnellbootgeschwaders. Zunächst erhielten die Boote keine Namen. Erst 1982 wurden die alten Namen auf Wunsch der Besatzungen, die diese und die damit verbundenen Traditionen wie etwa die Städtepartnerschaften inoffiziell fortgeführt hatten, wieder eingeführt. Damit erhielt die Klasse ihre heute bekannte Bezeichnung Tiger-Klasse.

Sie waren für die Überwachung und die Kampfführung in Nord- und Ostsee konzipiert und wurden in den 30 Jahren Dienstzeit bei der Bundesmarine und deutschen Marine mehrfach nachgerüstet. Nach der Außerdienststellung wurden sie an verschiedene Länder verkauft oder verschrottet. Es wurde kein Ersatz beschafft. Aufgrund der veränderten Einsatzbedingungen reduziert die Deutsche Marine ihren Bestand an Schnellbooten drastisch und beschafft stattdessen eine geringere Zahl Korvetten.

Merkmale[Bearbeiten]

Als Plattform für vier Seezielflugkörper und mit erheblich ausgeweiteter elektronischer Kapazität übertrafen sie ihre Vorgänger in der Verdrängung um etwa ein Drittel. Die Boote der Tiger-Klasse waren die einzigen deutschen Schnellboote mit Metallrümpfen.

Der Antrieb der deutschen Boote erfolgte durch vier MTU-Turbodieselmotoren Typ 872-D mit je 3.600 PS (V16-Zylinder mit 2 Turboladern, 86 Liter Hubraum) auf vier Wellen. Zur Stromerzeugung wurden drei V8-Diesel-Drehstrom-Generatoren MWM 232 mit je 88 kW installiert.

Die Hauptwaffen waren die vier Flugkörper MM38 "Exocet" auf dem Achterdeck sowie ein 76-mm-Geschützturm auf dem Vordeck und eine 40-mm-Flak am Heck. Die Flugkörper waren in zwei Doppelstartern aufgestellt, die jeweils schräg nach Backbord und Steuerbord voraus gerichtet waren. Die Tiger-Klasse war mit verschiedenen Radar- und Feuerleitanlagen und dem automatisierten LINK-11-Datenfunksystem zur schnellen Lagebildübermittlung ausgestattet. Zum Eigenschutz standen elektronische Störmaßnahmen, Radarscheinziele und Infrarot-Täuschkörper zur Verfügung.

Boote[Bearbeiten]

NATO
Kennung
Deutsche
Kennung
Name Indienststellung Außerdienststellung Verbleib
P6141 S 41 Tiger 31. Oktober 1972 22. September 1998 22. September 1998, chilenische Marine „Teniente Uribe“ (LM-39)
P6142 S 42 Iltis 8. Januar 1973 15. Oktober 1992 griechische Marine „Simaiforos Votsis“ (P-72)
P6143 S 43 Luchs 9. April 1973 27. August 1998 chilenische Marine als Ersatzteilträger
P6144 S 44 Marder 14. Juni 1973 25. Mai 1994 griechische Marine „Plotarhis Vlahavas“ (P-74), außer Dienst vorauss. 2011
P6145 S 45 Leopard 21.August 1973 28. September 2000 griechische Marine „Ipopliarchos Tournas“ (P-76), außer Dienst vorauss. 2011
P6146 S 46 Fuchs 17. Oktober 1973 16. Dezember 2002 ägyptische Marine „6. October“
P6147 S 47 Jaguar 13. November 1973 28. September 2000 griechische Marine „Plotarhis Sakipis“ (P-77), außer Dienst vorauss. 2011
P6148 S 48 Löwe 9. Januar 1974 16. Dezember 2002 ägyptische Marine „21. October“
P6149 S 49 Wolf 26. Februar 1974 27. August 1997 27. August 1997, chilenische Marine „Guardiamarina Riquelme“ (LM-36)
P6150 S 50 Panther 27. März 1974 27. September 2001 2003 verschrottet
P6151 S 51 Häher 12. Juni 1974 24. Juni 1994 griechische Marine „Plotarhis Maridhakis“ (P-75)
P6152 S 52 Storch 17. Juli 1974 16. November 1992 griechische Marine „Antipliarchos Pezopoulos“ (P-73)
P6153 S 53 Pelikan 24. September 1974 4. Juni 1998 chilenische Marine Ersatzteilträger
P6154 S 54 Elster 14. November 1974 27. August 1997 27. August 1997, chilenische Marine „Teniente Orella“ (LM-37)
P6155 S 55 Alk 7. Januar 1975 13. Mai 2002 ägyptische Marine „23. October“
P6156 S 56 Dommel 12. Februar 1975 16. Dezember 2002 ägyptische Marine „18. June“
P6157 S 57 Weihe 3. April 1975 16. Dezember 2002 ägyptische Marine „25. April“
P6158 S 58 Pinguin 22. Mai 1975 28. Juni 2001 2003 verschrottet
P6159 S 59 Reiher 24. Juni 1975 27. Januar 2001 2003 verschrottet
P6160 S 60 Kranich 6. August 1975 22.September 1998 22. September 1998, chilenische Marine „Teniente Serrano“ (LM-38)

[4][5]

Verweise[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tiger-Klasse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Zusätzliche Informationen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. französische Seite zur Werft
  2. s46-fuchs.net über die Klasse
  3. s46-fuchs.net über die Beschaffung
  4. schnellboot.net zur Klasse 148
  5. Private Seite zur griechischen Marine