Timo Brunke

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Bas Böttcher, Timo Brunke, Nora-Eugenie Gomringer und Dalibor Markovic beim "Poetry Slam Festival Zurich 2010" (von links)

Timo Brunke (* 11. März 1972 in Stuttgart) ist ein deutscher Dichter und Poetry Slammer.

Leben[Bearbeiten]

Timo Brunke kam bereits während seiner Schulzeit zum literarischen Kabarett und entwickelte seit Ende der 1980er Jahre, zunächst von dort aus, dann ab Ende der 1990er Jahre als Protagonist und Netzwerker der deutschsprachigen Poetry Slam-Szene, eigene Formen der Spielpoesie, des Spoken Word, der Slam Poetry und der experimentellen Dichtung.

Brunke studierte von 1994 bis 1998 Evangelische Theologie an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Von 1994 bis 1998 war er aktives Mitglied der Autorengruppe Holzmarkt in Tübingen. Von 1998 bis 2000 absolvierte er eine Schauspielausbildung bei Frieder Nögge und nahm zwischen 2002 und 2006 an Christof Stählins Mainzer Akademie für Poesie und Musik SAGO teil.

1999 gründete er den Stuttgarter Poetry Slam, den er bis 2008 im dortigen Club Rosenau veranstaltete.[1] Seit 2001 ist er Leiter der experimentellen Sprachwerkstatt „Wort und Spiele“ am Literaturhaus Stuttgart. 2006 begleitete er Bas Böttcher mit dessen Textbox-Projekt nach Paris (Centre Pompidou), Peking, Berlin (Neue Nationalgalerie), Abu Dhabi und Bangkok sowie im Mai 2008 nach Madrid.[2][3]

Brunke arbeitet und lebt zusammen mit seiner Familie in Stuttgart und schreibt seit September 2009 Kolumnen für die Stuttgarter Zeitung.

Poetik[Bearbeiten]

Timo Brunke benennt seine künstlerische Arbeit mit dem Neologismus „Metrogarde“, sich selbst bezeichnet er als „Bühnenpoeten“. In Abgrenzung zum Avantgarde-Konzept des 20. Jahrhunderts sieht Brunke auf die Künstler des 21. Jahrhunderts die Aufgabe zukommen, in den unterschiedlichsten Kontexten und Milieus stil- und niveaubildend tätig zu werden. Auf Distanz zum Massenentertainment einerseits wie zum Hermetismus einer L’art pour l’art andererseits habe der Poet, der Künstler der Gegenwart, „nach draußen“ zu gehen,

„um dort, vor Ort, im unwegsamen Gelände, eine Mitte zu schaffen, das wärmende Lagerfeuer der Kultur mit den Mitteln des Spiels, der liebevollen Irritation und des engagierten Eigenmanagements wie der Vernetzung und durchaus im Sinne einer geistigen Dienstleistung, die sich selbst Gesetze schafft, zu entfachen.“

Timo Brunke, der als sein Vorbild Andreas Gryphius nennt, ist auch als Auftragsdichter für Institutionen und Firmen tätig. Eines seiner Anliegen ist es, dieses Genre, das in den letzten Jahrzehnten zum Klischee-Ständchen für Jubiläen und runde Geburtstage verkommen sei, wieder aufzuwerten.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 2010: Warum heißt das so? wird vom österreichischen Wissenschaftsministerium zum besten Wissenschaftsbuch des Jahres 2010 in der Sparte „Junior Wissen“ gekürt.[4]
  • 2011: Förderpreis des Schubart-Literaturpreises[5]
  • 2011 wurde Brunke mit seinem Projekt Wort und Spiele - Sprachwerkstatt im Deutschunterricht in der Jubiläumsaktion "Die Verantwortlichen" der Robert Bosch Stiftung vorgestellt.[6]

Werke[Bearbeiten]

Bühnenproduktionen[Bearbeiten]

Soloprogramme
  • Erpichte Gedichte – Lyrische Pfirsiche (1993)
  • Mundschellen in Hülle – Ohrfeigen in Fülle (1995)
  • Der Große Trinkspruch vom Ersten und vom Nächsten Schluck (1996)
  • Die Weisheit der Jordanbinse (1998)
  • Verselust (2000)
  • per vers (2001)
  • Pension Brunke (2004)
  • Vom Verstand in den Mund (2006)
  • All das. All diese Dinge. (2007)
  • Vom Übergang des Abendlandes - Slampoesie an Musik mit Scott Roller (2011)

Literatur[Bearbeiten]

  • Warum heißt das so? Eine Sammlung von erstaunlichen Wort-Geschichten. Klett Kinderbuch Verlag. (2009) ISBN 3-941411-07-1
Gedichtbände
  • Erpichte Gedichte - Lyrische Pfirsiche. Verlag Reiner Brouwer (1996). Edition Isele (2005)
  • Die Läuterlabe - ein Versdramolett. Verlag Reiner Brouwer (1997)
  • Lappalie Lapsus und Lapidar Läppisch in: Die Läuterlabe. Edition Isele (2005)
Beiträge in diversen Anthologien
  • DAS Gedicht. Nr. x hg. Von Anton G. Leitner
  • Himmelhochjauchzend – zu Tode betrübt. dtv-Taschenbuch
  • Slam! Poetry. Killroy Media.
  • Das Heft, das seinen langen Namen ändern wollte. Sommer (2006)
  • Slam Poetry. hrsg. von Petra Anders, Reclam Verlag (2008)

Sprachstücke[Bearbeiten]

  • Pastiorale – Hommage an Oskar Pastior für sieben Sprechstimmen (2007)
  • Kommunikazumutung – Verzweit UA (2008)

Tonträger[Bearbeiten]

  • Lyrik zwei (4 Audio CDs) Verlag: Dhv der Hörverlag (2002) ISBN 3-89584-987-1
  • All das. All diese Dinge (Audio-CD) Verlag: Der gesunde Menschenversand (März 2006) ISBN 3-9522993-3-2.

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Nathalie Karanfilovic: Poetry Slam - Literatur und Action Interview mit Brunke bei medienkultur-stuttgart.de
  2. Der Dichter im Terrarium. Bericht zum Textbox-Projekt auf arte.tv vom 23. März 2007
  3. Ellinor Krogmann: Interview mit Brunke als Gast im Magazin „Machete“ auf SWR2 vom 15. November 2007
  4. http://www.wissenschaftsbuch.at/B/B_c1.php?kategorie=&praemierung=&jahr=&text=Timo+Brunke&image.x=34&image.y=10 Timo Brunke & Sasann Hesselbarth: Warum heißt das so? Ein Herkunftswörterbuch als Siegerbuch der Junior-Wissensbücher auf www.wissenschaftsbuch.at
  5. Schubart-Literaturpreis und Schubart-Literaturförderpreis der Stadt Aalen. Auf: aalen.de
  6. [1]