Tombeau

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Tombeau ist in der Instrumentalmusik die Bezeichnung des musikalischen Grabsteins (franz. le tombeau = Grabmal). Diese Gattung ist besonders mit der Lautenmusik im 17. und 18. Jahrhundert verbunden: von etwas mehr als 60 erhaltenen Stücken sind die meisten für Laute oder Theorbe komponiert, 5 für Barock-Gitarre, 7 für Gambe und 3 für Cembalo. Das früheste Stück der Gattung dürfte das Tombeau de Mezangeau (1638) des französischen Lautenisten Ennemond Gaultier sein.

Musikalische Vorläufer sind Gedächtnis-Pavanen wie die des Engländers Anthony Holborne (Countess of Pembrokes Funeralle, 1599). In Frankreich, wo diese musikalische Gattung zuerst auftrat, dürfte auch die starke Orientierung an literarischen Vorbildern mitgewirkt haben, und zwar am Vorbild des Gedächtnis-Gedichtes, das vom 16. bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts blühte.

Die bevorzugten Formen des Tombeaus sind die Allemande grave und die Pavane, beides würdevoll schreitende Tänze, wobei die Pavane im 17. Jahrhundert eigentlich schon längst aus der Mode gekommen war (vgl. Denis Gaultier, Tombeau pour M. Racquette). Gelegentlich kommt das Tombeau auch in der Form der Gigue vor; das liegt daran, dass die Übergänge zwischen Gigue grave und Allemande fließend waren.

Im Gegensatz zum italienischen Lamento kommt das Tombeau ohne die Verwendung expressiver Elemente der Klage aus, denen man in Frankreich eher verhalten gegenüberstand. Gleichwohl kommen tonmalerische Elemente zur Anwendung, so z. B. wiederholte Bass-Noten für die Sterbeglocke, fallende oder steigende Tonreihen für die bedrängte oder gen Himmel steigende Seele (vgl. Johann Jakob Froberger, Lamentation auf den Tod Ferdinands III. sowie Méditation sur ma Mort Future).

Zuerst von Pariser Lautenisten entwickelt und gepflegt (Denis Gaultier, Charles Mouton, Jacques Gallot, Du Fault), wurde die Gattung dann auch von den französischen Clavecinisten und Gambisten übernommen (J. J. Froberger und Louis Couperin auf den Tod ihres Freundes Blancrocher 1652, M. Marais und Sainte-Colombe d.J. auf den Tod von Monsieur de Sainte-Colombe), und auch nach Europa hinausgetragen ( J. A. Logy, S. L. Weiss).

Es scheint, dass das Tombeau besonders in katholischen Gegenden gepflegt wurde, als weltliche Parallele zu den Vertonungen von Totenmessen. Am Ende des 18. Jahrhunderts verblühte die Gattung und wurde erst im 20. Jahrhundert wiederentdeckt – etwa durch Maurice Ravels Le Tombeau de Couperin (1919 uraufgeführt). Heutzutage jedoch bedeutet es eher eine Hommage an die Barockzeit.

Literatur[Bearbeiten]

  • Tombeau. In: Brockhaus-Riemann Musiklexikon. Band 4: R – Z. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Schott, Mainz 1995, ISBN 3-7957-8399-2, S. 247.
  • Lamento. In: Brockhaus-Riemann Musiklexikon. Band 3: L – Q. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Schott, Mainz 1995, S. 9.
  • Günther Birkner: Tombeau. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Band 13. Kassel 1986, S. 477–478.

Weblinks[Bearbeiten]