Torpedo (Automobilbauart)

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A.L.F.A. 24 HP Torpedo von 1910
Isotta-Fraschini 35/45 HP Doppel-Phaeton-Torpedo („Siluro“) von 1911
Fiat Tipo 3 Torpedo von 1912

Der Torpedo ist eine Automobilbauart (Karosseriebauform), die von Anfang des 20. Jahrhunderts bis Mitte der 1930er-Jahre hergestellt wurde, noch vor dem Zweiten Weltkrieg aber gänzlich verschwand.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Bezeichnung Torpedo wurde 1908 vom belgischen Autohändler Captain Theo Masui eingeführt, der in London als Importeur der französischen Automobilmarke Grégoire agierte und eine stromlinienförmige Karosserie mit dem Namen The Torpedo entwarf[1].

Diese wurde etwas später zu ihrer endgültigen Form weiterentwickelt, indem die Gestalt der Motorhaube der Gürtellinie des Autos angepasst wurde und so eine durchgehende Seitenlinie von vorne bis hinten entstand. Der Fortschritt gegenüber dem Phaeton bestand in der Erhöhung der Seitenlinie und damit der Verbesserung der Sicherheit für die Insassen vor allem bei Kurvenfahrt. Torpedo wurde damit zu einer Gattungsbezeichnung.

Ein „Torpedo“ hat üblicherweise vier oder fünf Sitzplätze und eine offene Bauweise mit aufklappbarem relativ einfachem Stoffdach und niedrigen Seitenteilen und Türen, aber ohne B-Säulen. Nur die hinteren Spriegel und die A-Säulen tragen das Dach. Ein entscheidender Nachteil der Torpedo-Karosserie war der zum großen Teil eher schlechte Wetterschutz des einfachen Verdecks.

Automobile mit Torpedo-Karosserie entstanden bei verschiedenen Herstellern wie Fiat, Isotta-Fraschini, Lancia oder Rolls-Royce. Ähnliche Automobilbauarten sind der Phaeton und der Baquet[2]. Diese Formen näherten sich im Laufe der Zeit immer mehr an und die Bezeichnung Phaeton setzte sich schließlich durch. Allerdings war deren Bedeutung aufgrund modernerer Karosseriebauarten ohnehin seit den 1920er Jahren im Sinken und befand sich seitdem auf dem Rückzug bis sie noch vor dem Zweiten Weltkrieg komplett verschwanden.

Abweichungen[Bearbeiten]

Vom Hersteller ebenfalls Torpedo genannt: Citroën 5 CV (1923), hier als Zweisitzer Type C2. Es gab parallel eine Version C3 mit einem Einzelsitz hinten.

Manche Automobilhersteller und Karosseriebauer verwendeten die Bezeichnung Torpedo auch für andere Modelle, oft für offene Versionen mit sportlichem Einschlag. Frühe Beispiele dafür sind die nur 1911 angebotenen Hupmobile Modell 20 Torpedo, tatsächlich ein zweisitziger Roadster mit eiförmigen Heck[3] und Modell T Torpedo Runabout welcher gegenüber anderen T-Modellen dieses Jahrgangs eine längere Motorhaube, rundere Kotflügel und eine tiefere Sitzposition mit daraus resultierender längerer Lenksäule die in einem flacheren Winkel angebracht war[4] . Während das Hupmobile Torpedo im folgenden Jahr bereits wieder verschwunden war legte Ford 1912 ein Modell T Torpedo Roadster auf das sich allerdings nicht mehr so stark von den anderen Modellen unterschied[5] . Sehr populär wurde in Frankreich der von 1922-1926 gebaute Citroën Modell C, angeboten in zwei Radständen (C2 und C3). Von beiden gab es eine Version Torpédo mit Spitzheck ("Entenbürzel"), der C3 wurde wegen des dritten Sitzplatzes hinten auch Trèfle genannt[6].

Andere Verwendungen[Bearbeiten]

In der englischsprachigen Welt wird ausgehend von Großbritannien aus heute noch zum Teil ein Lkw mit Motorhaube (Haubenlenker) als Torpedo bezeichnet. In Italien wird als Torpedo in Anlehnung an die Torpedo-Karosserien der Vergangenheit heute noch ein eher einfacher Geländewagen mit Stoff- oder Planverdeck genannt. Mit Torpedoblech bezeichnet man das Karosserieteil unmittelbar vor der Windschutzscheibe, oft kombiniert mit dem Trennblech zwischen Passagier- und Motorraum.

Trivia[Bearbeiten]

Im deutschen, englischen und italienischen Sprachgebrauch bezeichnet Torpedo eine Unterwasserwaffe mit eigenem Antrieb und einer Sprengladung. Es ist anzunehmen, dass der Name der Karosserieform darauf zurückgeht. Im französischen heißt diese Marine-Waffe Torpille.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jean Henri-Labourdette: Un siècle de carrosserie française. Edita, Lausanne 1972.
  • Beverly Rae Kimes (Herausgeberin) und Henry Austin Clark, jr.: The Standard Catalogue of American Cars 1805-1942. Krause Publications, Iola WI 1985, ISBN 0-87341-111-0.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wood, Jonathan: Coachbuilding – The Hand Crafted Car Body, Shire Publications, Oxford (2008), ISBN 978-0747806882
  2. Antique, Vintage an Classic Car Terms and Definitions, Antiquecar.com
  3. Kimes; Standard Catalogue of American Cars 1805-1942 (1985), S. 721
  4. Kimes; Standard Catalogue of American Cars 1805-1942 (1985), S. 552
  5. Kimes; Standard Catalogue of American Cars 1805-1942 (1985), S. 553
  6. Kleeblatt