Isotta Fraschini

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Isotta Fraschini ist ein italienischer Motoren- und früherer Automobilhersteller, der vor allem in den 1920er- und 1930er-Jahren durch besonders luxuriöse Personenkraftwagen bekannt geworden ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Anfänge[Bearbeiten]

Die Fabbrica Automobili Isotta Fraschini Milano wurde 1899 von Cesare Isotta und Vincenzo Fraschini in Mailand gegründet. Zunächst beschränkten sie sich auf die Montage und den Vertrieb von Renault-Fahrzeugen. Im Jahre 1903 wurde das erste eigene Modell vorgestellt, 1905 begann die Produktion des Rennwagens Tipo D mit 17.203 cm³ Hubraum, der an der Targa Florio in Sizilien teilnahm, einem der damals bedeutendsten Autorennen.

Im Jahre 1907 wurde Isotta Fraschini kurzzeitig vom französischen Luxusautomobilhersteller Lorraine-Dietrich übernommen, der anschließend Karosserien für Isotta-Fraschini-Fahrgestelle konstruierte. Die Produktion von Rennwagen wurde fortgesetzt; 1908 konnte Vincenzo Trucco die legendäre Targa Florio auf einem Isotta Fraschini gewinnen. Außerdem wurden Sportwagen mit Vierzylindermotoren gebaut.

1919–1945[Bearbeiten]

Nach dem Ersten Weltkrieg, während dem Flugzeugmotoren gebaut worden waren, begann im Jahre 1919 mit dem Tipo 8 die Produktion von Luxusautomobilen mit großen Achtzylinder-Reihenmotoren.

Durch dieses Modell und seinen Nachfolger Tipo 8A (ab 1924) erwarb Isotta Fraschini sich einen Ruf als Hersteller äußerst hochwertiger Fahrzeuge und wurde als italienisches Pendant zu Rolls-Royce und Hispano-Suiza angesehen. Mit dem zunehmenden Wohlstand in den USA der 1920er-Jahre wurden diese Autos bei der neuen Oberschicht populär. Zu den Kunden des Hauses gehörten berühmte Schauspieler/innen wie Clara Bow, Rudolph Valentino und Greta Garbo. Ein weiterer wichtiger Kunde von Isotta Fraschini war der Vatikan. Im Jahr 1926 folgte die sportliche Variante 8A Super Spinto.

Die Weltwirtschaftskrise von 1929 ging allerdings auch an Isotta Fraschini nicht ganz spurlos vorbei, die Verkaufszahlen der Luxusautos ging zurück, so dass sich auch 1930 als ein recht schwieriges Jahr erweisen sollte. Henry Ford, der Präsident der Ford Motor Company, der ebenfalls einen Tipo 8A besaß, regte an die Luxusautos für den US-amerikanischen Markt im Lande selbst herzustellen um so die hohen Importzölle zu umgehen, was die italienische Regierung unter Benito Mussolini jedoch ablehnte. Isotta Fraschini hatte nach wie vor in der Herstellung von Flugmotoren ein zweites Standbein, was das Überleben der Firma auch langfristig sicherte.

Im Jahre 1931 erschien das stilistisch und technisch verfeinerte Nachfolgemodell Tipo 8B. Diese version erhielt noch raffinierter gestaltete Karosserien und ein hydraulisch unterstütztes halbautomatisches Vorwählgetriebe, was die Bedienung für den Fahrer erleichterte und den ohnehin guten Fahrkomfort noch weiter steigerte. In der Zwischenkriegszeit gehörte Isotta Fraschini zu den teuersten Luxusautomarken überhaupt; die Fahrzeuge überzeugten durch ihre enorme Zuverlässigkeit, was damals durchaus nicht selbstverständlich war.

1936 wurde die Produktion von Personenwagen überraschend eingestellt. Isotta Fraschini begann zusammen mit Zagato im benachbarten Rho die Herstellung von Lastkraftwagen für die italienische Armee. In etwa gleichzeitig begann auch der Bau von Oberleitungsbussen. Auch begann man mit dem Lizenzbau von Flugabwehrgeschützen des schweizerischen Waffenherstellers Oerlikon . Bis 1942 wurde die Cannone-mitragliera da 20/77 (Scotti) gebaut.

Während des Zweiten Weltkriegs ging die Produktion von LKW wie des D65 und des D80 sowie von Flugmotoren unvermindert weiter. Die Fabrikanlagen wurden 1944 aus dem von Bombenangriffen bedrohten Mailand nach Saronno verlegt und daher im weiteren Verlauf kaum beschädigt.

1946–1949[Bearbeiten]

Weil die Werksanlagen weitgehend intakt geblieben waren, gelang es Isotta Fraschini, im Gegensatz zu zahlreichen anderen europäischen Autoherstellern, bereits 1948 ein in den vorangangenen zwei Jahren komplett neu konstruiertes Modell vorzustellen. Dabei handelte es sich um den Tipo 8C Monterosa, eine luxuriöse viertürige Limousine mit einer modernen Karosserieform und bis zu 120 PS leistenden V8-Motoren im Heck. Den Beinamen erhielt das Modell von dem ehemaligen Standort der Firma in der Via Monterosa in Mailand. Allerdings konnte keine Serienproduktion begonnen werden, denn aufgrund des hohen Preises entstanden nur etwa 20 Exemplare. Somit endete 1949 die Automobilproduktion; das Unternehmen beendete seine Tätigkeit, wurde jedoch nicht aus dem Handelsregister gestrichen.

Nach der Autoproduktion[Bearbeiten]

Im Jahre 1955 wurde die Marke Isotta Fraschini durch die Fusion mit dem Mailänder Motorenhersteller Motori Breda, einer ausgegliederten Schiffsbau-Sektion des Breda-Konzerns, reaktiviert. Die F. A. Isotta Fraschini e Motori Breda stellte in Saronno nunmehr Industriemotoren und kleine bis mittlere Schiffsmotoren her. Daneben baute Isotta Fraschini von neuem Oberleitungsbusse, vor allem für die Mailänder Verkehrsbetriebe (ATM). Anfang der 1960er-Jahre wurde in Bari eine Fabrik für Dieselmotoren errichtet.

In den 1980er-Jahren wurde die Firma in Isotta Fraschini Motori S.p.A. umbenannt und vom Schiffsmotorenhersteller Fincantieri aus Triest übernommen. Seitdem hat die Firmenverwaltung ihren Sitz in den alten Fabrikanlagen in Bari, während dort und in Triest Motoren für Schiffe, Industrie und Eisenbahn hergestellt werden. Das Werk in Saronno ist noch vorhanden, wird jedoch fast nicht mehr genutzt.

Bildergalerie[Bearbeiten]

Trivia[Bearbeiten]

  • Im Kinofilm Rebecca von Alfred Hitchcock von 1940 kommt ein Isotta Fraschini Tipo 8A Cabriolet Landaulet von Castagna (Bj. ca 1930) vor.
  • Im Kinofilm Sunset Boulevard von 1950 ist ein ähnlicher Isotta Fraschini Tipo 8A Castagna Transformabile von 1929 zu sehen. In diesem Film wird das Auto von Erich von Stroheim in seiner Rolle als Butler und Chauffeur gelenkt. Weil von Stroheim nicht fahren konnte, wurde das Auto in diesen Szenen von einem anderen Auto gezogen. Bei den Aufnahmen zu einer Filmszene, welche vor dem Werkstor zu den Paramount Studios spielt, fuhr er den Isotta gegen das Tor. Erstbesitzerin des Fahrzeugs war Peggy Hopkins Joyce, die es als Geschenk von Walter P. Chrysler erhalten hatte.

Bekannte Fahrzeuge[Bearbeiten]

Personenwagen

  • Tipo 8, 1919–1924
  • Tipo 8A, 1924–1931
  • Tipo 8B, 1931–1936
  • Tipo 8C Monterosa, 1948–1949

Rennwagen

  • Tipo D, 1905–1907
  • Tipo FE, 1908 (Voiturette)

Lastkraftwagen

  • D65
  • D80

Obusse

  • TS 40F1
  • F1

Literatur[Bearbeiten]

  • Richard v. Frankenberg, Marco Matteucci: Geschichte des Automobils. Sigloch Service Edition / STIG Torino, Künzelsau 1973, DNB 760297916.
  • Hans-Otto Neubauer (Hrsg.): Chronik des Automobils. Chronik Verlag im Bertelsmann Lexikon Verlag, Gütersloh/ München 1994, ISBN 3-570-14338-4.
  • Harald H. Linz, Halwart Schrader: Die große Automobil - Enzyklopädie. 100 Jahre Geschichte. 2500 Marken aus 65 Ländern. 2. Auflage. BLV Buchverlag, München/ Wien/ Zürich 1992, ISBN 3-405-12974-5.
  • G. N. Georgano (Hrsg.): Complete Encyclopedia of Motorcars, 1885 to the Present. 2. Auflage. Dutton Press, New York 1973, ISBN 0-525-08351-0. (englisch)
  • Ernest Schmid, Martin Wiesmann: Autoveteranen. Gloria-Verlag, Bergdietikon (Schweiz) 1967, DNB 988869462.
  • Roger Gloor: Nachkriegswagen. 2. Auflage. Hallwag AG, Bern/ Stuttgart 1981, ISBN 3-444-10263-1.
  • Hugh G. Conway: Les Grandes Marques: Bugatti. Gründ, Paris 1984, ISBN 2-7000-5175-8 (formal falsche ISBN). (französisch)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Isotta-Fraschini – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien