Triade (Philosophie)

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Als Triade (griech. trias zu Genetiv: triados) – eigentlich: Dreiheit; im übertragenen Sinne auch Dreischritt – werden philosophische Konzepte gekennzeichnet, die einen solchen Dreischritt als grundlegendes Strukturmerkmal enthalten. Bereits Aristoteles hat im ersten Kapitel seiner Physik darauf verwiesen, dass die Dreiheit alleine in der Lage ist, das Werden zu beschreiben. Auch in De caelo hob Aristoteles hervor, dass die Dreiheit die Zahl des Ganzen ist, weil sie Anfang, Mitte und Ende umfasst. (De caelo, I, 268, a 12 c) Die Triade spielt eine zentrale Rolle z. B. in Hinblick auf:

Bei Proklos ist das Entstehen der Welt in einem Prozess des Herausfließens (Emanation) aus dem einen Urgrund in einem stufenweisen Prozess beschrieben. Alles Wirkliche ist aus dem Einen hervorgegangen und wendet sich in einem Dreischritt aus Sein, Leben und Denken zu seinem Ursprung zurück.

Bei Kant sind die vier Funktionen der Kategorien (Quantität, Qualität, Relation und Modalität) jeweils die Zusammenfassung einer Gruppe von drei Kategorien, bei denen sich jeweils der dritte Begriff aus den beiden ursprünglichen herausbildet, also z. B. aus der Einheit und der Vielheit leitet sich die Allheit ab. Auch die drei Grundfragen Kants bilden eine Dreiheit (Wissen, Ethik, Glaube) wie auch die regulativen Ideen (Welt, Seele, Gott bzw. Freiheit, Unsterblichkeit und Unendlichkeit). Kant hat allerdings nie ein triadisches Prinzip gebildet.

Entsprechend hielt Hegel Kant vor, dass er die Dreiheit zwar verwendet, nicht aber deren Bedeutung als grundlegendes Prinzip erkannt habe. Die hegelsche Triade besteht in den Elementen Sein, Wesen und Begriff, die ihre Entsprechung in der Wissenschaft der Logik, der Naturphilosophie und der Phänomenologie des Geistes haben. Aus dem Begriff ergibt sich die Triade des subjektiven Begriffs, des Objekts und der Idee. Der subjektive Begriff unterteilt sich wieder in den Begriff als solchen, das Urteil und den Schluss. Dementsprechend ist das Werden das Dritte von Sein und Nichts, der Widerspruch das Dritte von Identität und Unterschied oder das Maß das Dritte von Qualität und Quantität. Dialektik ist für Hegel nicht nur bloße Methode, sondern ein die Wirklichkeit ausmachendes Prinzip, das zur Universalität der Bewegung aller Dinge führt. Diese dialektische Struktur spiegelt sich in dem von Schelling eingeführten Schema von These, Antithese und Synthese wider, in dem die drei Momente Allgemeines, Besonderes und Einzelnes aufeinander bezogen werden. Zur Dreiheit bemerkte Schelling:

„In der neuesten Zeit, nachdem durch die Philosophie eine Dreiheit von Begriffen, gleichsam als notwendiger 'l'ypus der Vernunft, eingeführt worden [ist], sind philosophische Deduktionen der Dreieinigkeitslehre, fast könnte man sagen, Mode geworden.“[1]

Die von Peirce entwickelte Semiotik basiert auf der Triade von Objekt, Zeichen und Interpretant. Nach Peirce erfolgt das Denken ausschließlich in Zeichen, die zwischen dem Subjekt und dem Objekt vermitteln. Jedes Zeichen verfügt über die Grundkategorien Erstheit (Individualität an sich; Fühlen), Zweitheit (Differenz in Raum und Zeit; Wollen) sowie Drittheit (Relation zu einem Anderen; Denken). Auf dieser Grundlage entwickelte Peirce eine Zeichentheorie, die wieder von einer Struktur in Trichotomien ausging. Analog strukturierte Peirce auch den Wissenschaftsprozess in den Dreischritt von Abduktion, Deduktion und Induktion.

Eine systematische Dreiteilung findet man auch in der Drei-Welten-Lehre.

  1. Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling: Philosophie der Offenbarung, 1. Band, Nachdruck der Ausgabe von 1858, Darmstadt 1990, S. 314