Triolett

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Triolett (französisch triolet) ist in der Verslehre eine Gedichtform französischen Ursprungs. Sie ähnelt dem Rondeau (die entsprechende musikalische Form wird auch als rondeau simple bezeichnet) und dem Rondel.

Das Triolett besteht aus acht Versen mit je acht oder neun Silben, wobei der erste Vers identisch oder leicht abgeändert als vierte und siebente Zeile wiederkehrt, der zweite Vers wiederholt sich dann in der achten Schlusszeile. Das Reimschema ist also:

ABaAabAB

Dabei sind A und B die wiederholten Verse und a bzw. b mit A bzw. B reimende Verse. Gelegentlich ist das Reimschema auch ABbAabAB. Manchmal wird das Triolett auch als Strophenform verwendet.

Die Schwierigkeit besteht vor allem darin, trotz der Wiederholungen und nur zweier verfügbarer Reime den Eindruck des Konstruierten zu vermeiden. Als Beispiel das Gedicht Der erste Mai von Friedrich von Hagedorn[1]:

Der erste Tag im Monat Mai
Ist mir der glücklichste von allen.
Dich sah ich, und gestand dir frei,
Den ersten Tag im Monat Mai,
Daß dir mein Herz ergeben sei.
Wenn mein Geständniß dir gefallen,
So ist der erste Tag im Mai
Für mich der glücklichste von allen.

A
B
a
A
a
b
A
B

Das Triolett erscheint in Frankreich als Liedform im 13. Jahrhundert bei Adenet le Roi (Cléomades), Eustache Deschamps und Jean Froissart (von ihm stammt die Bezeichnung rondel sangle, also rondel simple, „einfaches rondel“). Das Triolett gilt heute als die Urform der verschiedenen Formen des Rondeaus, wird später von diesen abgelöst, verschwindet gegen Ende des 16. Jahrhunderts und erscheint dann wieder ab dem 17. Jahrhundert bei Vincent Voiture und La Fontaine. Im 19. Jahrhundert wurde die Form von Théodore de Banville wiederbelebt[2] und von Arthur Rimbaud, Stéphane Mallarmé, Maurice Rollinat und Alphonse Daudet übernommen. Als französisches Beispiel von Banville das Gedicht À Philis[3]:

Si j'étais le Zéphyr ailé,
J'irais mourir sur votre bouche.
Ces voiles, j'en aurais la clé
Si j'étais le Zéphyr ailé.
Près des seins pour qui je brûlai
Je me glisserais dans la couche.
Si j'étais le Zéphyr ailé,
J'irais mourir sur votre bouche.

In der englischen Literatur finden sich Beispiele bei Henry Austin Dobson, Edmund Gosse,[4] Robert Bridges und William Ernest Henley.

In der deutschen Literatur waren Trioletts vor allem in der Anakreontik, der Goethezeit und der Romantik beliebt. Verfasser sind neben Hagedorn Gleim, Goethe, Schlegel, Rückert, Platen, Chamisso und Geibel.

Im 20. Jahrhundert wurde die Form zunächst selten, dann aber mit dem Erscheinen des New Formalism in den USA wieder beliebter. Trioletts finden sich hier in den Gedichten von Sandra McPherson, Wendy Cope, A. E. Stallings und vor allem bei Marilyn Nelson (Triolets for Triolet) in nahezu epischer Form.

Literatur[Bearbeiten]

  • A. Preminger, C. Scott, J. Kane: Triolet. In: Roland Greene, Stephen Cushman et al. (Hrsg.): The Princeton Encyclopedia of Poetry and Poetics. 4. Auflage. Princeton University Press, Princeton 2012, ISBN 978-0-691-13334-8, S. 1460 f.
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Kröner, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-520-84601-3, S. 850.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Friedrich von Hagedorn: Sämmtliche poetische Werke. Leipzig o.J, S. 296 f., online.
  2. Banville: Petit traité de poésie française. 1872.
  3. Théodore de Banville: Les Cariatides. 1842.
  4. Edmund Gosse: A Plea for Certain Exotic Forms of Verse. In: Cornhill Magazine 36 (1877).