Jean Froissart

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Jean Froissart (* um 1337 in Valenciennes; † um 1405 vermutlich in Chimay/Belgien) war ein französischsprachiger Dichter und Chronist. Sein Hauptwerk ist eine umfangreiche Chronik der ersten Hälfte des Hundertjährigen Krieges (1337–1453) zwischen den Kronen Englands und Frankreich.

Leben und Schaffen[Bearbeiten]

Froissart wuchs auf im heute belgischen Hennegau (Hainaut). Er fand Anschluss an Philippa von Hennegau, die Gemahlin von König Edward III. von England, und ging 1361 zu ihr an den Londoner Königshof. Hier verfasste er höfische Lyrik und andere Versdichtungen im Stile Guillaumes de Machaut. In London begann er auch, sich als Chronist der jüngsten Vergangenheit zu betätigen. Eine erste Chronik, die die Kriegstaten der Engländer feierte und Philippa gewidmet war, ist jedoch nicht erhalten.

Place Froissart, Chimay (Belgien).

Waren Chronisten bis dahin in der Regel Personen, die an dem von ihnen geschilderten Geschehen selbst beteiligt gewesen waren und dieses aus ihrer Sicht rückblickend darstellten, so entwickelte Froissart die neuartige Methode, sich historische Ereignisse von verschiedenen Zeugen berichten zu lassen und aus den unterschiedlichen Perspektiven ein quasi objektives Bild zusammenzusetzen. Um Informationen zu gewinnen, nutzte er nicht nur seine lokalen (zum Beispiel anfangs meist Londoner) Bekanntschaften, sondern unternahm auch Reisen in England, Frankreich und den Niederlanden zu potenziellen Augenzeugen.

Das Bild des Hundertjährigen Krieges, das er entwirft, ist allerdings in erster Linie das von ruhmsüchtigen Fürsten und Rittern, die sich eindrucksvolle Kämpfe und Schlachten liefern. Hierbei sympathisiert Froissart anfangs eher mit den Engländern. Später werden ihm zumindest ansatzweise auch die Leiden des Volkes in Frankreich bewusst sowie die Tatsache, dass die englischen Feldzüge auf französischem Boden Raubzüge waren, bei denen englische Könige und Heerführer die Schwäche ausnutzten, in die Frankreich nach 1314 durch eine Serie rascher Thronwechsel verfiel.

1368 begleitete Froissart einen Sohn Philippas zu dessen Hochzeit nach Mailand. Als er auf der Rückreise 1369 vom Tod seiner Gönnerin erfuhr, kehrte er nicht nach England zurück, sondern ließ sich im Hennegau nieder, wo er nacheinander von mehreren neuen hochstehenden Mäzenen gefördert wurde, darunter vor allem Wenzel I. von Luxemburg, Herzog von Brabant.

Um 1370 begann er mit der Arbeit an seinen vierteiligen Chroniques de France, d'Angleterre, d'Ecosse, de Bretagne, de Gascogne, de Flandre et lieux circonvoisins (Chroniken Frankreichs, Englands, Schottlands, der Bretagne, der Gascogne, Flanderns und der benachbarten Örtlichkeiten), an denen er bis fast an sein Lebensende unermüdlich schrieb und die im 15. Jahrhundert eine so beachtliche Verbreitung erfuhren, dass sich mehr als 100, zum Teil reich illustrierte, Manuskripte erhalten haben.

Nebenher schuf Froissart auch noch andere Werke. So stellte er 1383 den Meliador fertig, den letzten in Versen verfassten Ritterroman in französischer Sprache, in den auch Gedichte Herzog Wenzels eingestreut sind, der im selben Jahr verstorben war.

Nach Wenzels Tod 1383 trat er in die Dienste des Grafen Guy de Blois. Dieser versorgte ihn mit einer einträglichen Pfründe und finanzierte ihm 1388 eine Reise zu Graf Gaston III. von Foix-Béarn, nahe der spanischen Grenze. Froissart hoffte, an Gastons Hof Informationen für den spanischen Teil seiner Chroniques zu erhalten.

Später, nachdem er sich mit Guy überworfen hatte, fand er zunächst in Enguerrand VII. de Coucy und dann in Philipp dem Kühnen, Herzog von Burgund, neue Gönner. Nach weiteren Reisen besuchte er 1395 auch nochmals London, verließ es aber bald enttäuscht.

Er beendete sein Leben in Chimay als Kanonikus.

Zitate[Bearbeiten]

  • „Nichts auf der Welt ist so gewiss wie der Tod.“

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Ainsworth: Froissart, Jean. In: Graeme Dunphy (Hrsg.): Encyclopedia of the Medieval Chronicle. Brill, Leiden 2010, ISBN 978-90-04-18464-0, S. 642–645.
  • Godfried Croenen: Froissart illustration cycles. In: Graeme Dunphy (Hrsg.): Encyclopedia of the Medieval Chronicle. Brill, Leiden 2010, ISBN 978-90-04-18464-0, S. 645–650.
  • Peter F. Ainsworth: Jean Froissart and the fabric of history. Truth, myth and fiction in the "Chroniques", Oxford 1990, ISBN 0-19-815864-5.
  • Julia Bastin: Froissart. Chroniqueur, romancier et poète, 2. Auflage, Brüssel 1948.
  • Jean Alexandre C. Buchon (Hrsg.): Les chroniques de Sire Jean Froissart. Qui traitent des merveilleuses emprises, nobles aventures et faits d'armes advenus en son temps en France, 3 Bände, Paris 1835-1837.
  • Nicole Chareyron: Jean le Bel. Le maître de Froissart, grand imagier de la Guerre de Cent Ans, (Bibliothèque du Moyen Age, Bd. 7), Brüssel 1996, ISBN 2-8041-2116-X.
  • Laurence DeLooze: Pseudo-autobiography in the fourteenth century. Juan Ruiz, Guillaume de Machaut, Jean Froissart and Geoffrey Chaucer, Gainesville 1997, ISBN 0-8130-1507-3.
  • Peter F. Dembowski: Jean Froissart and his Meliador. Context, craft and sense, (Edward C. Armstrong monographs on medieval literature, Bd. 2), Lexington 1983.
  • Peter F. Dembowski (Hrsg.): Le paradis d'amour. L'orloge amoureus de Jean Froissart, (Textes littéraires français, Bd. 339), Genf 1986.
  • Kristen Mossler Figg: The short lyric poems of Jean Froissart. Fixed forms and the expression of the courtly ideal, (Garland studies in medieval literature, Bd. 10), New York, London 1994, ISBN 0-8153-1351-9.

Weblinks[Bearbeiten]