August von Platen-Hallermünde

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August Graf von Platen-Hallermünde
Platens Geburtshaus in Ansbach
August von Platen als Kadett
August Graf von Platen-Hallermünde, 1827
August Graf von Platen

Karl August Georg Maximilian Graf von Platen-Hallermund (* 24. Oktober 1796 in Ansbach, Ansbach-Bayreuth; † 5. Dezember 1835 in Syrakus, Königreich beider Sizilien) war ein deutscher Dichter. Oft wird er August Graf von Platen oder schlicht Graf Platen genannt.

Eltern[Bearbeiten]

Von Platen entstammt dem Rügener Zweig der Grafen von Platen. Sein Vater August Philipp von Platen (* 22. Juni 1748; † 8 Juni 1831) war Leutnant in hannöverschen Diensten, als er bei einem England-Aufenthalt den Markgrafen Alexander von Ansbach kennenlernte. Dieser holte ihn als Oberforstmeister nach Ansbach. Dort heiratete er Friederike Luise von Reitzenstein (* 8. März 1751; † 2. Mai 1815), die Tochter des Oberstallmeisters Ehrenreich von Reizenstein. Er hatte mit ihr sechs Kinder, das Paar ließ sich aber 1792 scheiden. So heiratete er 1795 die Tochter des preußischen Wirklichen Geheimrats und Ansbacher Oberhofmarschalls Eichler von Auritz, Louise Friederike Eichler von Auritz (* 19. November 1765; † 20. Mai 1842).

Leben[Bearbeiten]

Vorübergehend lebte er mit den Eltern etwa ein Jahr in Schwabach, verbrachte aber den Großteil seiner Kindheit in Ansbach. Mit nicht ganz zehn Jahren wurde er 1806 Zögling des Münchener Kadettenhauses. Nach vier Jahren wechselte er auf die Königliche Pagerie. Hier interessierte er sich insbesondere für Fremdsprachen und Geschichte und schrieb erste Verse. 1813 meldete er sich zum Militärdienst und trat 1814 ins Erste Infanterie-Regiment ein. Zu dieser Zeit wurde er sich seiner Homosexualität bewusst, die für sein späteres dichterisches Werk große Bedeutung hatte, äußerte aber auch zeitweilig Gefühle für eine junge Französin, die Tochter einer Emigrantin. In dieser Phase entstanden patriotische Verse. 1814/1815 nahm er am Frankreichfeldzug gegen Napoleon teil. Ab 1814 beschäftigten ihn Suizidgedanken, die ihn sein Leben lang begleiteten. Vorübergehend dachte er daran, nach Amerika auszuwandern. In diesen Jahren begann er auch, sich für Botanik zu interessieren.

Im Frühjahr 1818 erhielt er ein königliches Stipendium und wurde für ein Studium der Rechtswissenschaften in Würzburg auf drei Jahre vom Militärdienst beurlaubt. Hier beschäftigte er sich neben Jura mit Philosophie und Botanik. Seine Leidenschaft für einen Kommilitonen blieb unerwidert; ihm widmete er einige Gedichte, vornehmlich Sonette.

Im Oktober 1819 wechselte er an die Universität Erlangen, gab sein bisheriges Studienfach auf und widmete sich stattdessen der Poesie. In Erlangen erinnern das noch erhaltene Platenhäuschen am Burgberg sowie eine Gedenktafel an seinem Wohnhaus (Marktplatz 4) an ihn. Er wandte sich der persischen Sprache und Literatur zu und veröffentlichte 1821 Ghaselen und 1823 Neue Ghaselen (siehe Ghasel). Seine erste Reise nach Venedig fand im Herbst 1824 statt. Dort entstanden ein Jahr später die Sonette aus Venedig. In seinen sieben Erlanger Jahren wechselten sich mehrmals Zuneigungen zu Mitstudenten ab. Diese Zeit gilt als die dichterisch fruchtbarste Periode in seinem Leben.

Denkmal Graf von Platen in Ansbach, Schlossplatz
Wilhelm v. Gloeden: Grabmal August v. Platen
Via Augusto von Platen in Syrakus (Straßenschild)

Im Sommer 1826 erhielt Platen von der Militärbehörde die Erlaubnis zu einem zweijährigen Studienaufenthalt in Italien. Im Jahr 1828 machte Heinrich Heine, in der Platen-Affäre, Platens Homosexualität in den letzten beiden Kapiteln seiner Bäder von Lucca öffentlich. Ausgelöst wurde dieser persönliche Angriff Heines – und daraus resultierend eine lebenslange Fehde zwischen den Dichtern – durch Platen, der Heine wegen dessen jüdischer Herkunft verunglimpft hatte.[1] Platens Angriff gegen Heine waren wiederum kritische Verse von Karl Immermann vorangegangen, die Heine zustimmend in seinem Reisebild Die Nordsee (1827) publiziert hatte. Heine hatte sich von der Romantik abgewandt und sich ironisch mit den Dichtern spätromantischer Genres auseinandergesetzt, was Platen – der sich durch die wachsende Popularität Heines in seinem literarischen Einfluss zurückgedrängt sah – auf sich bezog.[2] Platen kehrte nicht mehr aus seinem italienischen Exil zurück.

Platen bringt seine Empfindungen in dem Sonett Es sehnt sich ewig dieser Geist ins Weite zum Ausdruck.

Es sehnt sich ewig dieser Geist ins Weite,
Und möchte fürder, immer fürder streben:
Nie könnt ich lang an einer Scholle kleben,
Und hätt ein Eden ich an jeder Seite.

Mein Geist, bewegt von innerlichem Streite,
Empfand so sehr in diesem kurzen Leben,
Wie leicht es ist, die Heimat aufzugeben,
Allein wie schwer, zu finden eine zweite.

Doch wer aus voller Seele haßt das Schlechte,
Auch aus der Heimat wird es ihn verjagen,
Wenn dort verehrt es wird vom Volk der Knechte.

Weit klüger ist’s, dem Vaterland entsagen,
Als unter einem kindischen Geschlechte
Das Joch des blinden Pöbelhasses tragen.

[3]

In der Folgezeit wechselte er mehrmals seinen Wohnsitz zwischen Rom und Neapel. Er schrieb Gedichte und führte ein bescheidenes Leben. Er machte unter anderem die Bekanntschaft von Giacomo Leopardi; auch zum evangelischen Theologen Gustav Gündel entwickelte sich ein enges Verhältnis. Meist war er jedoch einsam und unzufrieden. Bis auf zwei kurze Besuche sah er seine Heimat nicht mehr wieder. 1835 floh er vor der Cholera von Neapel nach Palermo und dann weiter nach Syrakus, wo er den Winter verbringen wollte, um Geschichtsstudien zu betreiben. Dort erlitt er, alkoholkrank, eine Kolik und starb, 39 Jahre alt. Marchese Landolina ließ ihn im Garten seiner Villa bei Syrakus begraben, da es auf Sizilien keine protestantischen Friedhöfe gab.

Seine Büste wurde in der Ruhmeshalle in München aufgestellt. Nach ihm ist das Platen-Gymnasium in seiner Geburtsstadt benannt.

Werke[Bearbeiten]

Platens Handschrift (Brief aus Rom vom 2. Dezember 1826)

Platen ist vor allem als Lyriker, als Meister des Sonetts und der Ghasel, von Bedeutung.

Lyrik[Bearbeiten]

Dramen[Bearbeiten]

Illustration zu Der gläserne Pantoffel.
Gesammelte Werke, dritter Band. 1853.

Balladen[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Tristan, Lied (1825)
  • Geschichten des Königreichs Neapel von 1414 bis 1443 (1833)
  • Die Abassiden (1834)
  • Die Tagebücher des Grafen August von Platen (1896/1900)
  • Die Tagebücher des Grafen August von Platen, 1796-1825. Digitalisat

Werkausgaben[Bearbeiten]

  • Max Koch und Erich Petzet (Hrsg.): August Graf v. Platens sämtliche Werke in 12 Bänden. Historisch-kritische Ausgabe mit Einschluss des handschriftlichen Nachlasses. Hesse, Leipzig ohne Jahr [1910].
  • G. A. Wolff und V. Schweizer (Hrsg.): Platens Werke. Kritisch durchgesehene und erläuterte Ausgabe. 2 Bände. Bibliographisches Institut, Leipzig und Wien o. J.
  • August von Platen: Die verhängnißvolle Gabel. Der romantische Oedipus. Neudruck der Erstausgaben. Mit Karl Immermanns „Der im Irrgarten der Metrik umhertaumelnde Cavalier“. Hrsg. v. Irmgard und Horst Denkler. Reclam, Stuttgart 1979 (Reclams Universal-Bibliothek 118).
  • Kurt Wölfel und Jürgen Link (Hrsg.): August von Platen. Werke in zwei Bänden. Band I: Lyrik. Winkler, München 1982 (Winkler Weltliteratur, Band II nicht erschienen).

Neuauflagen[Bearbeiten]

  • Sonette aus Venedig. Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Ulrich Klappstein. Mit 13 Fotografien von Hans-Joachim Polleichtner. hohesufer.com, Hannover 2012. ISBN 978-3-941513-26-6.

Literatur[Bearbeiten]

  • Robert Aldrich: The seduction of the Mediterranean. Writing, art and homosexual fantasy. Routledge, London und New York 1993, S. 57–68.
  • Hartmut Bobzin, Gunnar Och (Hgg.): August Graf von Platen. Leben, Werk, Wirkung. Schöningh, Paderborn u.a. 1998, ISBN 3-506-76184-6.
  • Thomas Borgstedt: Der Ruf der Gondoliere. Genretheorie, Formpoetik und die Sonette August von Platens. In: Steffen Martus, Stefan Scherer und Claudia Stockinger (Hrsg.): Lyrik im 19. Jahrhundert. Gattungspoetik als Reflexionsmedium der Kultur. (= Publikationen der Zeitschrift für Germanistik, Band 11). Lang, Bern u.a. 2005, ISBN 3-03910-608-2, S. 295–325.
  • Peter Bumm: August Graf von Platen. Eine Biographie. 2. Auflage, unveränd. Nachdr. der 1. Aufl. von 1990. Schöningh, Paderborn u.a. 1996, ISBN 3-506-71815-0.
  • Frank Busch: August Graf von Platen – Thomas Mann: Zeichen und Gefühle. Fink, München 1987 (= Literatur und Gesellschaft, Band 12). (Online)
  • Ludwig Frey: Aus dem Seelenleben des Grafen Platen. In: Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen. Band I, 1899, S. 159–214, und Band VI, 1904, S. 357–447.
  • Wilfried Heuss: Platens dramatisches Werk. Priebatsch, Breslau 1935. (= Sprache und Kultur der germanischen und romanischen Völker; Reihe B, Germanistische Reihe; Band 17)
  • Dirk Jürgens: Das Leben als Leid. Zur Modernität von August von Platens reflexiver Poesie, dargestellt am Beispiel der „Neuen Ghaselen“ In: Immermann-Jahrbuch. Band 6, 2005, S. 97–118.
  • Jürgen Link: Artistische Form und ästhetischer Sinn in Platens Lyrik. Fink, München 1971. (= Bochumer Arbeiten zur Sprach- und Literaturwissenschaft, Band 5)
  • Hans Mayer: Der Streit zwischen Heine und Platen. In: Hans Mayer: Außenseiter. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1975, ISBN 3-518-03624-6, S. 207–223.
  • Gunnar Och (Hrsg.): „Was er wünscht, das ist ihm nie geworden“. August Graf von Platen 1796–1835. Eine Ausstellung im 200 Geburtsjahr des Dichters. Katalog. Universitätsbibliothek, Erlangen 1996, ISBN 3-930357-11-9.
  • Gunnar Och, Klaus Kempf (Hgg.): August Graf von Platen im Horizont seiner Wirkungsgeschichte. Ein deutsch-italienisches Kolloquium. De Gruyter, Berlin 2011, ISBN 978-3-11-026348-0.
  • Andrea Polaschegg: Unwesentliche Formen? Die Ghasel-Dichtungen August von Platens und Friedrich Rückerts. Orientalisierende Lyrik und hermeneutische Poetik. In: Steffen Martus, Stefan Scherer und Claudia Stockinger (Hrsg.): Lyrik im 19. Jahrhundert. Gattungspoetik als Reflexionsmedium der Kultur. (= Publikationen der Zeitschrift für Germanistik, Band 11). Lang, Bern u. a. 2005, ISBN 3-03910-608-2, S. 271–294.
  • Wolfgang Popp: Platens „Konradin“. Ein literaturhistorischer Stoff und seine Bedeutung für das Liebeskonzept des Dichters. In: Forum Homosexualität und Literatur. Band 30, 1997, S. 9–35.
  • Helmut Prang: August Graf von Platen-Hallermünde (1796–1835). In: Jahrbuch des Historischen Vereins für Mittelfranken. Band 24, 1967/68, S. 162–169.
  • Fritz Redenbacher: Platen-Bibliographie. 3., überarb. und erw. Auflage, Olms, Hildesheim u.a. 2001, ISBN 3-487-11348-1.
  • Beate Gresser (Hrsg.) Platen-Bibliographie Supplement. Im Auftrag der Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg. Online-Publikation (Linktext; PDF; 362 kB)
  • Rudolf Schlösser: August Graf von Platen. Ein Bild seines geistigen Entwicklungsganges und seines dichterischen Schaffens. 2 Bände, Piper, München 1910–1913.
  • Theodor Schultz: Platens Venedig-Erlebnis. (= Germanische Studien, Band 227.) Ebering, Berlin 1940.
  • Muhammad Zouheir Sharaf: August von Platen und die arabische Welt. Grundzüge und Kontext seiner Rezeption arabischer Literatur. dissertation.de, Berlin 2003. (= Dissertation – Classic, Band 716), ISBN 3-89825-616-2.
  • Pino Di Silvestro: August von Platen. Morire a Siracusa. Sellerio, Palermo 1987.
  • Hans Lorenz Stoltenberg: Platens Oden und Festgesänge. Werk-Verlag, Erlangen 1929.
  • Hans-Joachim Teuchert: August Graf von Platen in Deutschland. Zur Rezeption eines umstrittenen Autors. (= Abhandlungen zur Kunst-, Musik- und Literaturwissenschaft, Band 284). Bouvier, Bonn 1980, ISBN 3-416-01465-0.
  • Kurt Wölfel: Platens Stigma. In: Andreas Gößling und Stefan Nienhaus (Hrsg.): Critica poeticae. Lesarten zur deutschen Literatur. Hans Geulen zum 60. Geburtstag. Königshausen und Neumann, Würzburg 1992, ISBN 3-88479-738-7, S. 187–204.
  • Max Koch: Platen-Hallermünde, August Graf v.. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 26, Duncker & Humblot, Leipzig 1888, S. 244–249.
  • Gunnar Och: Platen-Hallermund, August Graf v.. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 20, Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-00201-6, S. 510 f. (Digitalisat).

Vertonungen[Bearbeiten]

Friedemann Holst-Solbach (2012): Teures Wesen. Komposition zu sieben Sonetten - „Bekennende Sonette“ - geschrieben 1826, für Alt- und Tenorsoli und einen kleinen Chor sowie für eine Kammerorchesterbesetzung. (Klavierauszug mit CD: ISMN 9-790-500750147; Partitur mit CD: ISMN 9-790-500750130; Einzelstimmen: ISMN 9-790-500750154)

Weblinks[Bearbeiten]

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 Wikisource: August Graf von Platen – Quellen und Volltexte
 Commons: August von Platen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. sorrento.de: Biografie, August Graf von Platen
  2. Stefan Neuhaus, Johann Holzner: Literatur als Skandal: Fälle – Funktionen – Folgen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2009, ISBN 978-3-525-20855-7. (google.books)
  3. Freiburger Anthologie, aufgerufen am 16. Juni 2007