Ulmer Spatz
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Der Ulmer Spatz ist ein Wahrzeichen Ulms.
Der Sage nach sollen die Ulmer beim Bau des Münsters einen besonders großen Balken angekarrt haben. Sie schafften es aber nicht, ihn durch das Stadttor zu bringen. Als sie kurz davor waren, das Tor einzureißen, sahen sie einen Spatzen, der einen Zweig im Schnabel trug, um diesen in sein Nest einzubauen. Und dieser Spatz flog mit dem Zweig längs durch das Tor. Da ging dann wohl auch den Ulmern ein Licht auf, und sie legten den Balken der Länge nach auf ihren Karren und nicht quer, wie bisher.
Diese Sage ist nicht vor dem zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts nachweisbar.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Die Geschichte vom Ulmer Spatz
|
|
|
[Bearbeiten] Entstehung der Sage
Der „Spatz“ auf dem Hauptschiff des Ulmer Münsters trägt tatsächlich einen Strohhalm in seinem Schnabel. Es handelt sich jedoch hier eigentlich um eine von reichen Ulmer Bürgern gespendete Taube (mit einem Ölzweig im Schnabel, vgl. die Biblische Geschichte von der Arche Noah). Die Taube ist etwas klein geraten. Von Ferne kann man nicht sehen, dass es sich überhaupt um eine Taube handeln soll. Auch der Ölzweig ist nur zu erkennen, wenn man den Turm des Münsters besteigt. Daraus ist - so eine gängige und durchaus glaubwürdige Theorie - die Geschichte vom Ulmer Spatz entstanden: Aus der viel zu klein geratenen Taube auf dem großen Münster wurde spöttisch ein Spatz. Im Laufe der Zeit entstand dann die Geschichte dazu, warum wohl die Ulmer einem Spatz auf ihrem Münster ein Denkmal gesetzt haben.
[Bearbeiten] „Ulmer Spatz(en)“ bezeichnet weiterhin: (Auswahl)
- Ein Gebäck, welches aus einem Teig-Knoten besteht, der mit Lauge überzogen ist, also einer Brezel sehr ähnlich ist.
- Ein Markenzeichen für Produkte zur Herstellung von Brot- und Brötchenspezialitäten [1].
- Einen Schienenbus, der am Wochenende von Ulm aus über die Donautalbahn und Schwäbische Albbahn auf die Schwäbische Alb fährt.
- Ein restauriertes Nostalgie-Fahrgastschiff, welches Schiffsrundfahrten auf der „Oberen Donau“ unternimmt.
- Ein Kinder- und Jugendchor, der sich nach diesem Spatz als „Ulmer Spatzen“ nennt.
- „Ulmer Spatz“ ist schließlich ganz allgemein zu einer Art Spitznamen für die Einwohner von Ulm und für die Fußballer des SSV Ulm 1846 geworden.
[Bearbeiten] Trivia
Der „Ulmer Spatz“ wurde unter Münsterbaumeister Ferdinand Thrän aus Sandstein gefertigt und 1858 auf dem Langhaus des Münsters angebracht. Dieser wurde 1888 abgenommen und 1889 durch einen kupfernen und vergoldeten Spatzen ersetzt. Das Original von 1858 befindet sich heute im Ulmer Münster unweit des Eingangs an der Südwand in einer Vitrine.
2001 wurde zur Erhaltung eines Münsterturmes (Südturm) eine Aktion gestartet, die „Spatzeninvasion“ genannt wurde. Die Spatzenrohlinge wurden von Künstlern und anderen gestaltet und überall in der Stadt aufgestellt. Am Ende der Aktion wurden einige Spatzen versteigert. Andere blieben Eigentum der Auftraggeber und Spender. Wenn man aufmerksam durch Ulm läuft, wird man an einigen Plätzen noch Reste der Ulmer Spatzeninvasion finden können (z.B.: an der Musikschule, an der Gaststätte/Hotel „Ulmer Spatz“ nahe dem Münster, an einem Juwelier- und an einem Modegeschäft).
Populär bei Ulmern ist der „Schlachtruf“ - etwa zum Anfeuern einer heimischen Mannschaft -: „Ulmer Spatza, Wasserratza, hoi, hoi, hoi !“ . Dies jedoch vor allem am Ulmer Stadtfeiertag Schwörmontag, ein Fest, das sich zu einem großen Teil auf und im Wasser der Donau abspielt.

