Venedig in Wien
Der Vergnügungspark Venedig in Wien war einer der ersten Themenparks der Welt. Er wurde am 18. Mai 1895 im Wiener Prater eröffnet.
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Geschichte [Bearbeiten]
Unterstützt vom Schriftsteller und Journalisten Ignaz Schnitzer (1839–1921), errichtete der Unternehmer Gabor Steiner (1858–1944) gemeinsam mit dem Architekten Oskar Marmorek (1863–1909) auf dem Gelände der heutigen Kaiserwiese eine 5000 m² (andere Quellen nennen 8000 m²) große bauliche Anmutung Venedigs. Die ganze Anlage war um drei große Plätze (campi) gruppiert, die jeweils von verschiedenen nachgebauten historischen Palazzi umsäumt wurden. Ausserhalb dieser Bauten wurden die drei Plätze von einem künstlichen Wasserlauf umspült, der an mehreren Stellen beiderseits von Häusern begrenzt wurde. Der etwa 1 km lange Kanal wies eine Mindestbreite von fünf Metern auf sowie ein schwaches Gefälle, um Fließwasser zu erzielen. Zwei große Bassins, Erweiterungen des Kanals, dienten zum Ein- und Aussteigen sowie zur Aufnahme des dadurch bedingten größeren Gondelverkehrs.[1] Die auf dem Kanal angebotenen Bootsfahrten fanden in original venezianischen Gondeln statt, die von echten venezianischen Gondolieri Bootsfahrten bewegt wurden.
Außerhalb der drei Plätze und des Kanalareals befanden sich unter anderem ein Pavillon, der als Restaurant diente, ein Café mit Terrasse, ein plastisches Panorama und ein Marionettentheater.[1]
Das Projekt war ein Riesenerfolg, das Menschen aller Schichten in Massen anzog. „Wir gehen heute Abend nach Venedig!“ war ein Spruch jener Zeit.
Jährlich zur Sommersaison wurde der Park um neue Attraktionen erweitert. So kam etwa 1897 das heutige Wahrzeichen des Praters, das Riesenrad, hinzu. Dazu verpachtete Gabor Steiner ein Grundstück, auf dem man bis dahin im „Turm von Murano“ die Glasbläser beobachten konnte, an Walter B. Basset of Watermouth, und dank der guten Kontakte, die Gabor Steiner aufgrund des Erfolges seines Venedig-Nachbaus zu Mitgliedern der Wiener Prominenz hatte knüpfen können, wurde schließlich nach anfänglichen Schwierigkeiten die Baugenehmigung erteilt.
1894 hatte Ignaz Schnitzer die Idee, zum fünfzigsten Regierungsjubiläum von Kaiser Franz Joseph I. 1898 ein Rundgemälde mit dem Titel „Kaiser Franz Joseph und seine Zeit“ in Auftrag zu geben. Ausgeführt wurde es vom Historienmaler Philipp Fleischer, ausgestellt wurde es in der Ausstellungsstraße 143 in einem eigens dafür von Oskar Marmorek entworfenen Rundbau.[2][3][4]
(Operetten-)Komponisten wie Carl Michael Ziehrer, Franz Lehár, Josef Hellmesberger jr., Karl Komzák[5][6], Edmund Eysler, Oscar Straus, Richard Heuberger, Oskar Nedbal, Carl Wilhelm Drescher[7] u. a. feierten hier Erfolge. Bekannte Sänger und Schauspieler wie Fritzi Massary, Mizzi Zwerenz, Annie Dirkens, Ludwig Gottsleben und Richard Waldemar traten in dem Park auf.
Trotz der jährlich neuen Attraktionen ließ die Begeisterung der Wiener bereits nach fünf Jahren nach, so dass das künstliche Venedig nur etwa sechs Jahre bestand. 1901 wurde aus „Venedig in Wien“ die „Internationale Stadt“, danach die „Blumenstadt“[5], ab 2. Mai 1903 die „Elektrische Stadt“[7].
Nach der Errichtung von Venedig in Wien wurde 1896 bis 1898 von Carl Caufal (1861–1929)[8] für die Praterstraße 70 auch der sogenannte Dogenhof nach dem Vorbild des Ca’ d’Oro in Venedig entworfen und erbaut.
Die alten Bauten von „Venedig in Wien“ und ihre sämtlichen Nachkommen bis zum Jahre 1914 wurden erst im Jänner 1916 demoliert. Bereits am 1. Juli 1916 wurde auf dem frei gewordenen Gelände (Kaisergarten)[9] die von Karl Witzmann (1883–1952) architektonisch geplante „Wiener Kriegsausstellung“ eröffnet.[10]
Abbildungen [Bearbeiten]
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Wasserrutschbahn (im Mai 1903 ersetzt durch die Olympia-Arena)[7]
Literatur [Bearbeiten]
- v. h.: „Venedig in Wien“. In: Wiener Bauindustrie-Zeitung, Jahrgang 1895, Nr. 35/1895 (XII. Jahrgang), S. 613 f. (Online bei ANNO).
- Venedig in Wien. In: Oesterreichische Illustrirte Zeitung, Jahrgang 1895, Nr. 25–26/1895, S. 5–8. (Online bei ANNO).
- Norbert Rubey, Peter Schoenwald: Venedig in Wien. Theater- und Vergnügungsstadt der Jahrhundertwende. Ueberreuter, Wien 1996, ISBN 3-8000-3542-1.
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ a b v. h.: „Venedig in Wien“.
- ↑ Wiener Rundgemälde-Gesellschaft. Das Kaiser-Jubiläums-Bild. Nach den Grundmotiven und Angaben des J. Schnitzer entworfen und gemalt von Prof. E. Ph. Fleischer. Verlag Wr. Rundgemälde-Gesellschaft, Wien 1898.
- ↑ Artikel in: Neue Freie Presse, 19. April 1898, S. 5 (Online bei ANNO)
- ↑ [Das Kaiser-Jubiläumsbild.]. In: Neue Freie Presse, 12. Mai 1898, S. 5 (Online bei ANNO)
- ↑ a b (Annonce): Die Blumenstadt „Venedig“ (…) Grosses Wiener Fest. (…) II. Concert des Riesenorchesters (…). In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 13664/1902, 7. September 1902, S. 19, Mitte unten. (Online bei ANNO).
- ↑ Theater und Kunst. (…) „Venedig in Wien“. Meister Komzak als Dirigent des Riesenorchesters (…). In: Montags-Zeitung, Nr. 1198/1902 (XXIX. Jahrgang), 8. September 1902, S. 2, Mitte rechts. (Online bei ANNO).
- ↑ a b c Wieder-Eröffnung von „Venedig“. (Die elektrische Stadt). In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 13888/1903, 26. April 1903, S. 11, Mitte rechts. (Online bei ANNO).
- ↑ Carl Caufal. In: Architektenlexikon Wien 1770–1945. Herausgegeben vom Architekturzentrum Wien. Wien 2007.
- ↑ Die Eröffnung der Kriegsausstellung im Kaisergarten. In: Neue Freie Presse, Abendblatt, Nr. 18627/1916, 1. Juli 1916, S. 3, Mitte oben. (Online bei ANNO).
- ↑ Die Wiener Kriegsausstellung. (Erbaut von Architekt Professor Karl Witzmann). In: Der Architekt, Jahrgang 1916, S. 123–128 (Hauptteil). (Online bei ANNO).
Weblinks [Bearbeiten]
- Private Homepage zur Stadtgeschichte Leopoldstadt
- Attraktionen aus Anlass des Kaisergeburtstages 1898. — Siehe: Volksprater und „Venedig in Wien“. (…) In besonders festlicher Weise (…). In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, 19. August 1898, S. 7, Mitte links. (Online bei ANNO)