Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik

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VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V.
(VDE)
VDE logo.svg
Zweck: Technisch-wissenschaftlicher Verband
Vorsitz: Joachim Schneider
Gründungsdatum: 21. Januar 1893
Mitgliederzahl: etwa 36.000
Sitz: Frankfurt am Main
Website: www.vde.com
Prüfsiegel des VDE
VDE Stand auf der Hannover Messe 2012

Der VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. ist ein technisch-wissenschaftlicher Verband in Deutschland.

Verband[Bearbeiten]

Organisation[Bearbeiten]

Der VDE ist der Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik, ihrer Wissenschaften, der darauf aufbauenden Technologien und Anwendungen. Der VDE engagiert sich für ein besseres Innovationsklima, Sicherheitsstandards, für eine moderne Ingenieurausbildung und eine hohe Technikakzeptanz in der Bevölkerung. Der VDE vereint Wissenschaft, Normung und Produktprüfung. So sind die Sicherheit in der Elektrotechnik, die Erarbeitung anerkannter Regeln der Technik als nationale und internationale Normen, Prüfung und Zertifizierung von Geräten und Systemen VDE-Schwerpunkte. Das VDE Prüf- und Zertifizierungsinstitut mit Sitz in Offenbach gehört zu den unabhängigen Prüforganisationen für elektrotechnische Produkte. Von Waschmaschinen bis hin zu IT-Produkten werden hier vielfältigste Geräte geprüft. Weltweit tragen rund 200.000 Produkte das Siegel des VDE.

VDE-Tätigkeitsfelder sind der Technikwissenstransfer, die Forschungs- und Nachwuchsförderung der Schlüsseltechnologien Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik und ihrer Anwendungen. Seinen Mitgliedern bietet er Zugang zu Netzwerken, Wissenstransfer und Weiterbildung. Präsident des Verbandes ist Joachim Schneider. Kommunikation, Energie, Mobilität und Life Science sind zentrale Felder, die der VDE fördert.

Der VDE ist weltweit tätig und unterhält ein Netz von internationalen Kontakten und Partnerschaften. Auf technisch-wissenschaftlicher Ebene kooperiert der VDE mit anderen Verbänden und ist in Organisationen der Normung wie CENELEC, ETSI oder IEC vertreten. Der VDE kooperiert auch mit dem amerikanischen Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE). Bundesweit ist der VDE durch seine 29 Regional-/Bezirksvereine, den VDE-Landesvertretungen und 60 Hochschulgruppen präsent. Ein ehrenamtliches Präsidium, dem namhafte Vertreter der Technik aus Wissenschaft und Wirtschaft angehören, und ein hauptamtlicher Vorstand gestalten die Verbandspolitik. Sitz des VDE ist Frankfurt am Main. Repräsentanzen bestehen in Brüssel und Berlin.

Struktur[Bearbeiten]

Der VDE hat 1200 Mitarbeiter. Ihm gehören 36.000 Mitglieder, davon 1300 Unternehmen und 8000 Studenten an. Er gliedert sich in 29 Bezirksvereine / Landesvertretungen und unterhält fünf Fachgesellschaften.

Fachgesellschaften[Bearbeiten]

Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (FNN)[Bearbeiten]

Das Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (FNN) ist der zuständige Ausschuss für die Erarbeitung von VDE-Anwendungsregeln und technischen Hinweisen für den sicheren und zuverlässigen Betrieb der Übertragungs- und Verteilungsnetze.

Grundsätzliche systemtechnische Fragestellungen werden im Konsens mit den betroffenen Fachkreisen behandelt und praxisorientierte Lösungen entwickelt.

Das Forum Netztechnik/Netzbetrieb fördert als moderne, gemeinnützige Expertenplattform den Erfahrungsaustausch und trägt zur Weiterentwicklung von Netztechnik und Netzbetrieb sowie des Zähl- und Messwesens bei.

Tätigkeit[Bearbeiten]

Ziel des VDE ist es, durch die fünf Fachgesellschaften im Verbund mit den Bereichen Normung und Produktprüfung einen Wissenstransfer und Informationsaustausch zwischen Forschern, Entwicklern und Anwendern zu schaffen. Der VDE ist mit jährlich 1.800 Veranstaltungen und 67.000 Teilnehmern der größte Anbieter für Weiterbildung in der Elektro- und Informationstechnik. Der VDE engagiert sich für Zukunftstechnologien und vertritt die Interessen der darin tätigen Ingenieure, Wissenschaftler und Studierenden in der Politik und Öffentlichkeit. Der VDE unterstützt wissenschaftlichen Nachwuchs und technikinteressierte Jugendliche. Das VDE YoungNet fördert ca. 8.000 Studierende und 3.000 Young Professionals. Jedes Jahr vergibt der VDE Preise und Stipendien an begabte Studenten, Absolventen und junge Wissenschaftler (zum Beispiel den Hans-Pundt-Preis in Dresden) und führt Wettbewerbe wie z. B. Invent a Chip durch.

Als Gründungsmitglied der IEC setzt sich der VDE für international harmonisierte Standards ein. Die vom VDE getragene Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik im DIN und VDE ist die nationale Normungsorganisation auf diesem Gebiet. Im VDE Prüf- und Zertifizierungsinstituts in Offenbach werden von den 500 Mitarbeitern jährlich ca. 100.000 Produktprüfungen für 5.000 Kunden durchgeführt.

Durch die VDE Global Services GmbH ist der VDE in Asien vertreten, um dort Prüf- und Zertifizierungsleistungen vor Ort abzuwickeln. Der VDE VERLAG mit Sitz in Berlin und Offenbach ist ein Fachverlag für Elektrotechnik und Informationstechnik. Das Spektrum der Publikationen reicht dabei von Normen über Fachbücher bis zu Fachzeitschriften. Die VDI/VDE Innovation + Technik GmbH, Berlin, konzipiert als Projektträger im Auftrag von Ministerien in Bund und Ländern technologiepolitische Förderprogramme.

Geschichte[Bearbeiten]

Briefmarke der Deutschen Bundespost: 100 Jahre VDE (1993)

Am 21. und 22. Januar 1893 fand in Berlin die Gründungskonferenz des VDE (Verband Deutscher Elektrotechniker) statt. 37 Delegierte der Elektrotechnischen Vereine Deutschlands verabschiedeten das Gründungsprotokoll und wählten den ersten Vorstand. Im September hielt der VDE seine erste Jahresversammlung ab und bildete die erste technische Kommission des VDE zur Erarbeitung von Vorschriften über elektrische Anlagen. Die ersten VDE-Kommissionen für Errichtungs- und Betriebsvorschriften sowie für Kupfernormalien nahmen 1894 ihre Arbeit auf. Ihnen folgten in den später weitere Kommissionen, u. a. zur Erarbeitung von Normalien für Glühlampen, Eisenblech, Drähte und Leitungen, Installationsmaterial, Erdstrom, Lichtmessung und Zähler. Die erste „VDE-Vorschrift“ VDE 0100 zur sicheren Erstellung elektrotechnischer Anlagen wurde verabschiedet.

Das erste Normalien-Buch des VDE erschien 1904. Es wurde durch eine Kommission unter der Leitung des späteren Generalsekretärs Georg Dettmar erarbeitet und umfasste 183 Seiten und enthält 17 Bestimmungen. Unter Mitwirkung des VDE wurde 1906 in London die Internationale Elektrotechnische Kommission (I.E.C.) gegründet; ihr schlossen sich 24 Staaten an. 1920 erfolgte die Einrichtung einer zentralen VDE-Prüfstelle in Berlin. Ihre Aufgabe bestand in der Überprüfung von elektrotechnischen Produkten auf Übereinstimmung mit den bestehenden VDE-Bestimmungen. Es folgte die erste gesetzlich geschützte Eintragung des „VDE-Zeichens“. 1928 war die Gründung des ETZ-Verlags, der seit 1947 als VDE-VERLAG GMBH firmiert. 1937 erfolgte die Eingliederung des VDE in den NS-Bund Deutscher Technik (NSBDT). Bis zum Jahre 1945 war er damit dem Hauptamt für Technik der NSDAP angeschlossen. Wie alle dem NSBDT angeschlossenen Verbände wurde der VDE nach Kriegsende verboten. Von der britischen Besatzungsmacht in Berlin wurde ein Treuhänder eingesetzt. Mit Ausnahme des Vortragswesens konnten nach und nach die Arbeiten in der VDE-Zentrale wieder aufgenommen werden.

1948 war der Beginn des Wiederaufbaus des Generalsekretariats und der Prüfstelle in Wuppertal sowie der Vorschriftenstelle in Mannheim. Am 23. März 1950 erfolgte die Neugründung des Verbandes. Sein Sitz wurde nun Frankfurt a. M., wohin auch die Prüfstelle verlegt wurde. 1954 kam es zur Gründung der ersten VDE-Fachgesellschaft, der Nachrichtentechnische Gesellschaft (NTG), heute Informationstechnische Gesellschaft (ITG). 1961 erfolgte die Schaffung des VDE-Funkschutzzeichens. Um die elektrotechnische Normungsarbeit zusammenzufassen, gründeten DIN und VDE 1970 die Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (DKE). Damit gab es in der Bundesrepublik Deutschland nur noch eine Stelle für elektrotechnische Normung, die vom VDE juristisch getragene DKE, die auch die deutschen Interessen in den internationalen Normungsorganisationen der Elektrotechnik vertritt. Aus dem Zusammenschluss der VDI/VDE-Fachgruppen Messtechnik und Regelungstechnik entstand 1973 die VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Regelungstechnik (GMR), heute Mess- und Automatisierungstechnik (GMA). 1974 war die Gründung der Energietechnischen Gesellschaft im VDE (ETG). Die VDI/VDE Gesellschaft Mikro- und Feinwerktechnik (GMF) nahm 1976 ihre Arbeit unter dem Namen VDI/VDE-Gesellschaft Feinwerktechnik (FWT) auf. Die Arbeitsgemeinschaft für Blitzschutz und Blitzableiterbau e.V. trat 1985 dem VDE bei. Ihre Aktivitäten wurden in dem neu formierten VDE-Ausschuss Blitzschutz und Blitzforschung (ABB des VDE) weitergeführt. Als gleichberechtigte Partner führen VDI und VDE seit 1986 gemeinsam in Berlin das „VDI/VDE-Technologiezentrum Informationstechnik GmbH“. Ausgestattet mit Mitteln des Bundesministeriums für Forschung und Technik, unterstützt das Zentrum seit 1978 kleine und mittlere Unternehmen bei der Umsetzung neuer technologischer Entwicklungen. Die VDE/VDI-Gesellschaft Mikroelektronik (GME) nahm 1987 ihre Arbeit auf.

Nach dem Fall der Mauer stand der VDE ab 1989 auch den Elektroingenieuren in der DDR offen. Sieben Bezirksvereine hat der Verband bis 1992 in den neuen Bundesländern gegründet und über 4 000 neue Mitglieder aufgenommen. Der Name der VDE-Prüfstelle wurde 1991 in „VDE Prüf- und Zertifizierungsinstitut“ umgewandelt, da das Thema Zertifizierung ein zusätzliches Arbeitsgebiet geworden ist. 1992 erfolgte unter Beteiligung des VDE die Gründung des Dachverbandes Medizinische Technik DVMT. 1995 erfolgte die Zusammenführung von GME (VDE/VDI-Gesellschaft Mikroelektronik) und GMF (VDI/VDE Gesellschaft Mikro- und Feinwerktechnik) zur VDE/VDI-Fachgesellschaft Mikroelektronik, Mikro- und Feinwerktechnik (GMM). 1998 kam es zur Namensänderung des VDE laut Delegiertenbeschluss in VDE - Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik e.V.. 2001 kam es zur Fusion von VDE und Deutsche Gesellschaft für Biomedizinische Technik (DGBMT). Die DGBMT wurde dabei neue Fachgesellschaft im VDE. Neuer Name für die DKE wurde DKE Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik im DIN und VDE. Die VDE-Hauptstadtrepräsentanz wurde in Berlin eröffnet. 2003 erfolgte die Gründung der VDE Global Services GmbH. Das Jubiläum 50 Jahre Informationstechnische Gesellschaft im VDE (ITG) wurde 2004 in der Frankfurter Paulskirche begangen. Bundeskanzler Gerhard Schröder eröffnete den VDE-Kongress 2004 - Innovationen für Menschen. Der VDE organisierte 2006 den IEC-Weltkongress in Berlin mit Bundeswirtschaftsminister Michael Glos. EU-Kommissar Günter Verheugen eröffnete den VDE-Kongress 2006 Innovations for Europe in Aachen.

Vorschriften und Normen[Bearbeiten]

Die vom VDE getragene Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik im DIN und VDE (DKE) erarbeitet Normen und Sicherheitsbestimmungen für die Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik. Sie vertritt die deutschen Interessen im Europäischen Komitee für Elektrotechnische Normung (CENELEC) und in der Internationalen Elektrotechnischen Kommission (IEC). Rund 3.500 Personen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung erarbeiten ehrenamtlich das VDE-Vorschriftenwerk in der DKE.

VDE-Bestimmungen[Bearbeiten]

Die wichtigsten VDE-Bestimmungen für die Sicherheit in der Elektrotechnik beziehen sich auf:

Die Berufsgenossenschaften geben Unfallverhütungsvorschriften heraus, die sich z. T. auf VDE-Normen beziehen.

VDE-Vorschriftenwerk[Bearbeiten]

Dies ist eine Liste von Artikeln, die Beschreibungen zu verschiedenen DIN-VDE Normen enthalten:

Gruppe Normenreihe Themengebiet Erläuterung
0+1 DIN-VDE 00xx und 01xx Allgemeine Grundsätze/
Energieanlagen
Meta-Normen, Starkstromtechnik
2 DIN-VDE 02xx Energieleiter Kabel und elektrische Leitungen
3 DIN-VDE 03xx Isolierstoffe Elektrostatik, Isolatoren, Supraleiter
4 DIN-VDE 04xx Messen, Steuern, Regeln Überwachungstechnik (Brandmelder, Strahlenschutz u.ä.)
5 DIN-VDE 05xx Maschinen, Umformer Batterien und Akkumulatoren, Elektrische Maschinen
6 DIN-VDE 06xx Installationsmaterial, Schaltgeräte Elektroinstallation
7 DIN-VDE 07xx Gebrauchsgeräte, Arbeitsgeräte Sicherheit von Haushaltsgeräten, Leuchten und Lampen, Medizintechnik
8 Ab DIN-VDE 0800 Informationstechnik Nachrichtentechnik

Literatur[Bearbeiten]

  •  VDE Schriftenreihe 1; "Wo steht was im VDE-Vorschriftenwerk?". VDE Verlag GmbH, Berlin und Offenbach 2012, ISBN 978-3-8007-3372-9.

Weblinks[Bearbeiten]