Werner von Siemens

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Werner von Siemens
(Porträt von Giacomo Brogi)

Ernst Werner Siemens, ab 1888 von Siemens, (* 13. Dezember 1816 in Lenthe, heute Gehrden; † 6. Dezember 1892 in Berlin) war ein deutscher Erfinder, Begründer der Elektrotechnik und Industrieller. Er gründete zusammen mit Johann Georg Halske am 12. Oktober 1847 die Telegraphen Bau-Anstalt von Siemens & Halske (die heutige Siemens AG). Das Unternehmen entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte von einer kleinen Werkstatt, die neben Telegraphen vor allem Eisenbahnläutwerke, Drahtisolierungen und Wassermesser herstellte, zu einem der weltweit größten Elektrounternehmen. Heute beschäftigt Siemens etwa 370.000 Mitarbeiter und ist in über 190 Ländern präsent. Das Geschäftsvolumen beträgt jährlich etwa 80 Milliarden Euro.

Vier seiner Brüder wirkten ebenfalls als Unternehmer und Erfinder, überwiegend im Bereich Elektrizität, siehe Navigationsleiste.

Leben[Bearbeiten]

Kindheit und früher Werdegang[Bearbeiten]

Siemens entstammte dem alten Goslarer Stadtgeschlecht Siemens (1384 urkundlich erwähnt, mit dem Siemenshaus in Goslar als Stammsitz) und wurde 1816 als viertes Kind des Gutspächters Christian Ferdinand Siemens (1787–1840) und dessen Ehefrau Eleonore Henriette Deichmann (1792–1839) geboren. Nach dem Umzug im Jahre 1823 nach Mecklenburg, wo sein Vater die Domäne Menzendorf übernahm, blieb seinen Eltern der wirtschaftliche Erfolg versagt. Siemens wurde anfangs von der Großmutter und dem Vater unterrichtet, besuchte ein Jahr die Bürgerschule in Schönberg (Mecklenburg), bekam drei Jahre Unterricht von einem Hauslehrer und besuchte schließlich für drei Jahre das Katharineum zu Lübeck. Er verließ das Gymnasium 1834 aber vorzeitig ohne formalen Abschluss. Er wollte gerne einen praktisch-wissenschaftlichen Beruf ergreifen, doch erlaubte die wirtschaftliche Situation der Eltern kein Studium. Nach dem Tod der Mutter im Juli 1839 und des Vaters im Januar 1840 musste Werner als ältester Sohn die Vaterstelle für seine Geschwister übernehmen.

Werner Siemens als Seconde-Lieutenant der preußischen Artillerie, 1842

Auf den Rat seines Geodäsie-Lehrers Ferdinand von Bültzingslöwen bewarb er sich beim Ingenieurkorps der preußischen Armee in Berlin. Der Chef des Ingenieurkorps, General Gustav von Rauch, riet ihm jedoch wegen der mehrjährigen Wartezeiten aufgrund großen Andrangs von Bewerbern, sich stattdessen bei der Artillerie zu bewerben, deren Avantageure dieselbe Schule wie die Ingenieure besuchten. Von vierzehn Kandidaten des Eintrittsexamens in Magdeburg wurde er als einer von vier aufgenommen. Im Herbst 1835 wurde er als Offizieranwärter für drei Jahre an die Berliner Artillerie- und Ingenieurschule kommandiert. Hier bekam er eine umfassende Ausbildung auf naturwissenschaftlichen Gebieten – wie Mathematik, Physik, Chemie, Geometrie[1] und Ballistik und hörte nebenher Vorlesungen an der Berliner Universität. Diese Ausbildung beendete er 1838 als Artillerie-Leutnant.

Einer seiner Lehrer an der Artillerieschule war der Physiker Gustav Magnus, dem er später seine Dynamomaschine vorführte. Magnus erkannte die Bedeutung und sorgte dafür, dass die Arbeit veröffentlicht wurde, zuerst in Berlin[2] und danach in London[3].

Leutnant Werner Siemens tat Dienst in Magdeburg und anschließend in der Garnison Wittenberg, wo er wegen der Teilnahme als Sekundant bei einem Duell zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt wurde. Seine Zelle in der Zitadelle Magdeburg konnte er als Versuchslabor einrichten und entwickelte dort ein Verfahren zur elektrischen Galvanisierung (insbesondere Versilberung und Vergoldung) in Weiterentwicklung der kurz zuvor von Jacobi entwickelten Kupfergalvanisierung. Nach einer Begnadigung wurde Siemens 1842 zur Artilleriewerkstatt in Berlin versetzt. Im Schleswig-Holsteinischen Krieg unterstützte er 1848 die Kieler Bürgerwehr bei der Verteidigung des Kieler Hafens gegen dänische Seestreitkräfte mittels Besetzung der Festung Friedrichsort.[4] Außerdem entwickelte er funktionsfähige ferngezündete Seeminen, die vor dem Kieler Hafen ausgelegt wurden und die dänische Marine darin hinderten, die Stadt aus der Nähe zu beschießen.[5]

Berliner Zeit[Bearbeiten]

Grabmal Werner von Siemens' auf dem Berliner Südwestkirchhof Stahnsdorf
(Grablage52.38888313.179337)

Er blieb beim Militär bis Juni 1849 und versuchte nebenher mit Erfindungen zusätzlich Geld zu verdienen, wobei seine Arbeit zunächst auf praktische und schnell verwertbare Dinge gerichtet war. So entwickelte er einen neuen Regler für Dampfmaschinen, eine Presse zur Herstellung von Kunststein und ein Druckverfahren. Die Idee einer Lauf-Flieg-Maschine, über die er mit seinem Bruder Wilhelm korrespondierte, wurde aber nicht in Angriff genommen.

Als aufstrebender Unternehmer heiratete er am 1. Oktober 1852 in Königsberg seine entfernte Nichte Mathilde Drumann (1824–1865), Tochter des Universitätsprofessors Wilhelm Drumann und seiner Cousine Sophie Mehliß. Aus dieser Ehe stammen die Söhne Arnold und Wilhelm sowie die Töchter Anna Zanders und Käthe Pietschker (1861–1949). Mathilde verstarb am 1. Juli 1865. Am 13. Juli 1869 heiratete Werner Siemens in zweiter Ehe seine entfernte Nichte Antonie Siemens (1840–1900), die Tochter von Carl Georg Siemens, der später in den württembergischen persönlichen Adelsstand erhoben wurde, und der Ottilie Denzel (1812–1882). Aus dieser Ehe gingen der Sohn Carl Friedrich und die Tochter Hertha (1870–1939; verheiratet mit Carl Dietrich Harries) hervor.

Am 17. Februar 1887 erwarb Siemens das etwa 600 Hektar große Gut Biesdorf inklusive Schloss und übertrug es 1889 seinem Sohn Wilhelm. In seinem Ferienhaus in Bad Harzburg schrieb Siemens von 1889 bis 1892 in den Sommerferien seine Lebenserinnerungen nieder, die kurz vor seinem Tod publiziert wurden. Am 6. Dezember 1892 erlag Werner von Siemens in Berlin einer Lungenentzündung. Er wurde auf dem Alten Luisenfriedhof in Charlottenburg beigesetzt und später in die Familiengrabanlage der Familie Siemens auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf umgebettet.

Leistungen[Bearbeiten]

Elektrotechnik[Bearbeiten]

Maschinentelegraf von Siemens Brothers & Co. Ltd, London

Im Jahr 1842 gelang es Werner Siemens, einen Teelöffel aus Neusilber mit Hilfe von Gleichstrom aus Batterien mit einem Überzug wahlweise aus Silber oder Gold zu versehen. Für dieses Verfahren bekam er ein Patent, das er an einen Juwelier verkaufte. Den Erlös aus diesem Geschäft schickte er seinem damals 18-jährigen Bruder Wilhelm nach England, das zu dieser Zeit in der Technik und Industrialisierung viel weiter fortgeschritten war als der in viele Teilstaaten zersplitterte Deutsche Bund.

Ende 1846 entwickelte er den elektrischen Zeigertelegrafen mit Selbstunterbrechung.[6] Im Jahr darauf erfand er ein Verfahren, um Drähte mit einer nahtlosen Umhüllung aus Guttapercha zu versehen. Dieses Verfahren bildet bis heute die Grundlage zur Herstellung isolierter Leitungen und elektrischer Kabel.

1857 entwickelte Siemens die Ozonröhre, die elektrisch erzeugtes Ozon zur Reinigung von Trinkwasser verwendet.

Ebenfalls 1857 formulierte er das Gegenstromprinzip.

Mit der Entwicklung des ersten elektrischen Generators (1866) auf der Grundlage des von ihm wissenschaftlich begründeten dynamoelektrischen Prinzips gehört Werner von Siemens zu den Wegbereitern der Starkstromtechnik. Elektrische Energie, die jetzt in großem Umfang produziert werden konnte, ermöglichte die Verwendung des flexibel einzusetzenden Elektromotors, der gemeinsam mit dem Dieselmotor die Dampfmaschine ablöste und die zweite industrielle Revolution einleitete.

Das dynamoelektrische Prinzip war bereits vom Dänen Søren Hjorth und ebenfalls vom Ungarn Ányos Jedlik entdeckt worden. Siemens war allerdings der erste, der die Tragweite der Entdeckung erkannte und den Siegeszug der elektrischen Energie voraussagte.

Der Unternehmer Werner Siemens[Bearbeiten]

Elektrolokomotive auf der Berliner Gewerbeausstellung 1879
Elektromote von Werner Siemens, Berlin 1882, der erste Oberleitungsbus der Welt

Am 12. Oktober 1847 gründete er – noch immer im Hauptberuf Offizier – mit dem Mechaniker Johann Georg Halske in Berlin die Telegraphen Bau-Anstalt von Siemens & Halske. Das notwendige Kapital zur Firmengründung kam von Siemens’ Vetter Johann Georg Siemens, einem wohlhabenden Justizrat und Vater des späteren Mitbegründers der Deutschen Bank, Georg Siemens. Er investierte mehr als 6000 Taler als Startkapital gegen eine 20-prozentige Gewinnbeteiligung über sechs Jahre.

Die Verbindung von Siemens und Halske war wohl ein seltener Glücksfall in der Technikgeschichte, denn sie ergänzten sich auf nahezu ideale Weise. Siemens hatte das Wissen, die Ideen und experimentierte gerne, Halske konstruierte die vielen Kleinigkeiten, die notwendig waren, um aus Ideen praktisch nutzbare Geräte zu machen.

1848 erhielt das junge Unternehmen einen politisch wichtigen Auftrag – die Telegraphenleitung von Berlin nach Frankfurt am Main, denn dort tagte die deutsche Nationalversammlung. Die Leitung wurde noch im Winter 1848/49 mit Geräten und Kabeln von Siemens & Halske gebaut. Dass die Nationalversammlung König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen die Kaiserwürde antragen wollte, wusste dieser schon eine Stunde nach der Abstimmung, eine Woche bevor die Kaiserdeputation in Berlin ankam.

Damit wurde Siemens & Halske auf einen Schlag bekannt und weitere Aufträge zum Bau von Telegraphenverbindungen in Preußen und den deutschen Staaten folgten. Siemens versuchte früh auch auf außerdeutschen Märkten Fuß zu fassen, zumal er mit der preußischen Telegraphenverwaltung bald in Streit geriet und von dieser über viele Jahre keine Aufträge mehr erhielt. Er betraute seinen Bruder Wilhelm mit der Leitung einer ersten Auslandsniederlassung in London. Auch in Russland bemühte er sich um Aufträge. Ein erster Erfolg war 1852 der Auftrag zur Errichtung von Telegraphenverbindungen von Warschau nach St. Petersburg und von St. Petersburg nach Moskau. 1853 schickte Siemens seinen Bruder Carl nach St. Petersburg, um den Bau zu überwachen. Dabei bewährte sich Carl schnell als fähiger Unternehmer und weitere Aufträge für das russische Telegraphennetz folgten. 1855 wurde das russische Geschäft unter Leitung Carls in eine Zweigniederlassung umgewandelt und etablierte sich als wichtige Stütze von Siemens & Halske. Aufträge kamen auch aus England, wo eine eigene Kabelfabrik errichtet wurde.

Es gab auch Rückschläge, beispielsweise scheiterte 1864 die Verlegung eines Seekabels von Cartagena nach Oran, was dem Unternehmen empfindliche Verluste bescherte. Halske, der risikoreiche Unternehmungen hasste, verlangte, sich von der verlustreichen Niederlassung in London zu trennen. Siemens wollte den Bruder nicht im Stich lassen, gliederte die Londoner Niederlassung aus Siemens & Halske aus und gründete 1865 mit Wilhelm und Carl in London die Siemens Brothers & Co. Aber die Meinungsverschiedenheiten zwischen Halske und den Siemens-Brüdern blieben bestehen und führten Ende 1867 nach zwanzig Jahren zum Rückzug von Halske aus der Firma. Die Brüder Wilhelm und Carl wurden nach dem Ausscheiden Halskes die einzigen Teilhaber ihres Bruders Werner: Siemens & Halske wurde zum Familienunternehmen der Siemens-Brüder. Werner und Carl hatten außerdem, auf Vorschlag ihres mit dem Bau der Telegraphenleitungen im Kaukasus beschäftigten Bruders Walter, 1864 auch ein Kupferbergwerk in Kedabeg im russischen Gouvernement Elisabethpol (heute Aserbaidschan) gekauft, das - unter Überwindung mancher Schwierigkeiten - als von der Firma getrenntes "Privatgeschäft" unter Leitung der Brüder Walter und Otto betrieben wurde.

Die Faraday, Kabelleger von Siemens Brothers & Co. 1874

1870 ging nach dreijähriger Bauzeit die Indo-Europäische Telegraphenlinie von London über Teheran nach Kalkutta mit einer Länge von über 11.000 Kilometern in Betrieb.[7]

Politisches und soziales Engagement[Bearbeiten]

Siemens unterstützte die Deutsche Revolution 1848/49. 1860 wurde er Mitglied des liberalen Deutschen Nationalvereins. 1861 war er Mitbegründer der Deutschen Fortschrittspartei (DFP). 1863 wurde er in das Preußische Abgeordnetenhaus gewählt und gehörte ihm bis 1866 an. Im Preußischen Verfassungskonflikt stimmte er gegen die Indemnitätsvorlage Otto von Bismarcks.

Siemens machte sich schon früh Gedanken um das Schicksal seiner Mitarbeiter. Die normale Entlohnung erschien ihm nicht ausreichend: „Mir würde das Geld wie glühendes Eisen in der Hand brennen, wenn ich den treuen Gehilfen nicht den erwarteten Anteil gäbe“. Neben altruistischen Motiven veranlassten ihn auch firmentaktische Beweggründe zu einem solchen Vorgehen, wie er in einem Brief an seinen Bruder Carl schrieb: „Es wäre auch nicht klug von uns, sie leer ausgehen zu lassen im Augenblicke großer neuer Unternehmungen.“

Leitende Mitarbeiter hatten schon seit Mitte der 1850er-Jahre Verträge, die ihnen erfolgsabhängige Tantiemen zusicherten, rangniedrigere Mitarbeiter bekamen – nicht vertraglich festgelegte – Prämien. Ab Mitte der 1860er-Jahre zahlte Siemens & Halske eine so genannte Inventurprämie an alle Arbeiter und Angestellten, eine frühe Form des Leistungsanreizes und ein Vorläufer der heutigen Erfolgsbeteiligung. Dies alles waren Maßnahmen, um qualifizierte Mitarbeiter an Siemens & Halske zu binden und einen festen Arbeiterstamm zu bilden.

1872 gründete Siemens die Pensions-, Witwen- und Waisenkasse, an der sich auch Halske, der dem Unternehmen schon nicht mehr angehörte, beteiligte. Eine weitere sozialpolitische Maßnahme war die 1873 erfolgte Einführung einer täglichen Arbeitszeit von neun Stunden, was bei der damaligen Sechstagewoche einer Wochenarbeitszeit von 54 Stunden entsprach. Üblich waren zu der Zeit noch 72 Wochenstunden.

Nach der Reichsgründung 1871 wurde kontrovers über einen einheitlichen Patentschutz im Deutschen Reich diskutiert. Patente wurden im Königreich Preußen nach Ermessen der Beamten höchstens auf drei Jahre erteilt und mussten in jedem Staat des Deutschen Zollvereins einzeln beantragt werden. Bereits 1864 hatten der preußische Handelsminister und in der Folge zahlreiche Handelskammern sogar die Abschaffung dieser Patente gefordert, weil sie „schädlich für den allgemeinen Wohlstand“ seien. Dies hatte Werner Siemens dazu bewogen, 1863 an die Berliner Handelskammer ein Gutachten zu richten, das "die Notwendigkeit und Nützlichkeit eines Patentgesetzes zur Hebung der Industrie" sowie die Grundzüge für ein solches darlegte. Infolgedessen wurde von der Abschaffung Abstand genommen. Um die Sache weiter voranzubringen, rief er einen Patentschutzverein[8] ins Leben, der unter seinem Vorsitz den Entwurf für ein deutsches Patentgesetz ausarbeitete. Doch erst als er sich nach der Reichsgründung persönlich an Reichskanzler v. Bismarck wandte, leitete dieser ein Gesetzgebungsverfahren ein. Siemens hatte darauf hingewiesen, dass deutsche Produkte bisher in aller Welt als „billig und schlecht“ galten und deutsche Erfinder ihre Patente im Ausland nahmen und dort produzieren ließen. Deswegen diene ein Patentgesetz auch dazu, die deutsche Industrie zu stärken und ihr mehr Ansehen in der Welt zu verschaffen. Am 25. Mai 1877 trat das Deutsche Patentgesetz in Kraft. Der Entwurf war nur leicht modifiziert vom Reichstag angenommen worden. Seine Grundzüge gelten bis heute.

Mit Heinrich von Stephan gründete er 1879 den Elektrotechnischen Verein, anlässlich dessen Namensgebung er das Wort Elektrotechnik prägte. Als dessen erster Präsident setzte er sich für die Errichtung von Lehrstühlen der Elektrotechnik an Technischen Hochschulen im ganzen Deutschen Reich ein.

1879 kaufte Werner Siemens das zweite jemals gefundene Fossil des Archaeopteryx von dem Solnhofener Apotheker Ernst Häberlein für 20.000 Mark und verhinderte so, dass auch das zweite Fossil ins Ausland verkauft wurde. Er überließ den Urvogel der Universität Berlin als Dauerleihgabe, so dass diese das Fossil zwei Jahre später in zwei Raten zum ursprünglichen Preis von Siemens erwerben konnte.[9]

1885 ermöglichte Siemens die Gründung der seit längerem von Wissenschaftlern geplanten Physikalisch-Technischen Reichsanstalt, indem er neben dem Charlottenburger Polytechnikum ein Areal hierfür erwarb und stiftete. Im dortigen Werner-von-Siemens-Bau sowie dem nach dem Gründungspräsidenten benannten Hermann-von-Helmholtz-Bau unterhält die Physikalisch-Technische Bundesanstalt bis heute einen ihrer Standorte.

Ehrungen[Bearbeiten]

1860 wurde Werner Siemens von der Universität Berlin die Würde eines Ehrendoktors verliehen. Auf der Weltausstellung in Paris 1867, wo Siemens seinen nach dem dynamoelektrischen Prinzip arbeitenden Generator ausstellte, wurde er mit dem Orden der französischen Ehrenlegion ausgezeichnet. In Anerkennung seiner Leistungen wurde Werner Siemens 1874 als Mitglied in die Preußische Akademie der Wissenschaften aufgenommen, in der er regelmäßig Vorträge zu allgemein naturwissenschaftlichen Themen hielt und publizierte. Er war Mitglied des Ältestenkollegiums der Berliner Kaufmannschaft, eine Ernennung zum Kommerzienrat lehnte er jedoch ab, da er sich "mehr als Gelehrten und Techniker wie als Kaufmann betrachtete und fühlte". 1880 wurde er (als nicht ständiges Mitglied des Patentamtes) zum Geheimen Regierungsrat ernannt und 1886 wurde ihm der Orden Pour le Mérite für Kunst und Wissenschaften verliehen. Außerdem war er Mitglied der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte.

In Anerkennung seiner Verdienste um Wissenschaft und Gesellschaft wurde Siemens durch Kaiser Friedrich III. 1888 in den Adelsstand erhoben. Die SI-Einheit des elektrischen Leitwerts wurde nach ihm benannt. Zu seinen Lebzeiten wurde jedoch ein bestimmter elektrischer Widerstand als „1 Siemens“ oder „Siemens-Einheit“ (SE) bezeichnet, nämlich der Widerstand einer Quecksilbersäule bestimmter Abmessungen bei 0 °C; dieses Widerstands-Normal hatte Siemens entwickelt. 1 SE = 0,944 Ohm.

Denkmäler und Büsten[Bearbeiten]

Grabrelief von Werner von Siemens
  • 1892 Marmorbüste von Bildhauer Adolf von Hildebrand, Siemens-Villa in Lichterfelde
  • 1893 Büste von H. Schenkam Institut für Chemie und Elektrotechnik der Technischen Hochschule Stuttgart
  • 1893 Marmorbüste von Ludwig Brunow zur Gedächtnisfeier in der Philharmonie Berlin, später im Haus Werner von Siemens in Berlin-Lankwitz (verschollen)
  • 1893 Bronzebüste von Ludwig Brunow für die Weltausstellung Chicago (verschollen)
  • 1896 Kopfskulptur am Gewölbe der Oberbaumbrücke in Berlin von Johannes Boese
  • 1896 Büste an der Fassade der Urania in Berlin, später in Lankwitz (verschollen)
  • 1898 Bronzedenkmal auf der Potsdamer Brücke Berlin von Julius Moser (eingeschmolzen)
  • 1898 Gedenkstein in Lenthe
  • 1899 Bronzerelief im Siemens-Archiv von Adolf von Hildebrand
  • 1899 Marmorrelief für Gedenkstätte im Park der Siemens-Villa Lichterfelde (zerstört)
  • 1899 Bronzedenkmal vor dem Hauptgebäude der TU Berlin in Charlottenburg von Wilhelm Wandschneider (2006 restauriert und an der Straße des 17. Juni 136 neu aufgestellt)
  • 1904 Gedenkplatte des Elektrotechnischen Vereins Berlin mit den Medaillons der beiden Gründer Siemens und Stephan
  • 1906 Marmorrelief im Ehrensaal des Deutschen Museum in München von Adolf von Hildebrand
  • Relief im U-Bahnhof Berlin-Klosterstraße von A. Vogel
  • 1914 Relief am Haus des Vereins Deutscher Ingenieure in Berlin von Hugo Lederer
  • 1914 Marmorrelief am Haus der Maschinenbauschulen in Magdeburg nach Adolf von Hildebrand
  • 1916 Goldrelief auf der Kassette des Rings der Werner-von-Siemens-Ring-Stiftung
  • 1922 Marmorrelief auf der Grabstätte Siemens Südwestkirchhof Stahnsdorf nach Adolf von Hildebrand
  • 1929 Marmorbüste (Kopie) im Ehrenraum der Elektrotechnik im Deutschen Museum München von Josef Wackerle

(Angaben aus: Siemens-Mitteilungen Nr. 145, 12. Oktober 1933)

Briefmarken[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

  • Kurze Darstellung der an den preussischen Telegraphen-Linien mit unterirdischen Leitungen gemachten Erfahrungen. Julius Springer, 1851
  • Die electrische Telegraphie. Lüderitz, Berlin 1866 (Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv)
  • Positive Vorschläge zu einem Patentgesetz. Bittkow, Berlin 1869
  • Beiträge zur Theorie der Legung und Untersuchung submariner Telegraphenleitungen. Akademie, Berlin 1881
  • Gesammelte Abhandlungen und Vorträge.digitalisiert Verlag: Springer, Berlin 1881.
  • Wissenschaftliche und technische Arbeiten. Band I, Julius Springer, Berlin 1882
  • Ueber die Zulässigkeit der Annahme eines electrischen Sonnenpotentials und dessen Bedeutung zur Erklärung terrestrischer Phänomene. Leipzig 1883
  • Beiträge zur Theorie des Magnetismus. Königliche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Berlin 1884
  • Über die Erhaltung der Kraft im Luftmeere der Erde. Königliche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Berlin 1886
  • Das naturwissenschaftliche Zeitalter. Schumacher, Berlin 1886
  • Über das allgemeine Windsystem der Erde. Akademie der Wissenschaften, Berlin 1890
  • Wissenschaftliche und technische Arbeiten. Bd. II, Julius Springer, Berlin 1889
  • Lebenserinnerungen. (Originalverlag Julius Springer 1892) Neuauflage: Piper, München 2004, ISBN 3-492-04621-5
  • Aus einem reichen Leben. Werner von Siemens an seine Familie und an seine Freunde. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1954

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Werner von Siemens – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Einer seiner Lehrer war der damalige Hauptmann Meno Burg.
  2. Verhandlungen der Königlichen Akademie der Wissenschaften vom 17. Januar 1867
  3. Proceedings of the Royal Society of London, Vol. 15 (1867), S. 367
  4. Siehe etwa die Kurzdarstellung im Internetportal www.kiel-friedrichsort.de
  5. Gerd Stolz: Die Schleswig-Holsteinische Marine 1848–1852. Boyens, Heide in Holstein 1978, ISBN 3-8042-0188-1, S. 18 ff.
  6. Siemens-Zeigertelegraf Nachrichtentechnische Sammlung am Institut für Nachrichtentechnik, abgerufen am 15. September 2012
  7. private Website zur Indolinie
  8. Von Walkmännern, Stereogürteln und Ikon-Kameras - Technische Universität Chemnitz - abgerufen am 13. Dezember 2011
  9. Paul Chambers: Die Archaeopteryx-Saga. Rogner & Bernhard, Hamburg 2003, ISBN 3-8077-0139-7, Seite 174.