Vespasiano Gonzaga

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Vespasiano Gonzaga

Vespasiano Gonzaga Colonna (* 6. Dezember 1531 in Fondi; † 26. oder 27. Februar 1591 in Sabbioneta) war ein italienischer Adliger aus einer Seitenlinie des Adelsgeschlechtes Gonzaga aus Mantua. Von 1568 bis 1578 in Spanien zunächst als Berater Philipps II., ab 1571 als Vizekönig von Navarra und ab 1575 als Vizekönig von Valencia tätig. Er war vor allem für den Festungsbau zuständig. Er ließ u. a. die Zitadelle von Pamplona und die Verteidigungsanlagen von Alicante und Peñiscola errichten. Vespasiano Gonzaga veranlasste zwischen 1554 und 1591, seinem Todesjahr, die Umwandlung der lombardischen Stadt Sabbioneta in eine zeitgenössisch ideale Festungs- und Residenzstadt. Im Jahr 1585 wurde er von Philipp II. in den Orden vom Goldenen Vlies aufgenommen.

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Vespasiano wurde 1531 geboren und entstammte einer Nebenlinie der Gonzaga von Mantua. Er war Sohn von Luigi Gonzaga und Isabella Colonna. Nach dem frühen Tod des Vaters wurde Vespasiano in die Obhut seiner Tante Giulia Gonzaga gegeben, während seine Mutter den ehemaligen Vizekönig von Neapel und kaiserlichen General Filippo di Lanoja heiratete. Giulia Gonzaga war eine schöne und geistvolle Frau und an ihrem Hof traf sich die Intelligenz Neapels. Daher erhielt der junge Vespasiano dort eine hervorragende humanistische Ausbildung. 1540 starb Vespasianos Großvater Ludovico, von dem er Sabbioneta seine spätere Residenz erbte. Vespasiano wurde zur weiteren Erziehung an den kaiserlichen Hof nach Valladolid in Spanien geschickt, wo er Ehrenpage des 17-jährigen Infanten Philipp (später Philipps II.) wurde. Vespasiano blieb 3 Jahr am Hof der Habsburger und wurde ausgezeichnet ausgebildet. Hervorzuheben ist seine Schulung in Mathematik und Architektur, die ihm bei seinen späteren Bautätigkeiten zu Nutzen war. Weiter entwickelte er eine förderliche Beziehung zum Kaiser und Philipp. 1548/49 begleitete er Philipp auf einer Reise nach Deutschland und Italien.[1]

Erste Ehe[Bearbeiten]

1549 heiratete er Diana di Cordona, diese stammte aus einer spanischer Adelsfamilie. Die Heirat bracht Vespasiano den Titel Signore ein und einige Ländereien auf Sizilien. 1551-1552 führte Vespasiano im Gefolge des Kaisers Krieg gegen die Türken, dann gegen den franz. König Heinrich II. Im Kampf gegen Frankreich zeichnete sich Vespasiano als kluger Stratege aus und wurde zum Generalhauptmann der kaiserlichen Truppen in Italien ernannt. Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg traf Vespasiano erste Anordnungen zur Befestigung seiner Residenz Sabbionetta. 1554 begann eine Umfangreiche Bautätigkeit in der Kleinstadt, die solange Vespasiano lebte anhielt. 1555 zog Vespasiano erneut in den Krieg. Zusammen mit dem Herzog von Alba zog er gegen Papst Paul IV., der sich mit den Franzosen, Florenz und Ferrara gegen den Kaiser verbündet hatte. 1558 wurde Vespasiano für seine Verdienste in Brüssel in die Reihe der span. Granden aufgenommen. Nach dem Friedensschluss mit Frankreich, kehrte Vespasiano 1559 nach Sabbionetta zurückkehren. Im selben Jahr verstarb seine Ehefrau Diana angeblich an Gehirnblutung. Laut einem anderen Gerücht soll sie jedoch von ihrem Mann mit einem Geliebten ertappt worden sein und wurde daraufhin eingesperrt und vergiftet.

Zweite Ehe[Bearbeiten]

1564 heiratete Vespasiano die Tochter des Herzogs von Aragon, Anna d’Aragon. Die Verbindung mit dem königlichen Haus der Aragon bedeutete einen unheimlichen Prestigegewinn für Vespasiano, denn Anna war auch eine Cousine im 5. Grad zu Philipps II. Aus dieser Ehe gingen der Sohn Luigi und die Tochter Isabella hervor. Anna d’Aragon starb nach dreijähriger Ehe in 1567.

Karriere und dritte Ehe[Bearbeiten]

Nach dem Tode seiner zweiten Frau konzentrierte sich Vespasiano voll auf seine Karriere unter König Philipps II. Er war als Vizekönig 1571/72 in Navara, danach war er in Nordafrika tätig und 1575 bis 1578 wurde er Vizekönig in Valencia. Während Vespasianos Zeit in Navara und Valenzia war er auch am dortigen Stadtausbau beteiligt. In Navara ließ er die Festungen von Pamplona und San Sebastian ausbauen und als Vizekönig von Valencia ließ er etwa in Pegniscola zwei neue Bastionen errichten. Er brachte Ideen zurück nach Sabbioneta. 1575 wurde er von Kaiser Rudolf zum Herzog ernannt. 1580 starb sein einziger Sohn Luigi, laut Gerüchten durch Verschulden des Vaters. Der Herzog von Sabbioneta verfiel in Melancholie und brach seine militärische Karriere ab. 1582 heiratete Vespasiano Magharita Gonzaga, die Tochter Cesare I. Gonzaga. Aus dieser Ehe erhielt er jedoch, wie auch aus seiner ersten Ehe, keine Kinder. Sein einziges Kind, seine Tochter Isabella, verheiratete er 1584 mit Luigi Caraffa, Prinz von Stigliano (in Basilikata). 1585 wurde Vespasiano von König Philipp II. zum Ritter des Orden vom Goldenen Vlies (Toson d’oro) ernannt. 1591 verstarb Vespasiano im Alter von 60 Jahren.[1]

Sabbioneta[Bearbeiten]

Sabbioneta war eine unbedeutende Ortschaft in der nähe von Mantua. Erst Vespasionos Bautätigkeit sollte sie zu einer der Idealstädte der Renaissance machen. Vespasiano hatte Sabbionetta 1540 von seinem Großvater Ludovico geerbt. Während seiner Minderjährigkeit kümmerten sich aber noch Vespasianos Vormund der Kardinal Ercole und Ferrante Gonzaga um die Regierungsgeschäfte in Sabbioneta. Nach seiner Heirat mit Diana di Cordona machte er Sabbioneta zu seiner Residenz und begann mit ersten Bauarbeiten. Nach dem Tode seiner Frau war Vespasiano vermehrt in Sabbioneta und kümmerte sich persönlich um den Ausbau der Stadt. 1562 befahl er eine Zwangsumsiedlung der Bewohner des Umlandes in die Neustadt. Im selben Jahr wurde auch eine Akademie für humanistische Bildung unter der Leitung von Marius Nizolius (Mario Nizzoli) eröffnet. Vespasiano bemüht sich darum gelehrte Männer an seinen Hof zu holen. Und Aufgrund des verhältnismäßig hohen Anteils von gebildeten Männern an der Bevölkerung wurde Sabbioneta von Zeitgenossen auch „piccola Atene“ genannt. 1575 wurde Vespasiano zum Herzog ernannt und Sabbioneta erhielt von Kaiser Maximilian II. das Stadtrecht verliehen. In seinen letzten Lebensjahren konzentrierte sich Vespasiano voll auf die Bautätigkeiten in Sabbioneta, welches jedoch nach seinem Tode wieder an Bedeutung verlor.[2] Um 1590 entstand in Sabbioneta mit dem Teatro Olimpico das älteste heute noch vorhandene, freistehende und nur für den Zweck des Theaters gebaute Gebäude Europas.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bettina Marten: Die Festungsbauten Vespasiano Gonzagas unter Philipp II. von Spanien, Diss. Hamburg 1995
  • Bettina Marten: Vespasiano Gonzaga – ein Außenseiter im Familienbild 2000.
  • Gerrit Confurius: Sabbioneta oder Die schöne Kunst der Stadtgründung. Fischer Taschenbuch Verlag, 1991, ISBN 9783596105328.
  • Susanne Grötz: Sabbioneta. Die Selbstinszenierung eines Herrschers. Marburg 1993, ISBN 978-3-89445-146-2
  • Hildegard Wulz: Die „Galleria degli Antichi“ des Vespasiano Gonzaga in Sabbioneta. Petersberg 2006, ISBN 3-86568-095-X

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Bettina Marten: Vespasiano Gonzaga – ein Außenseiter im Familienbild 2000.
  2. Gerrit Confurius: Sabbioneta oder Die schöne Kunst der Stadtgründung. Fischer Taschenbuch Verlag, 1991, ISBN 978-3-596-10532-8.