Gonzaga

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Dieser Artikel behandelt die italienische Fürstenfamilie; zu weiteren Bedeutungen siehe Gonzaga (Begriffsklärung).
Gonzaga: Von Gold und Schwarz sechsfach geteilt

Gonzaga ist der Name einer nach der Burg Gonzaga bei Mantua benannten italienischen Fürstenfamilie. Diese stellte unter anderem in der Stadtkommune, später in der Markgrafschaft und schließlich im Herzogtum Mantua die führende Familie dar.

Familiengeschichte[Bearbeiten]

Luisa Maria Gonzaga, Königin von Polen

Die Gonzaga sind mit Corradi di Gonzaga seit dem 12. Jahrhundert nachgewiesen. Sie regierten in Mantua von 1328 bis 1708 als Nachfolger der Familie Bonacolsi, die seit 1276 in Mantua an der Macht gewesen war. 1329 belehnte Kaiser Ludwig IV. Luigi I. (auch Ludovico I.) Gonzaga mit dem Reichsvikariat Mantua, 1362 wurden sie zu Grafen erhoben. 1433 nahm Gianfrancesco Gonzaga den Titel eines Markgrafen (Marchese) und 1530 Federico II. den eines Herzogs von Mantua an. 1536 erhielt die Familie die Markgrafschaft Montferrat (Monferrato) durch Heirat, 1539 die Grafschaft Guastalla durch Kauf, und erreichte damit den Höhepunkt ihrer politischen und kulturellen Bedeutung. Der Hauptstamm erlosch 1627, was den Mantuanischen Erbfolgekrieg auslöste. Der Kaiser versuchte, Mantua als erledigtes Reichslehen einzuziehen, doch erhielt am Ende des Krieges der Herzog von Nevers und Rethel aus einer jüngeren Linie der Gonzaga auch das Herzogtum Mantua. Erst der Ausgang des Spanischen Erbfolgekriegs beendete die Auseinandersetzung im Sinne des Kaisers: Der Herzog von Mantua und Montferrat (Nevers und Rethel waren 1659 an den Kardinal Mazarin verkauft worden) stellte sich auf die französische Seite, der Kaiser zog das Land ein.

Die Nebenlinien der Gonzaga starben im 18. Jahrhundert aus: Die Fürsten von Bozzolo 1703, die Fürsten von Novellara 1728, die Herzöge von Guastalla 1746, die Markgrafen von Luggara 1794. Nur eine Seitenlinie der Fürsten von Vescovado, Nachkommen von Giovanni Gonzaga (1474–1525), besteht noch heute.

Die Herrschaft Mantua[Bearbeiten]

Wappen der Herzöge von Mantua

Die Regenten Mantuas aus der Familie Gonzaga waren:

  1. Luigi I. (Stadtherr von Mantua 1328–1360)
  2. Guido (1360–1369, Graf von Mantua seit 1362)
  3. Luigi II. (1369–1382)
  4. Francesco I. (1382–1407)
  5. Gianfrancesco I. (1407–1444, Markgraf von Mantua seit 1433)
  6. Luigi III. genannt „il Turco“ (1444–1478)
  7. Federico I. (1478–1484)
  8. Gianfrancesco II. (1484–1519)
  9. Federico II. (1519–1540, Herzog von Mantua 1530)
  10. Francesco III. (1540–1550)
  11. Guglielmo (1550–1587)
  12. Vincenzo I. (1587–1612)
  13. Francesco IV. (1612)
  14. Ferdinando (1612–1626)
  15. Vincenzo II. (1626–1627)

Das Herzogtum Mantua fiel anschließend an die jüngere Linie Gonzaga-Nevers:

  1. Carlo I. (1630–1637), Herzog von Nevers und Rethel
  2. Carlo III. (1637–1665), Herzog von Nevers und Rethel bis 1659
  3. Carlo IV. (1665–1708)

1708 wurde Mantua in der Folge des Spanischen Erbfolgekrieges von den Habsburgern übernommen.

Palazzo Gonzaga di Vescovado in Mailand

Bis heute blüht noch eine Seitenlinie, die Gonzaga di Vescovato, jüngere Nachfahren des Gianfrancesco I. Gonzaga. Der Chef dieser Linie trägt (in Primogenitur) den Fürstentitel des Heiligen Römischen Reichs sowie die Titel Marchese Gonzaga, Conte di Villanova, Conte di Cassolnovo , Marchese del Vodice, Signore di Vescovato, Patrizio Veneto.

Die Herzogtümer Nevers und Rethel[Bearbeiten]

Die Herzogtümer Nevers und Rethel kamen durch die Ehe Luigi Gonzagas mit Henriette von Kleve, der Tochter des Herzogs Franz I. von Nevers, in die Familie. Die Regenten von Nevers und Rethel aus der Familie Gonzaga waren:

Wappen der Gonzaga de Nevers
  1. Luigi (1566–1595)
  2. Carlo I. (1595–1637, Herzog von Mantua 1630, siehe oben)
  3. Francesco († 1622 als Herzog von Rethel)
  4. Carlo II. († 1631 als Herzog von Rethel)
  5. Carlo III. (1637–1659)

Die Herzogtümer Nevers und Rethel wurden 1659 an den Kardinal Mazarin verkauft.

Die Herrschaft Guastalla[Bearbeiten]

Palazzo Ducale in Guastalla

Die Regenten Guastallas aus der Familie Gonzaga waren:

  1. Ferrante I. (Graf von Guastalla 1539–1557); Feldherr des Kaisers Karl V., 1536–1546 Vizekönig von Sizilien, 1546–1555 Gouverneur von Mailand.
  2. Cesare I. (1557–1575, auch Herzog von Amalfi)
  3. Ferrante II. (1575–1632, 1621 Herzog von Guastalla)
  4. Cesare II. (1632–1632)
  5. Ferrante III. (1632–1678)
  1. Vincenzo (1692–1714)
  2. Antonio Ferrante (1714–1729)
  3. Giuseppe (1729–1746)

Guastalla fällt an die Habsburger und wird mit dem Herzogtum Parma und Piacenza vereinigt.

Die Herrschaft Montferrat (Monferrato)[Bearbeiten]

Die zum Herzogtum erhobene Markgrafschaft Montferrat kam 1533 durch die Ehe des Herzogs Federico II. von Mantua mit Margarete, der Tochter des Wilhelm XI. von Montferrat an die Gonzaga. Die Regenten Montferrats aus der Familie Gonzaga waren:

  1. Federico II. (1533–1540)
  2. Francesco III. (1540–1550)
  3. Guglielmo (1550–1587)
  4. Vincenzo I. (1587–1612)
  5. Francesco IV. (1612)
  6. Ferdinando (1612–1626)
  7. Vincenzo II. (1626–1627)
  8. Carlo I. (1627–1637), Herzog von Nevers und Rethel
  9. Carlo III. (1637–1665), Herzog von Nevers und Rethel bis 1659
  10. Carlo IV. (1665–1708)

Montferrat fiel 1708 an Savoyen.

Weitere Gonzaga[Bearbeiten]

Elisabetta Gonzaga, Ehefrau von Guidobaldo da Montefeltro, Herzog von Urbino

Würdigungen und Nachbenennungen[Bearbeiten]

Verschiedene katholische Institutionen sind nach Aloisius von Gonzaga benannt:

Literatur[Bearbeiten]

  • Christina Antenhofer: Briefe zwischen Süd und Nord. Die Hochzeit und Ehe von Paula de Gonzaga und Leonhard von Görz im Spiegel der fürstlichen Kommunikation (1473–1500). Wagner, Innsbruck 2007, (Schlern-Schriften 336, ZDB-ID 503740-2), (Zugleich: Innsbruck, Univ., Diss., 2004).
  • Cinzia Bertoni, Fiorello Tagliavini: Il tempo dei Gonzaga. Amministrazione Provinciale di Reggio Emilia u. a., Guastalla u. a. 1985.
  • Selwyn Brinton: The Gonzaga. Lords of Mantua. Methuen, London 1927.
  • Giuseppe Coniglio (Hrsg.): Mantova. 1.: La storia. 3 Bände. Istituto Carlo d’Arco per la storia di Mantova, Mantua 1958–1963.
  • Giuseppe Coniglio: I Gonzaga. Dall'Oglio, Mailand 1967, (Grandi famiglie).
  • Ebba Severidt: Familie, Verwandtschaft und Karriere bei den Gonzaga. Struktur und Funktion von Familie und Verwandtschaft bei den Gonzagen und ihren deutschen Verwandten (1444–1519). DRW, Leinfelden-Echterdingen 2002, ISBN 3-87181-745-7, (Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde 45).

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: House Gonzaga – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien