Visitenkarte

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Eine Visitenkarte ist ein Kärtchen mit Namen und weiteren Daten einer Person. Vornehm wird eine solche Karte auch als Besuchskarte bezeichnet.

Funktion[Bearbeiten]

Etwa 7 x 9 cm große, vorgedruckte Visitenkarte mit handschriftlicher Aufschrift „La Comtesse de Wallis née Comtesse Desfours ppc.“, Wien um 1800
Visitenkarte von Johann Wolfgang von Goethe
Vorder- und Rückseite einer zeitgemäßen Visitenkarte

Die Bezeichnung Visitenkarte rührt her von der ursprünglichen Funktion: Sie wurde früher beim Besuch in hohem Hause dem Diener oder der Empfangsdame übergeben, die sie dann an den Hausherrn oder die Dame des Hauses weiterreichte. Häufig knickte der Gast seine Karte nach einer bestimmten Regel – die Art der Knickung signalisierte dann den Anlass (z. B. Antritts- oder Beileidsbesuch). Der Knick gestattete es auch, die Karte, die auf einem Silbertablett abgelegt wurde, leichter aufzunehmen. Bei höfischen Festveranstaltungen dienten sie dem Zeremonienmeister zur öffentlichen Ankündigung des Gastes.

Heute tauscht man Visitenkarten hauptsächlich im Berufsleben – auf Messen oder Konferenzen – aus; insbesondere beim Erstkontakt zwischen möglichen Geschäftspartnern. Gewünschter Nebeneffekt ist die diskrete Mitteilung der eigenen Position im Unternehmen.

Sie enthalten nur selten ein Foto, aber immer den Namen, die Adresse und die Telefonnummer der betreffenden Person. Auf geschäftlichen Visitenkarten ist auch das Firmenlogo und Unternehmensname und Titel und Funktion der Person, die die Karte überreicht, abgedruckt. Die Rückseite kann eine englischsprachige Version, eine Anfahrtskizze, ein Foto oder anderes enthalten.

Mit dem Wandel vom Bestandteil der Etikette zum Mittel beruflicher Eigenwerbung können Visitenkarten in Einzelfällen auch mit Slogans oder ähnlichen Merkmalen zur Alleinstellung ergänzt werden. Häufig wird jedoch eine marktschreierische Gestaltung als zu aufdringlich und unseriös empfunden. Von der Visitenkarte abzugrenzen sind Flugblätter im Visitenkartenformat, die im Event-Marketing zum Hinweis auf Veranstaltungen und Ähnliches eingesetzt werden, statt persönliche Kontaktinformationen zu übermitteln.

Aufbewahrt und gesammelt werden Visitenkarten in speziellen Mappen oder Rotationskarteien, wobei es im Zeitalter des Computers immer üblicher wird, die Karten einzuscannen, um die Kontaktdaten der betreffenden Person gleich im Computer abrufbar zu haben.

Herstellung[Bearbeiten]

In früheren Zeiten druckten Kupferstecher die Visitenkarten.

Visitenkarten in kleinen Stückzahlen (als Provisorium für neue Mitarbeiter oder für den privaten Bereich) werden heute oft mit handelsüblichen Tintenstrahldruckern hergestellt.

Visitenkarten für den beruflichen Einsatz werden gewöhnlich von Druckereien im Offsetdruckverfahren hergestellt. Die klassische Visitenkarte wird auf Feinstkarton gedruckt, z. B. Diplomatenkarton oder Elfenbeinkarton. Besonders hochwertige Karten werden mittels Stahlstich hergestellt. Dafür wird das Druckmotiv von Hand als Gravur in eine Stahlplatte gestochen. Im Gegensatz zu den üblichen gedruckten Visitenkarten ist bei diesen Karten das aufgedruckte Motiv erhaben. Das heißt, dass sich die Schrift dreidimensional vom Papier abhebt und zudem leicht glänzt. Günstigere Varianten mit demselben Effekt sind der sogenannte UV-Spotlack- oder auch partielle UV-Lack-Druck und der in den USA entwickelte sogenannte Thermoreliefdruck. Die letzten beiden Verfahren sind in Nord- wie in Südamerika sehr weit verbreitet.

Bei günstigen Online-Druckereien werden heute aber meist nur einfache Naturpapierkartons angeboten oder Bilderdruckpapier matt, da Feinstkartons schwieriger zu bedrucken sind. Die Visitenkarten werden in standardisierten Sammeldruckformen mit vielen anderen Druckaufträgen gemeinsam verarbeitet. Wer Visitenkarten bei Online-Druckereien allerdings selbst bestellen möchte, muss in der Lage sein, druckfähige Dateien zu erstellen, in der Regel als PDF-Datei. Diese kann dann per Datenupload bei der Bestellung an die Online-Druckerei mit hochgeladen werden.

Im Gegensatz zu Briefen und dem Layout von Briefbögen gibt es für Visitenkarten keine DIN-Norm.

Formate und Materialien[Bearbeiten]

Übliche Formate[Bearbeiten]

Visitenkarten haben kein standardisiertes Format, es hat sich jedoch die Scheckkarten-Größe (85,6 × 54 mm) eingebürgert, weil sie am bequemsten zu transportieren ist und viele Aufbewahrungshilfen für dieses Format ausgelegt sind.

Zeitweilig traten als Modeerscheinung vermehrt aufklappbare Visitenkarten auf, um die Nutzfläche zu vergrößern. Diese Variante hat jedoch den Nachteil, dass sie bei Aufbewahrung in Einsteckhüllen nur einen Teil der aufgedruckten Kontaktdaten präsentieren kann und zum Lesen der Innenseiten entnommen werden muss.

Breite Höhe verwendet in
85 mm 55 mm Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien, Schweiz, Niederlande, Österreich, Türkei
88,9 mm 50,8 mm USA, England, Kanada (3½ × 2 in)
90 mm 55 mm Australien, Schweden, Norwegen, Dänemark
90 mm 54 mm Hong Kong
90 mm 50 mm Argentinien, Finnland, Russland, Ungarn, Polen, Rumänien
91 mm 55 mm Japan
Breite Höhe Format
74 mm 52 mm DIN A8
81 mm 57 mm DIN C8
85 mm 55 mm Scheckkarte (EU)
85,6 mm
100 mm
54 mm
65 mm
Scheckkarte (ISO 7810)
Scheckkarte mit Foto

Übliche Materialien[Bearbeiten]

Am weitesten verbreitet sind Visitenkarten aus Karton in der Stärke von 150–300 g/m².

Da Visitenkarten neben der Informationsvermittlung auch als Werbeträger dienen, werden sie bisweilen auch aus anderen Materialien (etwa Kunststoff, Aluminium, Edelstahl, Holz oder Gummi) hergestellt, um besonders aufzufallen.

Fotos als Visitenkarten[Bearbeiten]

siehe Artikel Visitenkartenporträt

Visitenkarten in Japan[Bearbeiten]

Verglichen mit Europa hat die Visitenkarte (Meishi) in Japan einen höheren Stellenwert. Da japanische Namen mit vielen unterschiedlichen, aber gleichlautenden Zeichen geschrieben werden können, ist sie nötig, um die korrekte Schreibweise eines Namens zu erfahren. Außerdem spielt die genaue Position des Kartenbesitzers in einem Unternehmen eine wichtige Rolle im Umgang miteinander. Die Übergabe einer Karte folgt festen Abläufen: Die ältere Person oder die ranghöhere hat der jüngeren oder rangniedrigeren Person als erstes die Karte zu übergeben. Die Übergabe erfolgt mit beiden Händen und anschließendem Verbeugen. Daraufhin wird die Karte genau betrachtet und auf keinen Fall sofort eingesteckt. Vielmehr wird sie achtsam auf die Seite gelegt; es gilt als besonders grober Fauxpas, die Karte in die Hosen- bzw. Gesäßtasche zu stecken. Anschließend hat die jüngere oder rangniedrigere Person die Karte auf gleiche Weise zu überreichen. Die Karte selbst entspricht der europäischen. Wenn Japaner regelmäßigen Kontakt mit Ausländern pflegen, verwenden sie in der Regel eine zweisprachige Karte, auf der sich auf einer Seite eine englische Übersetzung befindet.

Visitenkarten im Couleurstudententum[Bearbeiten]

Die Übergabe einer eingerissenen Visitenkarte zwischen Mitgliedern zweier schlagenden Verbindungen ist als Aufforderung zur Satisfaktion zu sehen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gustav Pazaurek: Künstlerische Besuchskarten. In: Mitteilungen des Württembergischen Kunstgewerbevereins. Jg. 1907-1908, S. 53–74 (Digitalisat)
  • Dieter Urban: Gestaltung von Visitenkarten. (= Novum Praxis). Bruckmann, München 1993, ISBN 3-7654-2632-6
  • Walter von zur Westen: Zur Geschichte der Besuchskarte. In: Mitteilungen des Exlibris-Vereins zu Berlin, Bd. 29, 1919, Nr. 1-2, S. 1–14

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Business card – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Visiting cards – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien