Vogelkop

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Vogelkop
Vogelkopf- und Bomberai-Halbinsel (West-Papua, Neuguinea)
Vogelkopf- und Bomberai-Halbinsel (West-Papua, Neuguinea)
Gewässer 1 Pazifischer Ozean
Gewässer 2 Bentuni-Bucht

Geographische Lage

1° 28′ 0″ S, 132° 45′ 0″ O-1.4666666666667132.75Koordinaten: 1° 28′ 0″ S, 132° 45′ 0″ O
Vogelkop (Indonesien)
Vogelkop
Länge 370 km
Breite 215 km
Fläche 55.604 km²
Satellitenbild
Satellitenbild

Der Vogelkop (auch Vogelkopf oder Doberai-Halbinsel, indonesisch Semenanjung Kepala Burung oder Semenanjung Doberai, englisch Bird's Head Peninsula) ist eine Halbinsel im Nordwesten Neuguineas in der indonesischen Provinz Papua Barat. Ihren niederländischen Namen hat die früher zu Niederländisch-Neuguinea gehörende Halbinsel auf Grund der Form Neuguineas, die an die Form eines sitzenden Vogels erinnert. Die Halbinsel wird bei dieser Betrachtung als Kopf ausgemacht.

Geographie[Bearbeiten]

Mangroven

Die südöstliche Ecke der Halbinsel an der Cenderawasih-Bucht (früher Geelvink-Bucht) ist Bestandteil des Nationalpark Teluk Cenderawasih. Während die Küstenregionen im Südwesten flach und von feuchten Sumpfgebieten durchzogen sind, ist der Nordosten von Gebirge bestimmt. Die höchste Erhebung ist ein ebenfalls Vogelkop oder auch Gunung Mebo genannter 3100 m hoher Berg.

Bedeutendste Orte sind Manokwari, Sorong, Bintuni und Ransiki. Bei Sorong und Bintuni gibt es Erdöl-Vorkommen.

Die die Halbinsel im Süden begrenzende Bentuni-Bucht ist der mit 4352 km² weltgrößte Mangrovensumpf und zugleich das größte Mangrovenlabyrinth der Erde.[1] Hier entstand von 2005 bis 2009 unter Leitung von BP das Mammut-Projekt Tangguh zur Förderung von jährlich 7,6 Millionen Tonnen[2] Flüssigerdgas mit einer Investition von 3 Milliarden Dollar.[3] 2002 förderte Indonesien 23 Millionen Tonnen und stand damit an der Weltspitze.

Sprachen[Bearbeiten]

Auf der Vogelkop-Halbinsel werden sowohl austronesische Sprachen als auch Papua-Sprachen gesprochen, wobei letztere Gruppe die überwiegende Mehrheit darstellt. Rechnet man die nordwestlich gelegene Inselgruppe Raja Ampat (deutsch Vier Könige) sowie die vorgelagerte Insel Meoswar (oder Waar) hinzu, werden auf dem Vogelkop über 30 unterschiedliche Sprachen gesprochen.[4][5] Dabei spiegelt die geographische Verteilung der Sprachen (wie auch andernorts auf Neuguinea) die verschiedenen Besiedlungswellen der Insel wider: als die seefahrenden Austronesier vor 3000-4000 Jahren[6] Neuguinea erreichten, war das Inland der Insel bereits von Papuagruppen bewohnt. Die Neuankömmlinge ließen sich dagegen vorwiegend an den Küsten und auf vorgelagerten Inseln nieder.

Zu den Austronesischen Sprachen auf der Vogelop-Halbinsel zählen die auf den Raja Ampat-Inseln gesprochenen Sprachen im Nordwesten (inklusive As an der Nordwestküste, östlich von Sorong[7]), Wandamen im Südosten am "Hals" des Vogels in der Bintuni-Region und Meoswar auf einer vorgelagerten Insel im Südosten. Hinzu kommen östliche Varietäten des Indonesischen (englisch Papuan Malay), die mittlerweile in allen Siedlungen und größeren Städten gesprochen werden, die alte regionale lingua franca Biak im Bereich Manokwari, sowie andere Regionalsprachen, die von Migranten aus unterschiedlichen Regionen West-Papuas eingeführt worden sind.

Übersicht über das Trans-New-Guinea-Phylum

Die auf der Vogelkop-Halbinsel gesprochenen Papua-Sprachen lassen sich unter dem Begriff West-Papua-Sprachen zusammenfassen, der allerdings keine genetische Verwandtschaft anzeigt, sondern vielmehr als Sammelbegriff für einen bestimmten geographischen Sprachraum dient (zu dem gewöhnlich auch die Molukken mit Halmahera sowie die Timor-Alor-Pantar-Gruppe gerechnet werden.)[8] Die phylogenetische Klassifikation der Papua-Sprachen ist zum Teil noch nicht abschließend geklärt. Gemeinhein werden nach Wurm, McElhanon und Voorhoeve [9] die South Bird's Head-Sprachen im Südwesten des Vogelkops zum Trans-New Guinea Phylum gezählt, der weitaus größten nicht-austronesischen Sprachfamilie auf Neuguinea. Weitere postulierte Sprachfamilien sind die West-Bird's-Head-Sprachen im Westen, die East-Bird's-Head-Sprachen Meyah und Sougb sowie die Hatam-Mansim-Familie im Osten, und die unklassifizierten Sprachen Maybrat, Abun und Mpur im Inland der Halbinsel.[8]

Korallenriff Raja Ampat[Bearbeiten]

Bei einer Schnelluntersuchung der Korallenriffe der Raja-Ampat-Inseln (auch Distrikt Raja Ampat) an der westlichen Spitze der Vogelkop-Halbinsel durch Conservation International 2002 stellte sich heraus, das sich hier eines der reichsten Korallenriffe der Welt in noch gutem Zustand befindet. Innerhalb kürzester Zeit wurden 1074 Fischarten gefunden. Gerald Allen notierte den Rekord, bei einem einzigen Tauchgang 284 verschiedene Arten zu zählen.[10] Das Gebiet hat die welthöchste Anzahl an Steinkorallenarten für ein Gebiet vergleichbarer Größe. Etwa 75 % der weltweit bekannten Korallenarten befinden sich hier. Insgesamt 488 Arten an Steinkorallen wurden identifiziert. Von 35 weiteren Arten sind 13 vermutlich neu für die Wissenschaft. Es wird erwartet, dass nach einer gründlichen Untersuchung Raja Ampat die bisherigen Spitzenreiter der Biodiversität von Korallenriffen, Milnebucht in Papua-Neuguinea und Maumerebucht auf der Insel Flores, Indonesien hinter sich lässt. Das zehnmal größere australische Große Barriereriff weist deutlich weniger Arten auf. Das Gebiet befindet sich im Zentrum des sogenannten Korallendreiecks, das die Philippinen, Teile Indonesiens, Neuguinea und die Salomon-Inseln umfasst. Die größte Gefährdung geht von Dynamitfischerei und Cyanidfischerei aus, die weniger von den lokalen Fischern, sondern von Fischern der weiteren Umgebung ausgeübt werden.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sihite, Lense, Suratri, Gustiar, Kosamah: Bintuni bay nature reserve management plan, Irian Jaya Barat Province, 2006 - 2030. Manokwari 2005 http://www.coraltrianglecenter.org/downloads/Bintuni_english_screen.pdf S. 27 - vgl. Sundarbans
  2. Pressemeldung vom 6. Juli 2009 auf www.bp.com
  3. Tangguh LNG Project: Summary Environmental Assessment. 2005 pdf 2,3 MB
  4. Western Irian Jaya. Canberra: Pacific Linguistics o.J.
  5. Indonesia - Northwestern Irian Jaya. Dallas: SIL International 2004.
  6. Ger Reesink: "West Papuan languages: roots and development". In: Papuan pasts: cultural, linguistic and biological histories of Papuan-speaking peoples. Hrsg. von Andrew Pawley u.a. Canberra: Pacific Linguistics 2005, S.185
  7. The Ethnologue: As. Abgerufen am 22. Januar 2011
  8. a b Ger Reesink: "West Papuan languages: roots and development". In: Papuan pasts: cultural, linguistic and biological histories of Papuan-speaking peoples. Hrsg. von Andrew Pawley u.a. Canberra: Pacific Linguistics 2005, S.186-187
  9. C. L. Voorhoeve: "Central and Western Trans-New Guinea Phylum Languages". In: Papuan Languages and the New Guinea Linguistic Scene. Hrsg. von S. A. Wurm. Canberra: Pacific Linguistics 1977 [1975].
  10. in etwa 60-90 Minuten