Volksrepublik Buchara

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Volksrepublik Buchara
Flagge der Volksrepublik Buchara
Amtssprachen Tschagatai, Dari
Hauptstadt Buchara
Staatsform Volksrepublik
Existenzzeitraum 1920–1924
Religionen Sunnitischer Islam, Sufismus (Naqschbandi), Judentum
Zentralasien 1922

Die Volksrepublik Buchara war von 1920 bis 1924 sowohl kurzlebige Volksrepublik als auch ein Satellitenstaat Sowjetrusslands bzw. der Sowjetunion und 1924 bis 1925 eine SSR innerhalb der UdSSR. Ihr Gebiet umfasste 182.193 km² und etwa 2,2 Millionen Einwohner, hauptsächlich Usbeken (60 %), Tadschiken (30 %) und Turkmenen (10 %).[1]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Das Emirat Buchara war seit 1868 Teil des Russischen Reiches, die Mangit-Dynastie hatte jedoch noch umfassende Herrschaftsrechte. Nach dem Zusammenbruch des Zarenreichs (1917) versuchte der Emir ab 1919, die russische Oberherrschaft durch ein britisches Protektorat zu ersetzen und somit seine Herrschaft zu erhalten.

Fajzullah Chodscha, ein radikaler Reformist mit Kontakten zu den Sowjets und nach dem Emir Alim Khan zweitreichster Mann Bucharas, organisierte den Widerstand gegen den Emir.[2] Er beabsichtigte kulturelle und soziale Reformen. 1920 ging seine „Kommunistische Partei von Buchara“ zu bewaffnetem Widerstand über und bat am 29. August 1920 die Sowjets um Hilfe, die die „Werktätigen des Emirats“ sofort unterstützten: Michail Wassiljewitsch Frunse sandte 7.000 Mann Infanterie, 2.500 Mann Kavallerie, 5 Panzerzüge, 40 Geschütze und 11 Flugzeuge nach Buchara, die „Kommunisten“ des Emirats verfügten angeblich über 5.000 Mann Infanterie und 2.000 Mann Kavallerie. Auf Seiten des Emirs standen 8.700 Mann Infanterie und 7.500 Mann Kavallerie, dazu angeblich 27.000 irreguläre Kämpfer. Am 2. September 1920 fiel das „alte“ Buchara und der Emir floh nach Afghanistan.

Entwicklung[Bearbeiten]

Am 18. Oktober 1920 wurde die „Sozialistische Volksrepublik Buchara“ ausgerufen, Fajzullah Chodscha wurde „Vorsitzender des Ministerrates“ in Anspruch.[3] Der Regierung fehlten aber die Kader für die Umsetzung von Reformen, sie musste sich auf die des alten Regimes stützen, die naturgemäß wenig interessiert waren. Dazu kam die Angst, die religiösen und gesellschaftlichen Traditionen Bucharas zu verletzen. So verlor die Regierung die Unterstützung der armen Bevölkerungsschichten bald wieder. Im Osten des Landes sammelte der gestürzte Emir Alim Khan mit britischer Hilfe Kämpfer gegen die Sowjets, wurde aber von der Roten Armee Anfang 1921 wieder nach Afghanistan vertrieben. Ende 1921 dann überschritten die Anhänger des Emirs erneut die Grenze und verbündeten sich mit den Basmatschen und Enver Pascha. Enver, von Alim-Khan zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte des Islam und Statthalter des Emirs von Buchara ernannt, eroberte tatsächlich Duschanbe und besetzte ganz Ost-Buchara (Tadschikistan), wurde aber im Sommer 1922 von den Sowjets geschlagen und fiel im Kampf.

Die Volksrepublik Buchara war am 4. März 1921 in einem Bündnisvertrag zwischen Buchara und Sowjetrussland als unabhängig anerkannt worden. Aber de facto wurden die Minister der Republik schon Ende 1923 alle von den Sowjets verhaftet und nach Moskau gebracht, mit Ausnahme Fajzullah Chodschas, bei dessen Verhaftung man einen Volksaufstand fürchtete. Am 19. September 1924 riefen die eingeschüchterten Rückkehrer dann die „Sozialistische Republik Buchara“ aus, die in die Sowjetunion eingegliedert wurde. Am 17. Februar 1925 wurde die SSR von Moskau unter nationalen Gesichtspunkten wieder aufgelöst und zwischen der Usbekischen, der Turkmenischen und der Tadschikischen SSR aufgeteilt.

Beziehungen zu Deutschland[Bearbeiten]

Parallel zu den Rapallo-Verhandlungen zwischen Deutschland und der Sowjetunion traf 1922 auch eine Gesandtschaft der Handelskommission des Obersten Wirtschaftsrates der Bucharischen Volksrepublik in Berlin ein. Die Delegierten Yunus Abd al-Wahhab und 'Azzam Schah Muhammad Schah fielen jedoch am 27. Oktober 1922 einer bis heute nicht völlig aufgeklärten Gasvergiftung zum Opfer. Ihr Nachfolger Jussuf Mukimbajew ließ ihnen im März 1923 auf dem Muslimischen Friedhof in Berlin-Neukölln zwei Grabmale errichten, die noch heute erhalten geblieben sind.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rudolf A. Mark: Krieg an fernen Fronten: Die Deutschen in Zentralasien und am Hindukusch 1914-1924, Paderborn et.al. 2013. ISBN 978-3506777881
  • David X. Noack: Die militärischen und wirtschaftlichen Planungen des Auswärtigen Amtes und der Nachrichtenstelle für den Orient für Russisch-/Sowjetisch- und Chinesisch-Turkestan 1914-1933, Masterarbeit, Potsdam 2013.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zahlen für den Vorgängerstaat der Volksrepublik, das Emirat Buchara um 1900 nach Burchard Brentjes: Chane, Sultane, Emire. Der Islam vom Zusammenbruch des Timuridenreiches bis zur europäischen Okkupation. Koehler und Amelang, Leipzig 1974, S. 259.
  2. Baymirza Hayit: Turkestan im XX. Jahrhundert. Leske, Darmstadt 1956, S. 130.
  3. Baymirza Hayit: „basmatschi“: Nationaler Kampf Turkestans in den Jahren 1917 bis 1934. Dreisam, Köln 1992, ISBN 3-89452-373-5, S. 191.
  4. Gerhard Höpp: Berlin für Orientalisten. Ein Stadtführer, Schwarz, Berlin 2002, ISBN 3-87997-500-0, S. 12.