WCM (Unternehmen)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
WCM Beteiligungs- und Grundbesitz-Aktiengesellschaft
Logo der WCM Beteiligungs- und Grundbesitz-Aktiengesellschaft i.L.
Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN DE000A1X3X33
Gründung 1766
Sitz Frankfurt am Main, Deutschland
Leitung Manfred Schumann, Alleinvorstand
Mitarbeiter 6.526 (2005)
Umsatz 493 Mio. Euro (2006)[1]
Branche Industriebeteiligungen
Website www.wcm.de

Die WCM Beteiligungs- und Grundbesitz-Aktiengesellschaft ist eine deutsche Aktiengesellschaft. Sie hält Finanzbeteiligungen an börsen- und nicht börsennotierten Unternehmen. Die Gesellschaft befand sich seit April 2007 im Insolvenzverfahren, das mit Beschluss des Amtsgerichts Frankfurt am Main – Insolvenzgericht – vom 20. Oktober 2010 gemäß § 258 Abs. 1 InsO aufgehoben wurde. Das Unternehmen strebt eine Fortführung des Geschäftsbetriebs für Mitte 2013 an.

Das Unternehmen ist sowohl an der Frankfurter Wertpapierbörse als auch an anderen deutschen Börsen notiert. Vorstandsvorsitzender von 1999 bis 2006 war Roland Flach, anschließend Karl-Heinz Schweikert (bis 1. November 2010) und seither Manfred Schumann. Aufsichtsratsvorsitzender ist Rainer Laufs.

Kennzahlen[Bearbeiten]

Mit 6.527 Mitarbeitern erzielte der WCM-Konzern im Geschäftsjahr 2005 einen Umsatz von 931 Mio. Euro. WCM hielt vor allem eine indirekte (über die Klöckner-Werke AG) Beteiligung an der KHS AG in Dortmund sowie an den Maternus-Kliniken. Die Beteiligungen im Immobilienbereich wurden größtenteils aufgegeben.

Geschichte[Bearbeiten]

1766 gründete der Unternehmer Johann Heinrich von Schüle aus Augsburg eine Weberei und Stoffdruckerei in Heidenheim an der Brenz. Johann Gottlieb Meebold aus Sulz am Neckar stieß kurz darauf zu dem jungen Unternehmen, das sich mit der Herstellung von Baumwollstoffen beschäftigte. Derartige Stoffe wurden damals Buntes Cattun genannt. So entstand die Württembergische Cattunmanufactur, deren Bezeichnung noch heute im Kürzel WCM wiederzufinden ist. 1856 wurde das Unternehmen nach starker Expansion in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, die in den 1950er-Jahren ihre Blütezeit erlebte. Seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war WCM eine Tochter der I.G. Farben, die stark mit dem nationalsozialistischen Regime verwoben war.

Starker internationaler Wettbewerb führte 1966 zur Einstellung des Produktionsbetriebes. In den folgenden Jahrzehnten beschäftigte sich das Unternehmen mit der Verwaltung des eigenen Grundbesitzes, bis 1991 die Umwandlung in die WCM Beteiligungs- und Grundbesitz-Aktiengesellschaft unter der Regie des Hamburger Spekulanten Karl Ehlerding erfolgte.

Es folgten Beteiligungen an Konzernen wie Württembergische Versicherung AG, Spar Handelsgesellschaft, RSE Grundbesitz und Beteiligungs-AG und Klöckner-Werke. Auch baute das Unternehmen nach und nach einen großen Bestand an Wohnimmobilien auf. 1998 wurde WCM in den MDAX aufgenommen, den es 2005 nach mehreren verlustreichen Jahren und erheblichen Kursverlusten wieder verlassen musste.

Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten der WCM meldeten die Liquidatoren der I.G. Farben am 10. November 2003 Insolvenz an, da durch diese die Liquidität der I.G. Farben nicht mehr hinreichend gesichert war. WCM war selbst einmal Tochter der I.G. Farben, doch Anfang der 1990er-Jahre übernahm die Tochter die Mehrheit der Mutter und ein Großteil des Vermögens der I.G. Farben wurde als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet, anstatt es als Entschädigung an die Zwangsarbeiter auszuzahlen.

Die finanziellen Engpässe der vergangenen Jahre, hervorgerufen durch Fehlspekulationen beim Erwerb von Anteilen der Commerzbank und durch Auseinandersetzungen mit dem Finanzamt, wollte der Vorstand bis zum Sommer 2006 durch eine Verschmelzung mit der gesunden Tochter, den Klöcknerwerken, beheben. Dieser Plan musste wegen offener Fragen um die Bewertung aufgegeben werden. Anfang Oktober 2006 kündigte daraufhin der Hauptgläubiger, die HSH Nordbank Kredite über 200 Mio. Euro, um die verpfändeten Anteile an den Klöcknerwerken und den Maternuskliniken zu verwerten. Die beiden Vorstände, Roland Flach und Valentin Reisgen, traten daraufhin zurück. Anschließend wurde Karl-Heinz Schweikert Vorstand, der schon seit Jahren Vorstands- und Aufsichtsratposten innerhalb der WCM-Gruppe übernommen hatte. Valentin Reisgen war danach noch Vorstandsvorsitzender der KHS AG. Als Reaktion auf den von der HSH Nordbank gekündigten Kredit in Höhe von 200 Million Euro sah sich Ende Oktober 2006 auch die KPE Holding gezwungen, einen Kredit in Höhe von 30 Millionen Euro zu kündigen. Am 8. November 2006 musste das Unternehmen nach gescheiterten Verhandlungen über den gekündigten Kredit der HSH Nordbank einen Insolvenzantrag stellen. Der Wert der Aktie betrug zu diesem Zeitpunkt nur noch 7 Cent. Die von der HSH Nordbank zunächst für Ende November 2006 anberaumte Versteigerung des 68%igen Anteils an den Klöcknerwerken wurde wieder abgesagt. Grund für die Absage der Versteigerung war das Drängen des Insolvenzverwalters Michael C. Frege und der KPE Holding als Mit-Pfandgläubigerin. Beide befürchteten eine Verschleuderung des Pfandes durch und zugunsten der HSH-Nordbank.[2] Bereits im Jahr 2004 war die HSH-Nordbank in den Verdacht gekommen, sich an der Schwäche der WCM bereichert zu haben.[3] Am 8. März 2007 kaufte die Salzgitter AG die Aktienpakete der Klöckner-Werke AG und der RSE AG aus der WCM-Insolvenzmasse vom Insolvenzverwalter Michael C. Frege zu einem wesentlich höheren Preis. Die Salzgitter AG übernahm damit die Mehrheit an den beiden ehemaligen WCM-Tochtergesellschaften. Das Geschäft kam durch Vermittlung von Karl Ehlerding zustande, der an einem höheren Erlös für die WCM interessiert war und später in den Aufsichtsrat der Salzgitter AG gewählt wurde.[4]

Im Insolvenzverfahren der WCM Beteiligungs- und Grundbesitz-Aktiengesellschaft am Amtsgericht Frankfurt 2009 haben die Gläubiger und der Vorstand der WCM AG im Erörterungs- und Abstimmungstermin am 23. November 2009 dem vom Insolvenzverwalter vorgelegten Insolvenzplan zugestimmt. Das Insolvenzgericht hat den Insolvenzplan bestätigt. Mit der Bestätigung des Insolvenzplans war die Grundlage für einen Fortbestand der WCM AG geschaffen worden.[5]

Mit Beschluss des Amtsgerichts Frankfurt – Insolvenzgericht – vom 20. Oktober 2010 wurde das Insolvenzverfahren gemäß § 258 Abs. 1 InsO aufgehoben. Das Insolvenzgericht ordnete zugleich die Planüberwachung an. Die Überwachung des Insolvenzplanes erfolgt durch den bisherigen Insolvenzverwalter.

Die WCM Beteiligungs- und Grundbesitz-AG bereitet derzeit die Wiederaufnahme ihres Geschäftsbetriebs vor. Der bisherige Alleinvorstand der Gesellschaft, Karl-Ernst Schweikert, hat sein Amt am 1. November 2010 auf eigenen Wunsch mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Am gleichen Tag fand die erste Sitzung des Aufsichtsrats nach der Aufhebung des Insolvenzverfahrens statt. Der Aufsichtsrat berief einstimmig Manfred Schumann zum neuen Alleinvorstand der Gesellschaft.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Veröffentlichung im elektronischen Bundesanzeiger
  2. Ein ähnlichen Verdacht äußerte der Bankrechtler Daniel Schütze: Daniel Schütze, Wider die Verschleuderung von Unternehmen durch Pfandversteigerung, Arbeitsbericht der Hochschule für Bankwirtschaft Nr. 51, 2004, S. 3.
  3. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-32628546.html
  4. Börsen-Zeitung, 18. Dezember 2008
  5. WCM Beteiligungs- und Grundbesitz-AG i. Ins. / Insolvenz