Walter Schulz (Philosoph)

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Walter Schulz (* 18. November 1912 in Gnadenfeld/Oberschlesien; † 12. Juni 2000 in Tübingen) war ein deutscher Philosoph.

Karriere[Bearbeiten]

Schulz studierte von 1933 bis 1938 Klassische Philologie, Philosophie und Evangelische Theologie an den Universitäten Marburg, wo er in Philosophie Karl Löwith, Gerhard Krüger, Hans-Georg Gadamer hörte und in Theologie von Rudolf Bultmann beeindruckt wurde und kurz in Breslau. Er folgte Hans-Georg Gadamer 1939 nach Leipzig, wo er sein Staatsexamen in Philologie und Philosophie ablegte. Nach seiner zweiten, schweren Verwundung als Soldat im Zweiten Weltkrieg promovierte er 1944 bei Hans-Georg Gadamer in Leipzig über die Unsterblichkeitsbeweise im Platonischen Phaidon. Schulz habilitierte sich 1951 in Heidelberg mit einer Arbeit über Schellings Spätphilosophie. 1955 wurde er als Professor an die Universität Tübingen berufen. Einen Ruf nach Freiburg im Breisgau auf den Lehrstuhl Martin Heideggers lehnte er 1958 ab. Bis zu seiner Emeritierung 1978 gehörte er zu den Tübinger Gelehrten mit der größten Zuhörerschaft.

Werk[Bearbeiten]

In seiner 1955 erschienenen Habilitationsschrift Die Vollendung des Deutschen Idealismus in der Spätphilosophie Schellings entwickelte Schulz die These, dass im Gegensatz zur herkömmlichen Darstellung nicht in Hegels System der theoretische Höhepunkt der deutschen idealistischen Philosophie zu sehen sei, sondern in Schellings Spätphilosophie. Schulz entwickelt hier die Grundlinien seiner im weiteren Werk entfalteten philosophiegeschichtlichen Einbindung des Idealismus und der Philosophie des späteren 19. Jahrhunderts in den Gesamtzusammenhang der europäischen Metaphysik – ein Zusammenhang, der sich immer mehr als eine Abkehr von metaphysischen Gewissheiten zeigen wird.

In den folgenden Jahren arbeitete er mit Beiträgen über die Stellung des Philosophierens etwa bei Nikolaus Cusanus, Johann Gottlieb Fichte und Søren Kierkegaard diesen zentralen Gedanken weiter heraus: dass nämlich die Philosophie ihre Begründung aus dem Zusammenhang der klassischen europäischen Metaphysik verloren hat und doch im Blick auf die Gebrochenheit des menschlichen Weltbezuges weiter als kritische Instanz des Denkens vonnöten ist. In seinen Hauptwerken Philosophie in der veränderten Welt - das ein weites Echo fand[1] - und Ich und Welt stellt er diese Problematik ins Zentrum des Versuchs, eine Orts- und Grenzbestimmung der sich im Denken vergewissernden Subjektivität zu geben.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Klett-Kotta Verlag: Pressestimmen zur Philosophie in der veränderten Welt (FAZ, ZEIT etc.)

Schriften[Bearbeiten]

  • Seele und Sein. Beiträge zur philosophischen Interpretation der Unsterblichkeitsbeweise im Platonischen Phaidon. Dissertation. Leipzig 1944.
  • Die Vollendung des Deutschen Idealismus in der Spätphilosophie Schellings. Habilitationsschrift. Heidelberg. Kohlhammer, Stuttgart 1955.
  • Der Gott der neuzeitlichen Metaphysik. Neske, Pfullingen 1957.
  • Philosophie in der veränderten Welt. Neske, Pfullingen 1972.
  • Ich und Welt. Philosophie der Subjektivität. Neske, Pfullingen 1979.
  • Vernunft und Freiheit. Sieben Aufsätze. Reclam, Stuttgart 1981.
  • Metaphysik des Schwebens. Untersuchungen zur Geschichte der Ästhetik. Neske, Pfullingen 1985.
  • Grundprobleme der Ethik. Neske, Pfullingen 1989.
  • Subjektivität im nachmetaphysischen Zeitalter. Aufsätze. Neske, Pfullingen 1992.
  • Der gebrochene Weltbezug. Aufsätze zur Geschichte der Philosophie und zur Analyse der Gegenwart. Neske, Stuttgart 1994.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]