Warren Bennis

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Warren Bennis

Warren Gameliel Bennis[1] (* 8. März 1925 in New York, † 31. Juli 2014 in Los Angeles) war ein US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler und eine der führenden Autoritäten im Bereich Organisationsentwicklung (organizational development), Führungstheorie und Änderungsmanagement.[2] Seine letzte berufliche Stellung war eine Professur für Betriebswirtschaftslehre an der University of Southern California, wo er auch das Leadership Institute gründete. Darüber hinaus war er Vorsitzender des Aufsichtsrats an der Harvard University Kennedy School of Government's Center for Public Leadership. Bennis lehrte an der MIT Sloan School of Management und der Boston University.

Leben[Bearbeiten]

Bennis wurde am 8. März 1925 in New York geboren und wuchs in Westwood (New Jersey) auf.[2] Er leistete seinen Militärdienst als Infanterieoffizier der US Army von 1943 bis 1947 und wurde für seinen Einsatz in Deutschland mit dem Purple Heart und dem Bronze Star ausgezeichnet.[2][3] Nach der Rückkehr nach Amerika studierte er am Antioch College bis zum Erreichen des Bachelors (1951) und am Massachusetts Institute of Technology (MIT) wo er 1955 mit einem Doktorat in Wirtschaftswissenschaften und Soziologie abschloss.[2][3] Er begann eine Laufbahn als Lehrer am MIT.[2]

Mit 42 Jahren gab Bennis seine Position am MIT auf und übernahm die Position eines Stellvertretenden Präsidenten (Executive Vice-President) der State University of New York in Buffalo (1967 bis 1971). 1971 bis 1977 war Bennis Präsident der University of Cincinnati.[3] Diese praktische Erfahrung floss auch in sein Schrifttum ein.[3] Seit 1979 lehrt Bennis an der University of Southern California.[3]

Als Berater von vier Präsidenten der USA, einschließlich John F. Kennedy und Ronald Reagan, hatte Bennis über viele Jahre Einfluss auf die US-amerikanische Regierung.[3] Bennis schrieb 27 Bücher über Führung oder war an ihrer Entstehung beteiligt, beriet Unternehmen und hielt weltweit Vorlesungen.[3]

Sein Titel "Leaders" (1985, in Zusammenarbeit mit Burt Nanus) wurde von der Financial Times zu einem der 50 einflussreichsten Management-Titeln gekürt. Seine Essays "An Invented Life: Reflections on Leadership and Change" wurden für den Pulitzer-Preis nominiert. Insgesamt wurden ca. 2 Millionen Bücher von Bennis verlegt.

Am 31. Juli 2014 verstarb Bennis an Altersschwäche in einem Pflegeheim in Santa Monica.[2] Er hinterlässt seine Tochter, Kate, zwei Söhne, John und Will, seine Ehefrau Grace Gabe und sechs Enkel.[2]

Werke[Bearbeiten]

Bennis Hauptaugenmerk liegt auf dem Konzept Führung, welches er wie andere Theoretiker als Unterschiedlich zu Management behandelt. Für Bennis ist Führung eine erlernbare Fähigkeit für Manager, die bereit sind, die Energie und Arbeit zu investieren. Aus seiner Sicht unterscheiden sich Manager und Führer in vielen Punkten:[4]

Manager Führer
verwaltet erneuert
ist eine Kopie ist ein Original
erhält entwickelt
konzentriert sich auf Systeme
und Strukturen
konzentriert sich auf Menschen
verlässt sich auf Kontrolle erweckt Vertrauen
denkt kurzfristig denkt langfristig
fragt "Wie?" und "Wann?" fragt "Was?" und "Warum?"
hält sein Auge auf der Bilanz behält den Horizont im Auge
akzeptiert den Status quo fordert den Status quo heraus
ist der klassische gute Soldat ist ganz er selbst
macht die Dinge richtig macht die richtigen Dinge

Für sein Buch Leaders sprach er mit 90 führenden Managern von Unternehmen und öffentlichen Institutionen der USA. Als wesentliche Erkenntnis stellt er fest, dass es nicht den perfekten Stil gibt. Führer müssen ihren eigenen entwickeln. Trotzdem können Bennis und sein Co-Autor Burt Nanus einige wesentliche Gemeinsamkeiten herausarbeiten

  • Management der Aufmerksamkeit – Man benötigt eine Vision, um den Geist zu konzentrieren.
  • Management von Bedeutungen – Man muss die Vision vermitteln können.
  • Management von Vertrauen – Man muss konsistent und glaubhaft sein.
  • Management des Selbst – Man muss sich seiner eigenen Schwächen bewusst sein.

Darüber hinaus muss ein Führer in der Lage sein,

  • Kritik zu akzeptieren, wenn sie berechtigt ist
  • sich zu verändern, wenn das notwendig ist und
  • trotzdem weiterzumachen

Sein Interesse an Führung zeigt sich auch in Organizing Genius, wo er erfolgreiche Team untersuchte. Um erfolgreich zu sein, müssen Teams

  • einen gemeinsamen Traum haben
  • Mitglieder haben, die bereit sind, ihren persönlichen Traum dem gemeinsamen unterzuordnen
  • junge Mitglieder haben, die bereit sind, lange zu arbeiten
  • Schutz haben vor den „Anzügen“ (dem Führungs-Management)

Aus deutscher Perspektive lassen sich Bennis' vorgenannte Erkenntnisse leicht im Werdegang von Ex-Fußball-Bundestrainer Jürgen Klinsmann und der deutschen Nationalmannschaft bis zur Weltmeisterschaft 2006 aufzeigen.

Seine Arbeit über Gruppen führte Bennis zu der Einsicht, dass seine frühere Konzentration auf individuelle Führer möglicherweise den Individualismus zu stark hervorgehoben hat und er spricht heute bevorzugt über Partnerschaft.

Zitate[Bearbeiten]

Manager sind Leute, die ihre Sache richtig machen, während Führer Leute sind, die die richtige Sache tun.
Managers are people who do things right, while leaders are people who do the right thing.

Warren Bennis in On Becoming a Leader

Der gefährlichste Führungsmythos ist, dass Führer geboren werden – dass es einen genetischen Führungsfaktor gibt. Dieser Mythos bekräftigt den Glauben, dass man es entweder hat oder nicht. Das ist Unfug! Das Gegenteil ist wahr, Führer werden gemacht, nicht geboren.
This myth asserts that people simply either have certain charismatic qualities or not. That's nonsense; in fact, the opposite is true. Leaders are made rather than born.

– Warren Bennis

(In der Zukunft werden Probleme gelöst durch) ...Projektteams, zusammengestellt aus sich relativ Fremden mit diversen Berufsfähigkeiten
(In future problems will be solved by)
task forces composed of relative strangers who represent a set of diverse professional skills.

Warren Bennis

Kein Führer hat als Führer angefangen. Menschen leben ihr Leben und drücken sich darin voll aus. Und wenn dieser Ausdruck wertvoll ist, dann werden sie Führer
No leader sets out to be a leader. People set out to lead their lives, expressing themselves fully. When that expression is of value, they become leaders.

Warren Bennis

Gute Führer geben Menschen das Gefühlt, dass sie am Kern der Sache sind, nicht am Rand. Jeder spürt, dass er oder sie einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg der Organisation leisten. Wenn das geschieht, fühlen sich Menschen in Balance, und das gibt ihrer Arbeit einen Sinn.
Good leaders make people feel that they're at the heart of things, not at the periphery. Everyone feels that he or she makes a difference to the success of the organization. When that happens, people feel centered, and that gives their work meaning.

Warren Bennis

Die Kernkompentenz zur Führung ist Charakter.
The core competency of leadership is charakter.

Warren Bennis

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Leaders: The Strategies for Taking Charge. (mit Burt Nanus), Harper Business 01/1997, ISBN 0-06-055954-3-
  • Managing People is Like Herding Cats. Executive Excellence Publishing 01/1997, ISBN 1-890009-61-X.
  • Organizing Genius: The Secrets of Creative Collaboration.
  • Co-Leaders: The Power of Great Partnerships.
  • Geeks and Geezers: Leading and Learning for a Lifetime. (mit Robert Thomas), Harvard Business School Press 08/2002, ISBN 1-57851-582-3.
  • Learning to Lead: A Workbook on Becoming a Leader. (mit Joan Goldsmith), Basic Books 10/2003, ISBN 0-7382-0905-8.
  • Managing the Dream : Reflections on Leadership and Change. Perseus Publishing 07/2000, ISBN 0-7382-0332-7.
  • Old Dogs, New Tricks: On Creativity and Collaboration. Executive Excellence Publishing 05/1999, ISBN 1-890009-34-2.
  • On Becoming A Leader: The Leadership Classic—Updated And Expanded. Perseus Books 04/2003, ISBN 0-7382-0817-5.
  • Organizing Genius: The Secrets of Creative Collaboration. Perseus Books 06/1998, ISBN 0-201-33989-7.
  • The Temporary Society: What is Happening to Business and Family Life in America Under the Impact of Accelerating Change. (mit Phillip Slater), Jossey-Bass 10/1998, ISBN 0-7879-4331-2.
  • Why Leaders Can't Lead: The Unconscious Conspiracy Continues. Jossey-Bass 05/1998, ISBN 0-7879-0943-2.
  • Beyond Bureaucracy: Essays on the Development and Evolution of Human Organization.
  • Beyond Counterfeit Leadership: How You Can Become a More Authentic Leader.
  • Beyond Leadership: Balancing Economics, Ethics and Ecology.
  • The Unreality Industry: The Deliberate Manufacturing of Falsehood and What It Is Doing to Our Lives.
  • Visionary Leadership: Creating a Compelling Sense of Direction for Your Organization.

Quellen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stuart Crainer (1998) Key Management Ideas 3rd ed. Pearson Education Limited, London (ISBN 0-273-63808-4)
  2. a b c d e f g Nachruf auf Warren Bennis in der Los Angeles Times vom 2. August 2014; Warren Bennis dies at 89; USC professor was expert on leadership; abgerufen am 7. August 2014.
  3. a b c d e f g Charles Handy, Warren Bennis in The Handy Guide to the Gurus of Management; Englisch-Lehrgang der BBC; abgerufen am 7. August 2014.
  4. Warren Bennis (1990) >Managing the Dream, Training Magazine