Wilhelm Keim

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Wilhelm Keim (* 1. Dezember 1934 in Oberhausen) ist ein deutscher Chemiker, der zurzeit als emeritierter Professor für Technische Chemie arbeitet. Emeritiert wurde er im Jahr 2001 in Aachen.

Studium und Promotion, Berufserfahrung in der Chemieindustrie[Bearbeiten]

Sein Chemie Studium absolvierte Wilhelm Keim zuerst an der Universität Münster und später an der Universität Saarbrücken. Im Jahr 1963 promovierte er an dem Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr. Anschließend absolvierte er von 1964 bis 1965 ein zweijähriges Postdoktorandenprogramm („Postdoc Fellowship“) an der renommierten Columbia University in New York City unter der Leitung von Professor Thomas J. Katz.

Daraufhin trat Keim in die Shell Development Company in Emeryville, Kalifornien, ein, um zwei Jahre später im Jahr 1967 zum Leiter der Forschungsgruppe Petrochemie aufzusteigen. Als nächste Stationen seiner Karriere wurde er ab 1969 Leiter der Abteilung Petroleum Chemistry und ab 1972 Leiter der Grundlagenforschung.

Forschungsaktivitäten[Bearbeiten]

Nachdem er in seiner mehrjährigen beruflichen Tätigkeit in der Chemieindustrie praktische Erfahrungen gesammelt hatte, wechselte Keim in den Forschungsbereich.

Seine erste Station wurde die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen. Hier trat Keim im Jahr 1973 die Nachfolge von Friedrich Asinger an und leitete als Institutsdirektor das Institut für Technische Chemie und Petrolchemie. Dagegen lehnt er im Jahr 1985 die Berufung an die Universität Clausthal sowie die Geschäftsführung des Steinkohlenbergbauvereins ab.

Die Forschungsaktivitäten von Wilhelm Keim umfassten die Bereiche homogene und heterogene Katalyse, die Hydroformylierung und die Funktionalisierung von Olefinen sowie selektive C-C-Verknüpfungen.[1] Hierbei fokussierte er sich auf die Heterogenisierung von homogenen Katalysatoren und die Zweiphasenkatalyse.

Wilhelm Keim gehört zu den Schlüsselfiguren im Bereich Entwicklung des Shell Higher Olefins Process.[2][3] Dabei finden die SHOP-Olefine eine breite Anwendung in vielen Bereichen der industriellen Chemie. Erwähnt sei hier unter anderem die Modifizierung von Polyethylen als Ethylen-α-Olefin-Copolymer, als Ausgangsstoff für synthetische Fettalkohole per Isomerisierung, Olefinmetathese und Hydroformylierung oder per Sulfonierung zu α-Olefin-Sulfonaten. Maßgeblich prägte er darüber hinaus den Bereich „Advanced Fluids“ in Deutschland.[4]

Wilhelm Keim ist Autor von zahlreichen Werken, zu denen rund 200 Publikationen und 40 Patenten gehören. Ferner ist er einer der Mitautoren und Mitherausgeber von dem Winnacker-Küchler, ein bedeutendes Handbuch der chemischen Technik, das heute als das Standard-Werk für Prozesse und Produkte aus der chemischen Industrie gilt.

Ehrenpositionen[Bearbeiten]

Die Liste der Positionen und der Ehrenämter, die Wilhelm Keim sowohl in Deutschland als auch im Ausland bekleidet, ist lang. Er ist Mitglied der Academia Europaea, der Russischen Akademie der Wissenschaften, des Aufsichtsrates der Degussa AG und des Vorstandes der Gesellschaft Deutscher Chemiker bis 1996. Er ist Honorarprofessur an der Technische Universität Dalian in China und eine an der Universität Hangzhou, China, war auch Adjunct Professor an der King Fahd Universität in Dhahran, Saudi-Arabien. Ferner ist er Ehrendoktor an der Universität Lille und Ehrenmitglied der DECHEMA. Er war stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums des DECHEMA-Forschungsinstituts und Vorsitzender des Vorstandes der Deutsche wissenschaftliche Gesellschaft für Erdöl, Erdgas und Kohle.

Auszeichnungen und Preise[Bearbeiten]

Wilhelm Keim ist Träger der DECHEMA-Medaille, des Alwin-Mittasch-Preises und der „Carl-Engler-Medaille“ der DGMK. [5] Seinen Namen trägt die Auszeichnung „Willi Keim-Preis“, die 2012 von der Fachgruppe Advanced Fluids der ProcessNet, eine Initiative von DECHEMA und VDI-Gesellschaft Verfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen, zu seinen Ehren eingeführt wurde und zur Förderung der wissenschaftlichen Nachwuchskräfte im Bereich „Advanced Fluids“ und deren Anwendung verliehen wird.[6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilhelm Keim, Arno Behr und Günter Schmitt: Grundlagen der Industriellen Chemie: techn. Produkte u. Prozesse. 1. Aufl., Salle, Frankfurt Berlin München 1986, ISBN 3-7935-5490-2; ISBN 3-7941-2553-3 (Sauerländer)
  • R. Dittmeyer, W. Keim, G. Kreysa, A. Oberholz (Hrsg.): Winnacker·Küchler: Chemische Technik
  • Prozesse und Produkte; 5., erweiterte und aktualisierte Auflage 2003-2005. 9677 Seiten, 4661 Abbildungen. Wiley-VCH, Weinheim, ISBN 978-3-527-30430-1

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wilhelm Keim: Nickel: Ein Element mit vielfältigen Eigenschaften in der technisch-homogenen Katalyse. In: Angewandte Chemie. 102, 1990, S. 251–260, doi:10.1002/ange.19901020305.
  2. Wilhelm Keim: Oligomerization of Ethylene to α-Olefins: Discovery and Development of the Shell Higher Olefin Process (SHOP). In: Angewandte Chemie International Edition. 52, 2013, S. 12492–12496, doi:10.1002/anie.201305308.
  3. Wilhelm Keim: Vor- und Nachteile der homogenen Übergangsmetallkatalyse, dargestellt am SHOP-Prozeß In: Chemie Ingenieur Technik. 56, 1984, S. 850–853, doi:10.1002/cite.330561108.
  4. Peter Wasserscheid, Wilhelm Keim: Ionische Flüssigkeiten – neue „Lösungen“ für die Übergangsmetallkatalyse. In: Angewandte Chemie. 112, 2000, S. 3926–3945, doi:10.1002/1521-3757(20001103)112:21<3926::AID-ANGE3926>3.0.CO;2-U.
  5. Carl-Engler-Medaillen-Träger: Prof. Dr. rer nat. Dr. h.c. Wilhelm Keim (PDF; 4,1 MB) www.dgmk.de. Abgerufen am 5. Juni 2009.
  6. Willi Keim-Preis der Fachgruppe Advanced Fluids. Abgerufen am 27. November 2012.

Weblinks[Bearbeiten]