Winfried Böhm

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Winfried Böhm während seiner Abschlussvorlesung am 3. Februar 2005

Winfried Böhm (* 22. März 1937 in Schluckenau, Tschechoslowakei) ist ein emeritierter Professor für Pädagogik an der Universität Würzburg.

Werdegang[Bearbeiten]

Nach musikalischer Ausbildung und einer Banklehre studierte Böhm Philosophie, Pädagogik, Theologie, Psychologie, Geschichte, Politikwissenschaft und Musikwissenschaft in Bamberg, Würzburg und Padua. Dabei kam er in Kontakt mit Theodor W. Adorno, Giuseppe Flores d’Arcais, Romano Guardini und Albert Reble.

Böhm promovierte 1969, habilitierte 1973 und war von 1974 bis März 2005 Ordinarius und Vorstand des Instituts für Pädagogik an der Universität Würzburg. Er hatte zahlreiche Gastprofessuren in verschiedenen europäischen Ländern, in Afrika sowie Nord- und Südamerika inne.

Mitgliedschaften[Bearbeiten]

Böhm ist Präsident des Instituts für Europäische Bildung in Gardone Riviera (Italien) und seit 1987 philosophischer Ehrendoktor der Katholischen Universität Córdoba (Argentinien). 2005-2006 stand Böhm dem Würzburger Rotary Club als Präsident vor. Von 1987 bis 2002 war er Präsident der Deutschen Montessori-Gesellschaft.

Lehre[Bearbeiten]

Böhm vertritt eine „personalistische Pädagogik“ (siehe auch: Personalismus). Im Zentrum seiner pädagogischen Überlegungen steht somit die Person, die neben ihrer Einschränkungen durch die Natur und ihre Grenzen, die seitens der Gesellschaft bestehen, auch und vor allem „Ich“ ist, das in seiner Einzigartigkeit selbst will und selbst denkt. Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeit waren Erziehungsphilosophie, Geschichte und Theorie der Erziehung und Bildung, Vergleichende Pädagogik und Geschichte und Theorie der Schule

Musik

2005 fand in München die Uraufführung der von Wilfried Hiller komponierten Kirchenoper „Augustinus - Ein klingendes Mosaik“ nach dem Libretto Böhms statt.

Am 16. März 2010 wurde im Würzburger Kiliansdom das von Wilfried Hiller komponierte Oratorium „Der Sohn des Zimmermanns“ uraufgeführt, für das Böhm ebenso das Libretto verfasste.[1] In neun Szenen aus dem Neuen Testament steht der Mensch Jesus im Mittelpunkt, ohne selbst als Figur aufzutauchen. Er zeigt sich allein im Spiegel seiner Jünger und anderer Zeitgenossen. Das Ende der Uraufführung fiel mit dem alljährlich am Abend des 16. März stattfindenden zwanzigminütigen Glockenkonzert aller Würzburger Kirchen zusammen, das auf die Zerbombung und völlige Zerstörung Würzburgs durch die alliierten Streitkräfte aufmerksam machen soll.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Entwürfe zu einer Pädagogik der Person. Klinkhardt 1997 ISBN 3-781-50878-1
  • Geschichte der Pädagogik. C.H. Beck, München 2004 ISBN 3-406-50853-7
  • Theorie und Praxis. Königshausen & Neumann Verlag, 1995 ISBN 3-826-01130-9
  • Was ist "aktuell" an Montessori?. In: Birgitta Fuchs, Waltraud Harth-Peter (Hrsg.): Montessori – Pädagogik und die Erziehungsprobleme der Gegenwart. Würzburg 1989 ISBN 3-884-79423-X
  • Mitautor Wilhelm Hehlmann : Wörterbuch der Pädagogik. Kröner Verlag, Stuttgart 2006 ISBN 3-520-09415-0
  • Quo vadis - Pädagogik? In: Walter Eykmann u. Winfried Böhm (Hrsg.): Die Person als Maß von Politik und Pädagogik. Würzburg 2006 ISBN 3-89913-503-2
  • Böhm ist Mitherausgeber der „Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Pädagogik“ (Bochum), „Rassegna di Pedagogia“ (Rom), „Pedagogia e Vita“ (Brescia), „Revista de Pedagogia“ (Madrid) und „Das Kind. Halbjahresschrift für Montessori-Pädagogik“ (Würzburg).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Homepage von Wilfried Hiller
  2. Um die Kirche verdient gemacht. Pressestelle des Ordinariates Würzburg, 8. März 2004, abgerufen am 18. Dezember 2010: „Professor Dr. Winfried Böhm wurde als vielseitiger Wissenschaftler, hoch gebildeter Mensch und Christ geehrt. Der Ordinarius und Vorstand des Instituts für Pädagogik an der Universität Würzburg genieße internationale Anerkennung, was sich in zahlreichen Gastprofessuren in Europa und Übersee und Mitgliedschaften mehrerer ausländischer Akademien zeige. Seine Pädagogik entspringe einer eigenständigen Reflexion eines personalistischen Ansatzes auf der Grundlage des christlichen Menschenbilds, heißt es in der Laudatio. Seine vielfachen Verdienste reichten weit in den kirchlichen Raum hinein.“