Wiskott-Aldrich-Syndrom

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Klassifikation nach ICD-10
D82.0 Wiskott-Aldrich-Syndrom

Immundefekt mit Thrombozytopenie und Ekzem

ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Das Wiskott-Aldrich-Syndrom (WAS) ist eine X-chromosomal rezessiv vererbte Erkrankung mit Insuffizienz der Blutgerinnung und des Immunsystems, die sich charakteristischerweise in der Symptomentrias Ekzem (Hautausschlag), Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen) und rezidivierende Infektionen äußert. Die Häufigkeit bei männlichen Lebendgeborenen beträgt etwa 1:100.000 bis 1:250.000. Die Lebenserwartung beträgt im Allgemeinen nicht mehr als zehn Jahre.

Das Syndrom ist benannt nach dem deutschen Kinderarzt Alfred Wiskott (1898–1978) und dem Amerikaner Robert Anderson Aldrich (1917–1998).

Ursache[Bearbeiten]

Mutationen im so genannten Wiskott-Aldrich-Syndrom-Gen (Abk. WAS-Gen, Genlokus Xp11.23 - p11.22) führen zur Beeinträchtigung der zellulären Signalübertragung. Die Aktinbildung ist eingeschränkt, wodurch die Thrombozytenbildung aus den Megakaryozyten vermindert ist.

Symptome[Bearbeiten]

Bereits kurz nach der Geburt treten als Folge der Thrombozytopenie beim Neugeborenen erste punktförmige (petechiale) Blutungen auf, gastrointestinale und intrakranielle Blutungen kommen in späteren Jahren hinzu. Das typische, einer atopischen Dermatitis ähnliche Ekzem entwickelt sich ebenfalls in den ersten Lebenstagen.

Während die T-Zell-Immunität zu Beginn noch normal ist, ist die humorale Immunität bereits im ersten Lebensjahr deutlich vermindert. Die T-Zell-Immunität nimmt in den weiteren Jahren kontinuierlich ab, wodurch die Infektneigung stark ansteigt. Im zweiten Lebensjahr treten erstmals rezidivierende, opportunistische Infektionen wie Lungenentzündungen, Otitiden, Septikämien und Meningitiden auf. Häufige Krankheitserreger sind Pneumokokken, Haemophilus influenzae, Meningokokken und Pneumocystis jirovecii.

Oftmals leiden die jungen Patienten gleichzeitig an Autoimmunerkrankungen wie Vaskulitiden, Arthritiden und hämolytischer Anämie. Malignome des lymphoretikulären Systems finden sich bei Wiskott-Aldrich-Patienten gehäuft.

Diagnostik[Bearbeiten]

Folgende charakteristische Veränderungen lenken den Verdacht auf ein Wiskott-Aldrich-Syndrom:

  • Die IgM-Antikörper sind erniedrigt, die IgG-Antikörper normal hoch, IgA, IgD und IgE über die Norm erhöht.
  • Im Blutbild findet sich typischerweise eine hochgradige Thrombozytopenie mit kleinen Blutplättchen (niedriges mittleres Thrombozytenvolumen = MPV).
  • Die Impfantikörper sind vermindert.
  • Nach dem sechsten Lebensjahr treten erstmals schwere Lymphopenien auf.

Bei dieser Erkrankung wird das Wiskott-Aldrich-Protein (WASP) nicht richtig exprimiert. WASP wird für die Organisation des Zytoskeletts benötigt. Fehlt das Protein in den hämatopoetischen Stammzellen, sind T- und B-Lymphozyten, Makrophagen, dendritische Zellen, NK-Zellen und Thrombozyten nicht voll funktionsfähig. Es kann zur Diagnosesicherung bestimmt werden.

Die Diagnose wird durch eine molekulargenetische Untersuchung mittels Mutationsanalyse gesichert. Eine pränatale Diagnosestellung ist ebenfalls möglich.

Therapie[Bearbeiten]

Kausale Therapie[Bearbeiten]

Durch eine Stammzelltransplantation kann die Wiederherstellung eines funktionsfähigen Immunsystems erreicht werden.Gentherapeutische Maßnahmen werden im Rahmen von kontrollierten klinischen Studien eingesetzt. Eine erste klinische Studie wurde im Jahr 2006 an der Medizinischen Hochschule Hannover initiiert. Erste Resultate zeigen, dass eine Transplantation von retroviral modifizierten Stammzellen die Erkrankung heilen kann [1]. Die Sicherheit und nachhaltige Wirksamkeit wird derzeit geprüft.

Symptomatische Therapie[Bearbeiten]

Die betroffenen Patienten müssen beim ersten Anzeichen einer Infektion frühzeitig konsequent antibiotisch therapiert werden. Cotrimoxazol wird zur Pneumocystis-Prophylaxe, Penicillin V zur Pneumokokkenprophylaxe eingesetzt. Die fehlenden Immunglobuline können substituiert werden. Bei schweren Blutungen werden Thrombozytenkonzentrate transfundiert.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Boztug K, Schmidt M, Schwarzer A, Banerjee PP, Díez IA, Dewey RA, Böhm M, Nowrouzi A, Ball CR, Glimm H, Naundorf S, Kühlcke K, Blasczyk R, Kondratenko I, Maródi L, Orange JS, von Kalle C, Klein C.: Stem-cell gene therapy for the Wiskott-Aldrich syndrome. N Engl J Med. 2010 Nov 11;363(20):1918-27. PMID 21067383

Weblinks[Bearbeiten]


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