Yaoi

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Beispiel eines Einzelbildes mit Yaoi-Motiv

Yaoi (jap. やおい) ist ein Genre von Mangas, Animes und Fanfictions, das homosexuelle Beziehungen zwischen männlichen Protagonisten mit expliziten erotischen Darstellungen zum Thema hat. Das Genre grenzt sich entsprechend vom Shōnen Ai ab, wo der Fokus statt auf Erotik auf der Entwicklung der romantischen Beziehung liegt, und wird überwiegend von Frauen geschrieben und gelesen.[1] Das Pendant zum Yaoi mit weiblichen Protagonisten ist Yuri.

Im Zuge der wachsenden Beliebtheit von Mangas außerhalb Asiens findet das Genre seit 2000 auch viele westliche Anhänger und Nachahmer. Die Verwendung des Begriffs und dessen Abgrenzung fällt jedoch sehr unterschiedlich aus, neben Shōnen Ai gibt es die Bezeichnungen June und Boys’ Love, die häufig beide vorgenannten zusammenfassen. Zu unterscheiden ist Yaoi außerdem vom an eine männliche Zielgruppe gerichteten Gay Manga (ゲイ漫画, gei manga) oder Bara (薔薇 oder バラ), die auch eher maskuline Protagonisten bis hin zum Bear-Typus darstellen.

Yaoi in Japan[Bearbeiten]

Der Begriff Yaoi ist ein Akronym für den japanischen Ausdruck „yamanashi ochinashi iminashi“ (山無し 落無し 意味無し), was auf Deutsch soviel heißt wie „ohne [erzählerischen] Höhepunkt, ohne Pointe, ohne Sinn“. Viele Yaoi-Autoren hegen nicht den Anspruch, einen tragenden Plot aufzubauen oder die Entwicklung der Charaktere aufzuzeigen. Im Vordergrund steht genretypisch die Darstellung von homoerotischen Liebesbeziehungen sowie expliziter sexueller Handlungen. Aufgrund der ursprünglichen Wortherkunft kann der Begriff in Japan aber auch grundsätzlich für Geschichten stehen, die keine eigene Idee haben, sondern vom Kopieren bekannter Figuren und der Nachahmung anderer Werke leben. Diese Bedeutung ist nicht genregebunden. [2]

Yaoi-Manga werden überwiegend von jüngeren Frauen gezeichnet und gelesen, die sich teilweise selbstironisch als Fujoshi (腐女子, dt. „verdorbene Mädchen“) – ein Wortspiel mit dem homophonen Fujoshi (婦女子, dt. „Frau“) – bezeichnen. Romane des Genres finden auch bei einem älteren Publikum Zuspruch. Für diese „gereiften" Fujoshi hat sich die Bezeichnung Kifujin (貴腐人, wörtlich: „edler, verdorbener Mensch“) – ein Wortspiel mit dem homophonen Kifujin (貴婦人, dt. „edle Dame“) – eingebürgert.[3]

Bei den Protagonisten der Yaoi-Geschichten handelt es sich meistens um den Lesern bereits bekannte männliche Figuren aus Film, Fernsehen oder der Literatur, deren Beziehung zueinander durch die Yaoi-Autoren als homoerotisch interpretiert wird. Der fehlende Kontext der Geschichte ist dabei durch die Originalwerke gegeben und wird meist nur in Andeutungen aufgegriffen.

Der in Japan geläufigen Definition nach zählen ausschließlich Sekundärwerke wie Dōjinshi oder Fanfiction zu dem Genre Yaoi. Veröffentlichungen kommerzieller Verlage laufen unter dem pseudoenglischen Pendant Boys’ Love (ボーイズラブ, bōizu rabu), oft abgekürzt als BL (japanisch ausgesprochen bi eru). Im allgemeinen Sprachgebrauch lassen sich jedoch sowohl BL als auch Yaoi als Oberbegriff für das gesamte Genre (Sekundär- und kommerzielle Werke) finden, wobei ältere Sprecher zu Yaoi tendieren [4]

Yaoi in westlichen Ländern[Bearbeiten]

Bücherregal mit Yaoi-Bänden in einem japanischen Buchladen in San Francisco.

Stellenweise fungiert Yaoi in westlichen Ländern als Oberbegriff für jegliche Anime und Manga, sowie Fanfiction und Fan-Art, die sich mit romantischer, homosexueller Liebe auseinandersetzen. Viele Autoren ziehen eine Grenze zwischen Yaoi-Geschichten, die vordergründig explizite Erotik zum Thema haben und Shōnen Ai, in dem Erotik eine untergeordnete Rolle spielt und eher die geistige Komponente der Beziehung betont wird. Beide Begriffe werden jedoch bis heute nicht einheitlich verwendet.

Ausgewählte Werke[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Björn-Ole Kamm: Nutzen und Gratifikation bei Boys’ Love Manga. Fujoshi oder verdorbene Mädchen in Japan und Deutschland. Verlag Dr. Kovac, Hamburg 2010, ISBN 978-3-8300-4941-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Yaoi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Deutsches Filminstitut - DIF / Deutsches Filmmuseum & Museum für angewandte KunstBKL (Hg.): ga-netchû! Das Manga Anime Syndrom, S. 268. Henschel Verlag, 2008.
  2. Vortrag von Tow Ubukata über Anime- und Mangaindustrie in Japan in der Leipziger Messe am 28. September 2007
  3. Nao, Azusa & Seiichi Takano: „Kyokushiteki yaoi kandan R" (Extrem private Yaoi-Plauderei, die Wiederholung) In: EUREKA 2007 - BL-Studies Sonderausgabe (39/16). S. 77
  4. EUREKA (2007): BL-(Boys´ Love) Studies Sonderausgabe (39/16).