Shōnen

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Dieser Artikel behandelt eine Manga-Zielgruppe. Zum gleichnamigen Film von Nagisa Ōshima siehe Der Junge.

Der japanische Begriff Shōnen, Shonen oder Shounen (jap. 少年, dt. „Junge, Jugendlicher“) ist im Westen vor allem als Bezeichnung für eine Manga-Kategorie bekannt. Das Gegenstück zu den Shōnen-Mangas sind Shōjo-Mangas (Mangas speziell für Mädchen).

Merkmale[Bearbeiten]

Shōnen-Mangas werden speziell für heranwachsende Jungen gezeichnet. Der thematische Schwerpunkt liegt vorwiegend auf Actionszenen und Kämpfen gegen Monster und böse Mächte, aber auch die Bewältigung realer Alltagsprobleme in der Schule und im Freundeskreis wird beschrieben. Oft handeln solche Geschichten von ganz normalen Kindern und Jugendlichen, die plötzlich durch besondere Kräfte zu Superhelden werden und mit ihren Superkräften ihre Freunde und/oder die ganze Welt retten. Um ihre Freunde besser beschützen zu können, versuchen männliche Charaktere häufig, sich ständig zu verbessern. Ein weltweit bekannter Vertreter des „klassischen“ Shōnen-Manga ist die Serie Dragon Ball.

Geschichte[Bearbeiten]

Lage vor dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Traditionell wird behauptet, dass Manga seit dem 18. Jahrhundert existieren würden.[1][2] Zu Anfang fokussierten sich Manga nicht auf ein spezielles Geschlecht oder Alter, ab dem Jahr 1905 jedoch wurden nach und nach mehr Manga-Magazine veröffentlicht und diese haben, wie die Namen vermuten lassen, sich auf ein spezielles Alter und Geschlecht bezogen, wie zum Beispiel die Magazine Shōnen Sekai, Shōjo Sekai und Shōnen Pakku (ein Kodomo-Magazin).[2]

Shōnen Sekai, ein Shōnen-Magazin, war eines der ersten Manga-Magazine und wurde zwischen 1895 und 1914 veröffentlicht.

Lage nach dem Zweiten Weltkrieg (Okkupation Japans)[Bearbeiten]

Die Okkupation Japans hatte einen signifikanten Einfluss auf die Kultur Japans gehabt, zu dem auch Manga gehören. „Moderner“ Manga entwickelte sich in dieser Zeitperiode. Diese Form des „frühen modernen Mangas“ wurde überwiegend von Jungen und jungen Männern gelesen.[3] Während dieser Zeit fokussierten sich Manga auf den „urbildlichen Jungen“, Handlungen, die beispielsweise Roboter, Raumfahrt und heroische Action-Adventures mit eingeschlossen haben, wurden oft behandelt.[4] Osamu Tezuka, Zeichner der Mangaserie Astro Boy, soll einen signifikanten Einfluss zu der Entwicklung moderner Manga gehabt haben.[1][5][6] Zwischen 1950 und 1969 stieg die Anzahl von Menschen, die regelmäßig Manga lasen, stetig an, zur etwa selben Zeit haben sich zwei Hauptgenres herausgebildet: der an Jungen gerichtete Shōnen-Manga und der an Mädchen gerichtete Shōjo-Manga.[7]

Das noch heute veröffentlichende Magazin Weekly Shōnen Jump begann ihre Produktion im Jahr 1968[2] und ist heute das am meisten verkaufte Manga-Magazin weltweit.[8] Viele der populärsten bzw. kommerziell erfolgreichsten Shōnen-Manga wurden und werden in diesem Magazin veröffentlicht, unter anderem auch: Dragon Ball, Naruto, Bleach, One Piece und Slam Dunk.

Die Stellung der Frau[Bearbeiten]

Ursprünglich spielten in Shōnen-Manga Männer und Jungen nahezu alle Hauptrollen, wobei Frauen und Mädchen häufig, wenn sie überhaupt vorkamen, die Rollen der Schwester, Mutter oder der Freundin spielten. Ab den 1980ern begannen Frauen und Mädchen jedoch wichtigere Rollen einzunehmen. Zum Beispiel im 1980 zuerst erschienenem Dr. Slump war der Hauptcharakter ein starkes, verschmitztes Mädchen namens Arale Norimaki. Eine Rolle, die zu der Zeit üblicherweise einem Jungen oder einem Mann zugeschrieben wurde.

Die Rollen von Frauen und Mädchen in Shōnen-Mangas haben sich seit Akira Toriyamas Dr. Slump stark verändert. Oft sind Mädchen bzw. Frauen Bishōjos, d. h. eine junge Frau mit beispielsweise stark betonten Taillen und Brüsten und mit allgemein einem Aussehen, das (von Lesern und von den Charakteren innerhalb des Mangas) als attraktiv empfunden werden soll und sind daher oft für andere männliche (Haupt-)Charaktere ein Objekt des emotionalen bzw. sexuellen Verlangens. Beispiele hierzu wären: Belldandy in Oh My Goddess! von Kōsuke Fujishima und Shao-lin in Guardian Angel Getten von Minene Sakurano.[9] In anderen Serien jedoch ist der männliche Protagonist von eben genannten Frauen und/oder Mädchen umgeben, wie zum Beispiel in Magister Negi Magi von Ken Akamatsu und Hanaukyo Maid Team von Morishige (siehe auch: Harem).[10] Männliche Hauptcharaktere sind mit dem Versuch, eine Beziehung mit weiblichen Charakteren einzugehen, nicht immer erfolgreich. In anderen Fällen jedoch wird der ursprünglich naive und infantile männliche Protagonist der Geschichte „erwachsen“ und lernt, wie man mit Frauen emotional und/oder sexuell leben bzw. umgehen soll oder kann, Beispiele von Protagonisten verschiedenster Serien, die diesem Beispiel folgen, wären: Yota in Video Girl Ai von Masakazu Katsura und Train Man in Train Man: Densha Otoko von Hidenori Hara.[11][12] Seit den 1990er jedoch haben Frauen und Mädchen eine höher gestellte Rolle in Shōnen-Manga erreicht und weibliche Protagonisten sind seither zwar immer noch nicht die Mehrheit, aber üblich. Shōnen-Manga, die weibliche Protagonisten beinhalten, sind u. a.: Fairy Tail, Soul Eater und WataMote.

Manga-Magazine[Bearbeiten]

In Manga-Magazinen werden Shōnen-Mangas zielgruppenorientiert veröffentlicht. Die bekanntesten japanischen Shōnen-Manga-Magazine sind die wöchentlich erscheinenden Shōnen Jump, Shōnen Magazine und Shōnen Sunday.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Matt Thorn: A History of Manga. Matt-thorn.com. Juni 1996. Abgerufen am 18. März 2013.
  2. a b c Everything about Shounen (Shonen 少年) Genre. Jappleng.com. 14. März 2013. Abgerufen am 18. März 2013.
  3. Schodt, 1986, op. cit., Kapitel 3, S. 68–87.
  4. Schodt, 1986, op. cit., Kapitel 3; Gravett, 2004, op. cit., Kapitel. 5, S. 52–73.
  5. Kōdansha intānashonaru: Eibun nihon shōjiten: Japan Profile of a nation, Überarbeitet ed., 1. ed., Kōdansha Intānashonaru, Tōkyō 1999, ISBN 4-7700-2384-7, S. 692–715 (Zugriff am 18. März 2013).
  6. Frederik L. Schodt: The Astro Boy essays: Osamu Tezuka, Mighty Atom, and the manga/anime revolution. Stone Bridge Press, Berkeley, Calif. 2007, ISBN 978-1-933330-54-9 (Zugriff am 18. März 2013).
  7. Frederik L. Schodt. Foreword by Osamu Tezuka: Manga! Manga!: the world of Japanese comics; includes 96 pages from Osamu Tezuka's "Phoenix", Reiji Matsumoto's "Ghost warrior", Riyoko Ikeda's "The rose of Versailles", Keiji Nakazawa's "Barefoot gen". Kodansha Internat., Tokyo; New York 1988, ISBN 978-0-87011-752-7.
  8. 2009 Japanese Manga Magazine Circulation Numbers. Anime News Network. 18. Januar 2010. Abgerufen am 30. Oktober 2011: „The bestselling manga magazine, Shueisha's Weekly Shonen Jump, rose in circulation from 2.79 million copies to 2.81 million.“
  9. Guardian Angel Getten von Sakurano Minene. Raijin Graphic Novels/Gutsoon! Entertainment, Band 1-4, 2003–2004.
  10. Negima von Ken Akamatsu. Del Rey/Random House, Band 1–15, 2004–2007; Hanaukyo Maid Team von Morishige. Studio Ironcat, Band 1–3, 2003–2004.
  11. Train Man: Densha Otoko, Hidenori Hara. Viz, Band 1–3, 2006.
  12. Perper, Timothy and Martha Cornog. 2007. "The education of desire: Futari etchi and the globalization of sexual tolerance." Mechademia: An Annual Forum for Anime, Manga, and Fan Arts, 2:201-214.

Literatur[Bearbeiten]

  • Frederik L. Schodt: Manga! Manga! The World of Japanese Comics. Kodansha America, 1983, ISBN 0-87011-752-1, S. 88–105. (englisch)
  • Patrick Drazen: Anime Explosion! – The What? Why? & Wow! of Japanese Animation. Stone Bridge Press, 2002. (englisch)