Zeppelinwurst

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Ein Stück Zeppelinwurst mit „Bauchbinde“, auf der die Zutatenliste verzeichnet ist
Die Frankfurter Zeppelinwurst im Glas
Das Genehmigungsschreiben vom 15. März 1909
Stammhaus der ehemaligen Metzgerei Stephan Weiss
Einkaufsbeleg

Die Zeppelinwurst ist eine Leberwurst, die unter diesem Namen seit 1909 in Frankfurt am Main produziert wird. Die nach einer speziellen Rezeptur hergestellte Leberwurst wird zu den Frankfurter Spezialitäten gerechnet.

Produktgeschichte[Bearbeiten]

Anfänge und Namensgebung[Bearbeiten]

Der Fleischermeister Stephan Weiss eröffnete 1907 ein Ladengeschäft in der Frankfurter Freßgass. Eine besondere Leberwurstart, die er gemäß einer von ihm entwickelten Rezeptur anfangs als Riedes Delikatess-Leberwurst herstellte und verkaufte,[1] wurde zu einem der Lieblingsprodukte seiner Kundschaft.[2]

Weiss hatte in seiner Militärzeit bei den Ulanen unter Ferdinand Graf von Zeppelin gedient. Wegen dieser Verbindung und seiner Begeisterung für die damalige Luftschifffahrt, insbesondere die Zeppeline, kam Weiss auf die Idee, dieses Produkt Zeppelinwurst zu benennen.

Der konkrete Anlass war die Internationale Luftschiffahrt-Ausstellung Frankfurt 1909. Am 15. März 1909 erteilte Graf Zeppelin nach einer Verkostung die Genehmigung hierfür.[2] Der Graf ließ durch seinen Privatsekretär und Bevollmächtigten[3] Ernst Uhland mitteilen: „obgleich Seine Excellenz sonst jeder Reclame abhold ist – Ihnen ausnahmsweise, jedoch ohne jedes Obligo diesseits, gestattet, die bemusterte Wurst ‚Zeppelinwurst‘ benennen zu dürfen“.[4]

Weiss ließ sich die Zeppelinwurst beim Kaiserlichen Patentamt eintragen, es ist daher bis heute eine geschützte Wort-Bild-Marke. Fortan warb Weiss mit einer Zeppelin-Abbildung vor dem Frankfurter Dom auf dem Etikett für seine Leberwurst, die alsbald auch zur Bordverpflegung bei den weltweiten Fahrten der Zeppeline gehörte.[2]

Die Spezialität[Bearbeiten]

Die Besonderheit der groben Delikatess-Leberwurst liegt in der Verwendung von Lebern, die sorgfältig von allen Gallengängen befreit sind, dem hohen Leberanteil im Produkt und der Würzmischung, die unter Verwendung von Piment und Pfeffer hergestellt wird. Die Wurst ist streichfähig und wird geräuchert im Naturdarm sowie ungeräuchert im Glas oder im Kunstdarm abgepackt angeboten.[2]

Hersteller[Bearbeiten]

Der Verkauf fand von 1909 bis heute ununterbrochen statt, lediglich die Hersteller wechselten mehrfach. Von 1909 bis 1958 boten Stephan Weiss und sein Sohn Hans Weiss in der Metzgerei in der Freßgass die Zeppelinwurst an. 1958 bis 1983 führten Fleischermeister Heinrich Zimmermann und danach dessen Sohn Hans Zimmermann das Geschäft mit der Zeppelinwurst. Von 1983 bis 2003 stellte eine in Hanau ansässige Firma Zeiss die Zeppelinwurst her und bot sie in ihrer damals angemieteten Filiale in der Freßgass an.

2003 erwarb die Firma Dietz mit Sitz in Schopfloch die Genehmigung, das Produkt in Lizenz anfertigen zu können[5], verkaufte diese allerdings nur als Konserve, nicht als Frischware, im Geschäft der Metzgerei Ebert in der Freßgass, die seit 2003 im Haus der ehemaligen Metzgerei Weiss eine Filiale betreibt. Der jetzige Inhaber Michael Ebert führt seit 1999 in vierter Generation die Frankfurter Traditionsmetzgerei Ebert, die 1908 in Frankfurt am Main gegründet wurde und die seit 1996 in der Freßgass mit einer Filiale vertreten ist.[6] Seit 2009 wird die Zeppelinwurst mit originaler Rezeptur im geräucherten Naturdarm, im Kunstdarm und als Glaskonserve von Metzgermeister Ebert selbst hergestellt.

Im ehemaligen Stammhaus der Metzgerei Weiss in der Großen Bockenheimer Straße 31 in Frankfurt am Main befindet sich heute Eberts Suppenstube.[6] Das zweistöckige, verputzte, schmale Fachwerkhaus wurde als Wohnhaus im Stil des Rokoko um 1760 gebaut und trägt einen Volutengiebel. Es steht unter Denkmalschutz. [7]

100-Jahr Feier[Bearbeiten]

Anlässlich des hundertjährigen Jubiläums der Zeppelinwurst – und zugleich des achtzigjährigen Jubiläums der Weltfahrt des Verkehrsluftschiffs LZ 127 Graf Zeppelin – fanden im Jahr 2009 verschiedene Veranstaltungen statt, wie zum Beispiel im Neu-Isenburger Stadtteil Zeppelinheim bei Frankfurt am Main in dem dortigen Bürgerhaus und dem daran angebauten Zeppelin-Museum.[8] Nur zu diesem Anlass produzierte Fleischermeister Eugen Nagel eine Zeppelinpastete und die Zeppelinheimer Wurst, eine Brühwurstart, jedoch keine Leberwurst.[9][10]

Im Zeppelin-Museum in Zeppelinheim wird unter anderem auch die Geschichte der Zeppelinwurst dargestellt.[11]

Die Zeppelinwurst in den Medien[Bearbeiten]

In den Medien berichteten und berichten über die Zeppelinwurst die Fachpresse, wie die afz – allgemeine fleischer zeitung und die Lebensmittel Zeitung; verschiedene Tageszeitungen, wie die Frankfurter Rundschau, das Main-Echo und die Offenbach-Post; sowie das hr-fernsehen im Rahmen der Fernsehreihe hessen à la carte.[12]

Die Leberwurstspezialität wurde, als Teil der Frankfurter Esskultur, in das Buch Frankfurter Spezialitäten. Von A wie Apfelwein bis Z wie Zeppelinwurst aufgenommen und gelangte auch in den Buchtitel.

In die Literaturgeschichte ging die Zeppelinwurst ein durch die von Walter Pape vorgenommene Editierung von Briefen des Schriftstellers Joachim Ringelnatz, der im Januar 1934 seiner Schwester Ottilie nach einem Besuch bei ihr schrieb: „Wir nagen an Deiner Zeppelinwurst und haben uns sehr gefreut […]“.[13]

Literatur[Bearbeiten]

  • Andrea Rost: Frankfurter Spezialitäten. Von A wie Apfelwein bis Z wie Zeppelinwurst. B3 Verlag, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-93878325-2.
  • Hans Georg Knäusel: Zeppelin. Die Geschichte der Zeppelin-Luftschiffe – Konstrukteure, Technik, Unternehmen. 2. , durchgesehene Auflage, Aviatic, Oberhaching 2002, ISBN 3-925505-56-3, S. 53.

Weblink[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Hessen – Ursprung und Würste. Auf: www.ronnebursch.de; abgerufen am 11. April 2011.
  2. a b c d Bericht im afz-journal, Ausgabe 12/2009, S. 12.
  3. Genehmigung im Original so unterzeichnet
  4. Sigrid Aldehoff: Neu-Isenburg. Leberwurst nach Zeppelin-Art. In: Frankfurter Rundschau, 24. August 2009, S. R13; abgerufen am 10. April 2011.
  5. Bericht in der Lebensmittel Zeitung, Nr. 40/2003, S. 78.
  6. a b „Von den Anfängen bis heute…“. Auf der Firmenwebsite www.ebert-feinkost.de; abgerufen am 2. Juni 2013.
  7. Heinz Schomann u. a.: Denkmaltopografie Stadt Frankfurt am Main, Societäts-Verlag, Frankfurt am Main, 1994, ISBN 3-7973-0576-1, S. 42
  8. Zeppelingeschichte(n) kulinarisch-kulturell. 100 Jahre Zeppelinwurst – 80 Jahre Zeppelinweltfahrt. In: Stadtillustrierte Isenburger, Edition Momos, Neu-Isenburg, Ausgabe Nr. 51, September 2009; PDF-Datei, abgerufen am 12. April 2011.
  9. Enrico Sauda: Mit Wurst und Sekt in die Vergangenheit. Auf: www.op-online.de (Offenbach-Post) vom 15. Oktober 2010; abgerufen am 10. April 2011.
  10. Bericht in der Frankfurter Rundschau vom 16. Oktober 2009.
  11. Martina Himmer: Freie Fahrt für fliegende Zigarren. Auf: www.main-netz.de (Main-Echo) vom 20. Oktober 2010; abgerufen am 11. april 2011.
  12. Das Zeppelin-Menü. Fernsehbeitrag in der Reihe hessen à la carte des hr-fernsehens vom 26. März 2011; mit Videostream (15:29 Minuten), abgerufen am 10. April 2011.
  13. Walter Pape (Hrsg.): Joachim Ringelnatz. Das Gesamtwerk. Briefe. Henssel, Berlin 1988, ISBN 3-87329-134-7, S. 467.