Zinne

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Dieser Artikel erläutert den pfeilerförmigen Aufbau auf einer Mauer; zur Bedeutung in der Heraldik siehe Zinne (Heraldik), zur Geländeform Felsnadel.
Die mit Schwalbenschwanzzinnen gekrönte Stadtmauer von Bellinzona
Die mit Schwalbenschwanzzinnen gekrönte Stadtmauer von Bellinzona

Die Zinne (v. althochdeutsch zin = Stab) ist ein rechteckiger Maueraufsatz auf einer Brustwehr. In ihrer ursprünglichen Funktion diente die ungefähr mannshohe Zinne dazu, einen dahinter auf einem Wehrgang oder einer Wehrplattform stehenden Verteidiger Deckung gegen feindliche Fernwaffen zu geben. Die zwischen den Zinnen liegenden Lücken (auch als Zinnenfenster oder -Scharten bezeichnet) reichen innenseitig bis auf die Höhe einer Brüstung hinab und erlauben den Verteidigern Zugriff auf das Schussfeld. Zinnen wurden in Antike und Mittelalter oft an Befestigungsanlagen wie Stadtmauern oder Burgen eingesetzt. Im Mittelhochdeutschen wurden sie auch als Wintberge bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Zinnen der Alcazaba in Almeria
Zinnen der Alcazaba in Almeria

Die ursprüngliche Form der Zinnen bestand aus quaderförmigem Mauerwerk, mit nahezu ebenso breiten Zwischenräumen. Die Oberseite der Zinnen sowie die Sohle der Scharten war grundsätzlich waagerecht. Ursprünglich war der Zwischenraum weitaus größer, da man nicht nur mit der Armbrust und dem Bogen durch sie hindurchschoss, sondern hier auch Wurfmaterial auf die Angreifer hinabwarf. Die Erfindung der Maschikulis am Fuß der Brüstung ließ es zu, engere Schießscharten zu bauen, die sich nicht selten auch zusätzlich in den Zinnen selber befanden.

Im Laufe des 13. Jahrhunderts (Hochmittelalter) begann man die Zinnen sowie die Sohle der Scharten abgewässert zu bauen. Das heißt, sie wiesen schräg nach unten oder waren nach innen und außen abgedacht. Jedoch schon seit dem 12. Jahrhundert wurden die Wehrgänge und somit auch die Zinnen mit einem hölzernen Schutzdach oder einer ganzen Galerie bedeckt, um den Verteidigern Schutz von oben zu geben. Die Zinnen verloren somit im Laufe der darauffolgenden Jahrhunderte an Bedeutung. Die Gestaltung der Schießscharten und Maschikulis nahmen parallel an Vielfalt zu.

Zinnen und Maschikulis wurden später, als sie kaum mehr militärische Bedeutung hatten, zu beliebtem Zierrat in der Architektur der frühen Neuzeit bis hin ins 19. Jahrhundert (Neugotik). Häufig waren diese Zierzinnen weit weniger groß als die mittelalterlichen Originale.

Verbreitet ist die Annahme, die Form der Zinnen konnte etwas über den Besitzer der Anlage aussagen: Im mittelalterlichen Italien bevorzugten angeblich die die kaisertreuen Parteien (Ghibellinen) Schwalbenschwanzzinnen, die Anhänger des Papstes (Guelfen) Rechteckzinnen. Allerdings gibt es Bauten, an denen beide Formen (Welfen- und Ghibellinenzinnen) vorkommen.

[Bearbeiten] Zinnenformen

Es gibt diverse Formen:

[Bearbeiten] Moderne Verwendung

Quellenangaben
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Burgen, Burgmauern und damit auch Zinnen haben heute keine militärische Bedeutung mehr. Bei der Zugrohrartillerie, etwa der russischen DB 20 oder der englischen L 7, wird ein Zinnenschild verwendet. Dabei ist das Rohr der Kanone/Haubitze mittig gelagert. Rechts und links erhebt sich ein Stahlschild um der Besatzung Schutz gegen etwaige Splitter- oder Schusseinwirkung zu geben. PAK-Geschütze des Zweiten Weltkrieges hatten beinahe alle einen solchen Zinnenschild. Etwa die deutsche Acht-Acht (88mm Krupp 1938) oder die russische 76 mm Kanone.

[Bearbeiten] Literatur

  • Johann Nepomuk Cori, Bau und Einrichtung der Deutschen Burgen im Mittelalter, Nachdruck der Ausgabe von 1895, Augsburg 1997, ISBN 3-86047-654-8
  • Artillerie des 20. Jahrhunderts Möwigverlag, Rastatt, 1999
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