Sevilla

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Dieser Artikel behandelt die spanische Stadt Sevilla; zu anderen Bedeutungen siehe Sevilla (Begriffsklärung).
Sevilla
Wappen Karte von Spanien
Wappen von Sevilla
Sevilla (Spanien)
Finland road sign 311.svg
Basisdaten
Autonome Gemeinschaft: Andalusien
Provinz: Sevilla
Comarca: Sevilla
Koordinaten 37° 24′ N, 6° 0′ W37.3925-5.992512Koordinaten: 37° 24′ N, 6° 0′ W
Höhe: 12 msnm
Fläche: 141,31 km²
Einwohner: 700.169 (1. Jan. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 4.954,84 Einw./km²
Postleitzahl: 410**
Gemeindenummer (INE): 41091 Vorlage:Infobox Gemeinde in Spanien/Wartung/cod_ine
Nächster Flughafen: Flughafen Sevilla 10 km nordöstlich vom Stadtzentrum
Verwaltung
Bürgermeister: Juan Ignacio Zoido Álvarez (PP)
Offizielle Webpräsenz
Sevilla Collage

Sevilla [seˈβiʎa] ist die Hauptstadt der Autonomen Region Andalusien und der Provinz Sevilla von Spanien. Mit über 700.000 Einwohnern ist Sevilla viertgrößte Stadt Spaniens. Nach einer späten Legende wurde die Stadt von dem griechischen Helden Herakles gegründet. Die Einwohner werden als Sevillanos bezeichnet.

Die Stadt ist ein wichtiger Industrie- und Handelsplatz und Touristenzentrum. Sevilla liegt zu beiden Seiten des bis hierhin auch für Seeschiffe befahrbaren Guadalquivir, in einer weiten und fruchtbaren Ebene. Mit ihren zahlreichen Türmen bietet Sevilla von allen Seiten einen imposanten Anblick. Die eigentliche Stadt nimmt das östliche Ufer des Guadalquivir ein und ist von den Vorstädten Los Humeros, Cesteria, Baratillo, Carreteria, Resolana mit dem großen Hospital La Caridad, San Bernardo, San Roque y la Calzada und Macarena mit dem Hospital de la Sangre umgeben. Von der alten, mit 66 Türmen versehenen Ringmauer, welche die innere Stadt umgab, sind nur noch Reste vorhanden. Am rechten Ufer des Flusses breitet sich die große Vorstadt Triana aus.

Geographie[Bearbeiten]

Klima[Bearbeiten]

Das Klima in Sevilla ist mediterran mit ozeanischen Einflüssen. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 18,6 °C. Damit ist die Stadt eine der heißesten in ganz Europa. Die Winter sind mild. Der Januar ist mit einer mittleren Temperatur von 15,9 °C am Tag und 5,2 °C in der Nacht der kälteste Monat des Jahres. Die Sommer dagegen sind sehr heiß mit Temperaturen 35,3 °C/19,4 °C. Die Schwelle von 40 °C wird regelmäßig überschritten. Die bisherigen Extremtemperaturen, welche an der meteorologischen Station am Flughafen Sevilla gemessen wurden, sind –5,5 °C am 12. Februar 1956 sowie 46,6 °C am 23. Juli 1995. Es gibt noch eine unbestätigte Rekordmessung vom 1. August 2003 von 47,2 °C. Nach Eleusis (Griechenland) mit 48,0 °C[2] hält Sevilla damit den Rekord der höchsten jemals gemessenen Temperatur in Europa.

Die Niederschlagsmenge schwankt zwischen 600 und 800 mm im Jahr, konzentriert auf die Monate von Oktober bis April. Der Dezember ist mit 95 mm der niederschlagsreichste Monat.

Es gibt im Jahresmittel nur 65 Regentage sowie 2898 Sonnenstunden. An einigen Tagen kann die Temperatur in der Nacht unter den Gefrierpunkt sinken.

Sevilla
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
65
 
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5
 
 
54
 
18
7
 
 
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21
8
 
 
57
 
23
10
 
 
34
 
26
13
 
 
13
 
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2
 
35
19
 
 
6
 
35
20
 
 
23
 
32
18
 
 
62
 
26
14
 
 
84
 
20
9
 
 
95
 
17
7
Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: WMO 1971–2000
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Sevilla
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 15,9 17,9 21,2 22,7 26,4 31,0 35,3 35,0 31,6 25,6 20,1 16,6 Ø 25
Min. Temperatur (°C) 5,2 6,7 8,2 10,1 13,1 16,7 19,4 19,5 17,5 13,5 9,3 6,9 Ø 12,2
Niederschlag (mm) 65 54 38 57 34 13 2 6 23 62 84 95 Σ 533
Regentage (d) 8 7 6 8 6 2 0 1 3 7 8 9 Σ 65
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
15,9
5,2
17,9
6,7
21,2
8,2
22,7
10,1
26,4
13,1
31,0
16,7
35,3
19,4
35,0
19,5
31,6
17,5
25,6
13,5
20,1
9,3
16,6
6,9
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
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62
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  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: WMO 1971–2000

Flora[Bearbeiten]

Die Temperaturen sind das ganze Jahr über genügend hoch und durch den Guadalquivir ist genügend Wasser vorhanden, dass einerseits das Straßenbild durch Dattelpalmen dominiert wird, während andererseits in den zahlreichen Parks subtropische und tropische Laubbäume aller Art – z. B. Gummibäume, Magnolienbäume, Oliven- und Bitterorangenbäume dominieren. Daneben geben zahlreiche subtropische und tropische Blumen dem Straßenbild Farbe (vorwiegend Rot und Blau), z. B. Oleander, Bougainvilleen und Glycinen.

Geschichte[Bearbeiten]

Santa Cruz, Alt Judenviertel, Altstadt

Antike[Bearbeiten]

Sevilla – vielleicht eine Gründung der Phönizier – war bereits vor der Ankunft der Römer ein wichtiges Handelszentrum und hieß im Altertum Hispalis. Es soll die Hauptstadt des sagenhaften Reiches Tartessos gewesen sein. Sein Name leitet sich vom phönizischen Spal ab, was unteres Land bedeutet. Römer und Araber haben es jeweils in ihre Sprache umgeformt. Damals mündete der Guadalquivir (lat. Baetis) bei Sevilla in einen großen Binnensee. Inzwischen ist dieser See versandet, aber kleinere Seeschiffe können Sevilla noch anlaufen. Gaius Iulius Caesar erhob die Stadt 45 v. Chr. zur colonia (Colonia Romulensis oder Colonia Iulia Romula). Híspalis war eine der bedeutendsten Siedlungen in der Provinz Baetica und wurde mehrfach von Kaisern besucht. 428 wurde die Stadt von den durchziehenden Vandalen geplündert. Als während der Spätantike die Westgoten den größten Teil von Spanien beherrschten, war Hispalis/Sevilla wichtig als Bischofssitz; 553 wurde die Stadt offenbar zeitweilig von den oströmischen Truppen des Kaisers Justinian I. erobert, war aber spätestens um 580 wieder unter der Macht der Westgoten. In dieser Zeit wirkte auch Isidor von Sevilla, der vielfach als der letzte große Gelehrte der Antike und zugleich der erste des Mittelalters gilt. In Sevilla wurden 590 und 619 zwei Konzile (concilia Hispalensia) gehalten.

Islamische Zeit[Bearbeiten]

Die Mauren, islamisierte Berber, eroberten die Stadt 712, ein Jahr nach der entscheidenden Niederlage der Westgoten, und machten sie zur Hauptstadt einer Provinz und formten den Namen Híspalis zu Išbīliyya (إشبيليّة) um, woraus der Name Sevilla abgeleitet wurde. Im Jahr 844 wurde die Stadt von den Normannen zerstört. Nach dem Sturz des Kalifats von Córdoba etablierte sich, zunächst unter einem Scheinkalifat in Sevilla mit dem Richter Abbad I. die Taifendynastie der Abbadiden, die die Stadt in ihre erste Glanzperiode führten. 1091 kam sie unter die Macht der berberischen Almoraviden, die 1147 von den Almohaden abgelöst wurden. Unter den Almohaden wurde Sevilla zur wichtigsten Stadt in al-Andalus; prestigeträchtigstes Bauwerk war die große Moschee, deren Minarett im unteren Teil der Giralda noch erhalten ist. Auch die Torre del Oro stammt in ihren Grundmauern noch aus dieser Zeit, sie war Teil einer Sperranlage gegen feindliche Schiffe.

Reconquista und Spätmittelalter[Bearbeiten]

Am 23. November 1248[3] wurde Sevilla nach mehrmonatiger Belagerung im Rahmen der Reconquista von Ferdinand III. von Kastilien erobert und blieb seitdem im Besitz der christlichen Spanier. Doch sank die Wirtschaftskraft, als mit der Zeit ca. 300.000 Mauren in die muslimischen Gebiete nach Granada und Nordafrika auswanderten. Peter I. ließ 1363 maurische Handwerker aus Granada kommen, die den Alcázar-Palast erbauten. 1391 wütete ein Pogrom gegen die jüdischen Stadtbewohner, die bis dahin unter königlichem Schutz stehend im Viertel Barrio de Santa Cruz in Nachbarschaft zum Alcázar-Palast lebten.

Handel mit der neuen Welt[Bearbeiten]

Sevilla im sechzehnten Jahrhundert war Hauptumschlagplatz des spanischen Seehandels und Zentrum der spanischen Kunst

Internationale wirtschaftliche Bedeutung erhielt die Stadt im 16. und 17. Jahrhundert, als sie Hauptumschlagplatz des spanischen Seehandels und Zentrum der spanischen Kunst, namentlich der Malerei, war. Amerigo Vespucci und Ferdinand Magellan planten und starteten hier ihre Entdeckungsreisen. Die Casa de Contratación war das spanische Verwaltungszentrum für alle amerikanischen Angelegenheiten, in der ehemaligen Börse von Sevilla (Casa Lonja de Mercaderes) ist daher bis heute das Indienarchiv untergebracht.

Als Folge des Spanischen Erbfolgekrieges verlor das im Krieg prohabsburgische Sevilla 1717 das transatlantische Handelsmonopol an das von den Bourbonen begünstigte, im Krieg probourbonische Cádiz. Zu dieser Entscheidung trug maßgeblich auch die zunehmende Versandung des Guadalquivir bei.

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

In Sevilla bildete sich am 27. Mai 1808 die spanische Zentraljunta, die sich am 1. Februar 1810 nach Cádiz zurückzog. Auch die Cortes flüchteten in der Spanischen Revolution, als sie 1823 Madrid verließen, nach Sevilla und entführten den König von hier nach Cádiz.

Expo’92[Bearbeiten]

Hauptartikel: Expo 92

Sevilla war Gastgeber der Weltausstellung (Expo) 1992. Diese hinterließ eine hohe Verschuldung; viele Bauten wurden hinterher wieder abgerissen oder stehen leer. Die Infrastruktur wurde wesentlich verbessert. So erhielt die Stadt Anschluss an eine Bahntrasse für Hochgeschwindigkeitszüge nach Madrid (siehe Alta Velocidad Española); der Flughafen Sevilla wurde ausgebaut. Ebenso wurden in der Region Autobahnen gebaut, unter anderem 85 km nach Huelva (Autopista A-49) und 94 km in die Küstenstadt Cadiz. Die Kosten für diese Maßnahmen trieben möglicherweise die Staatsverschuldung in die Höhe.

Stadtemblem[Bearbeiten]

NO 8 DO

Die Stadtflagge von Sevilla trägt wie auch das Wappen den Text NO 8 DO, wobei die Ziffer 8 ein (Woll-)Knäuel (span. madeja) symbolisieren soll. Der Text findet sich überall in Sevilla an Gebäuden, Laternen und Polizeifahrzeugen, und ersetzt damit praktisch das Stadtwappen oder den Schriftzug Sevilla vollständig.

Zu lesen ist er als NO-MADEJA-DO (No me ha dejado), in etwa zu übersetzen mit Sie hat mich nicht verlassen. Dieses Wortspiel geht auf Alfons X. zurück, welcher sich damit für die Treue der Stadt Sevilla bedankte, in der er nach seiner Entthronung bis zu seinem Tod im Exil lebte.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Altstadt wird von einem Labyrinth enger Gassen dominiert. Besonders malerisch ist das Stadtviertel ("barrio") Santa Cruz. Als größere, regelmäßige Plätze sind erwähnenswert: die Plaza de San Francisco oder der Konstitutionsplatz, der hinter demselben angelegte Platz mit Prachtbauten, die Plaza del Duque mit schöner Promenade, die Plaza de la Encarnación, der Museumsplatz mit Bronzestatue Murillos und der Quemadero, wo die Autodafés stattfanden. Die belebteste Straße ist die schlangenartig gewundene Calle de Sierpes. Unter den Häusern sind zahlreiche palastartige, meist im altrömischen Stil erbaute, mit schönen marmorgetäfelten Höfen; im übrigen herrscht in der Altstadt die orientalische Bauart vor. Insofern weisen die Gebäude fast durchgängig Flachdächer auf und sind dabei selten höher als zwei Stockwerke. Die Vorstadt Triana ist seit 1852 durch eine eiserne Brücke mit der eigentlichen Stadt verbunden. Sevilla hat zahlreiche öffentliche Brunnen, die vorwiegend durch den unter dem Namen Canos de Carmona bekannten, aus 410 Bögen bestehenden antiken Aquädukt (von Julius Caesar erbaut) mit Wasser versorgt werden, und mehr als 130 Kirchen. Unweit der Kathedrale befindet sich das Museo del Baile Flamenco, das erste und einzige Flamencomuseum der Welt, initiiert von Cristina Hoyos Panadero. Es zählt zu den sehenswertesten Museen in Sevilla.

Schutzheilige[Bearbeiten]

Die beiden Schwestern (Justa = die Gerechte und Rufina = die Rothaarige) wurden um 270 in Sevilla geboren. Sevilla gehörte damals zum römischen Reich in der Nähe der bedeutenden römischen Stadt Italica. Sie waren Christinnen; weil sie ihrem Glauben nicht abschwören wollten, wurden sie 305 zum Tod verurteilt und in einer Arena durch Löwen zerfleischt. Wegen ihres standhaften Glaubens wurden sie heiliggesprochen. Sie sind die Schutzheiligen Sevillas und der Kathedrale Maria de la Sede. Sie wurden oft zusammen mit deren Glockenturm in der Mitte gemalt, auch von berühmten Künstlern wie Murillo und Goya. Den Turm sollen sie der Heiligensage zufolge bei drei großen Erdbeben vor dem Einsturz bewahrt haben.

Bauwerke[Bearbeiten]

Plaza de España (Spanien Platz)

Unter den Gebäuden ist zunächst die Kathedrale Maria de la Sede hervorzuheben. 1401–1519 wurde sie in die Moschee eingebaut und erhebt sich aus der maurischen großen Moschee. Sie hat fünf Schiffe, zahlreiche mit Kunstschätzen (Gemälde von Murillo, Velázquez, Zurbarán etc.) geschmückte Seitenkapellen, bedeutende Glasmalereien, eine ungewöhnlich große Orgel und viele Grabmale bedeutender Persönlichkeiten vorzuweisen. Seit 1987 gehört das Bauwerk zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Daneben steht die Giralda, ein weithin sichtbarer, 97 m hoher viereckiger Glockenturm mit reichen, in gebrannten Ziegeln ausgeführten Ornamentmustern und 22 harmonisch gestimmten Glocken sowie einer Marienfigur mit großer Wetterfahne auf der Turmspitze.[4] Nebst dem so genannten Orangenhof sind das die einzigen Überbleibsel der ehemaligen Moschee, deren beachtliche Größe aber noch heute am Gesamtkomplex der Kathedrale erkennbar ist. Die Giralda wurde 1196 von Abu Iussuf Iakub als Minarett der Moschee erbaut, mit einer Höhe von 82 m; der 32 m hohe Aufsatz in durchbrochenem Mauerwerk kam 1568 hinzu.

Ferner verdienen folgende Bauten Erwähnung: Casa de Pilata

Die Stierkampfarena ist ein ovales Amphitheater, welches 18.000 Menschen fasst und nach der Madrider Stierkampfarena in Las Ventas die größte Arena in Spanien ist.

Die Ibero-Amerikanische Ausstellung von 1929 hinterließ der Stadt vor allem den neu gestalteten Parque María Luisa mit der vom Architekten Aníbal González Osorio entworfenen Plaza de España und der Plaza de América. Dort ist das Archäologische Museum Sevilla untergebracht.

Anlässlich der Expo ’92 wurden neue Brücken über den Guadalquivir errichtet. Dies waren unter anderem die Alamillo-Brücke des spanischen Architekten Santiago Calatrava sowie die Barqueta-Brücke der spanischen Bauingenieure Juan J. Arenas de Pablo und Marcos J. Pantaleón Prieto.

Musik und Feste[Bearbeiten]

Sevilla wird allgemein als Wiege des Flamenco bezeichnet.

Die wichtigsten Feste, die jeweils für eine Woche das Leben der Stadt bestimmen, sind die Semana Santa (Karwoche) und die Feria de Abril (Aprilmesse). Die Feria ist ein großes Familienfest, das sich in der ganzen Stadt, aber besonders auf dem 450.000 m² großen Festgelände im Viertel Los Remedios abspielt. Es gibt dort breite Straßen, die sich rechtwinklig kreuzen und etwa 1000 meist kleine Festzelte. Die Festzelte sind bewirtschaftet und haben eine kleine Tanzfläche im Eingang oder davor. Auf den Straßen paradieren die Kutschen und die Reiter, alles in historischen Kostümen. Entwickelt hat sich dies aus der Zurschaustellung der zum Verkauf stehenden Pferde. Während der Woche (die Schulen sind geschlossen) tragen die meisten Frauen, jedes Alter vom Baby bis zur Großmutter, Flamenco-Kostüme. Die Frauen, Las Flamencas genannt, flanieren damit durch die ganze Stadt, besonders aber auf dem großen Festplatz. Eine große Anzahl Männer (alt und jung) begleiten ihre Dame im Sonntagsanzug und Krawatte (auch bei größter Hitze). Die Familien verabreden sich mit ihren Freunden auf dem Festplatz. Jede Familie hat ihr Stammzelt. Man wechselt nach und nach zu einer anderen Familie in ein jeweils anderes Festzelt.[5]

Sevilla kulinarisch[Bearbeiten]

Sevilla ist Ursprungsort der Tapas, kleiner, kalter oder warmer Häppchen, die immer zusammen mit einem Getränk (Bier, Wein, Sherry) bestellt werden.

Süße Spezialitäten aus Sevilla sind z. B. Pestiños, Cortadillos, Tortas de Aceite, Torríjas. Fast alle diese Spezialitäten finden ihren Ursprung in maurischen Rezepturen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Estación de Santa Justa, Bahnhof Santa Justa
Luftaufnahme, Blick Richtung Norden aus dem Flusshafen
  • Öffentlicher Verkehr: Am 28. Oktober 2007 wurde Sevillas erste neue Straßenbahn-Linie (Metro-Centro) (Länge im Jahr 2013: 2.200 Meter) in Betrieb genommen. Sie verbindet die innenstadtnahe Bus- und U-Bahn-Station San Bernardo mit dem Zentrum (Plaza Nueva). Seit den späten 70er Jahren ist ein U-Bahn-System (Metro Sevilla) im Bau, dessen erste Linie (Línea 1) im April 2009 rechtzeitig zur Feria de Abril ihre Türen öffnete. Sie verbindet die Ciudad Expo (Südwesten) mit Olivar de Quinto (Südosten) und dient unter anderem auch als Zubringer für die Universidad Pablo de Olavide, die etwas außerhalb im Südosten liegt. Stadtbusse ergänzen das Straßenbahn- und U-Bahn-System und sind derzeit immer noch das öffentliche Verkehrsmittel, dem die meiste Bedeutung zukommt. Verschiedene Busunternehmen bieten zudem Fahrten in nahezu alle großen Städte in Spanien von den beiden Autobusbahnhöfen Prado de San Sebastián und Plaza de Armas an.
  • Fahrradverkehr: Es gibt ein sehr gut ausgebautes Netz an öffentlichen Fahrrädern (Sevici), die sich großer Beliebtheit erfreuen. Aus Anlass der Velo-city-Konferenz 2011[6] wurden im Vorfeld zahlreiche Radwege neu gebaut oder markiert, wobei allerdings besonders die baulich angelegten, meist für Zweirichtungsverkehr ausgelegten, viele der typischen Radweg-Probleme aufweisen.
  • Straße: Die Stadt wird von einem Autobahnring umgeben, dessen wichtigste Autobahnen die A 49 nach Huelva–Portugal und die A 4 in Richtung Cádiz und Madrid sind.
  • Luftverkehr: Sevilla besitzt den internationalen Flughafen San Pablo am nördlichen Stadtrand.

Industrie[Bearbeiten]

Das 11-MW-Sonnenwärmekraftwerk PS10 bei Sevilla

In Sevilla befindet sich ein Getriebewerk von Renault, vormals FASA-Renault. Weiterhin unterhält EADS, ehemals EADS-C.A.S.A, einen wichtigen Produktionsstandort in Sevilla und es gibt dort eine Werft. Des Weiteren wird in Sevilla Cruzcampo gebraut, eine Biermarke von Heineken.

Solarkraftwerk[Bearbeiten]

Nahe der Stadt liegt das Sonnenwärmekraftwerk PS10 mit 11 MW Leistung.

Bildung[Bearbeiten]

Sevilla besitzt zwei öffentliche Universitäten: Die Universität Sevilla (Universidad de Sevilla), die zweitgrößte Universität Spaniens, mit dem rechtswissenschaftlichen Institut in der Fábrica de Pirotecnia Militar und die Universität Pablo de Olavide.

Der Renaissancebau des „Archivo General de Indias“ gegenüber der Kathedrale beherbergt seit 1784 sämtliche Dokumente der spanischen Kolonien, darunter die Nachlässe der Entdecker und Eroberer wie Christoph Kolumbus und Hernán Cortés.

In Sevilla besteht zudem eine Deutsche Schule, das Colegio Alemán Alberto Durero (Deutsche Schule Sevilla Albrecht Dürer). Den Schülern wird eine Vielzahl an Austauschmöglichkeiten geboten, unter anderem mit dem Städtischen Luisengymnasium in München.

Sport[Bearbeiten]

Bekannte Fußballmannschaften sind der in der Primera División spielende FC Sevilla und Real Betis. 1999 war Sevilla Austragungsort der Leichtathletik- und 2002 der Ruder-Weltmeisterschaften.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Zu den berühmten Persönlichkeiten aus Sevilla zählen unter anderem der Dominikaner und Jurist Bartolomé de las Casas, der Maler Diego Rodríguez de Silva y Velázquez, der Literatur-Nobelpreisträger Vicente Aleixandre, der Ministerpräsident Felipe González Márquez, die Schauspielerin Paz Vega sowie der Fußballspieler José Mari.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Trivia[Bearbeiten]

Außerdem ist Sevilla der Schauplatz von zahlreichen berühmten Opern. Georges BizetsCarmen“, Gioacchino RossinisBarbier von Sevilla“, Wolfgang Amadeus MozartsDon Giovanni“ und „Die Hochzeit des Figaro“, Ludwig van BeethovensFidelio“ spielen in der Stadt, um nur eine Auswahl zu nennen.

Die Handlung des Films Mission: Impossible II beginnt in Sevilla.

Im Film Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger dient die (computergenerierte) Plaza de España in einer Szene mit Anakin (Hayden Christensen) und Padme (Natalie Portman) als Kulisse eines Ortes auf Naboo.

Panoramafoto[Bearbeiten]

Blick auf die Vorstadt Triana am Guadalquivir

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Seville – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Sevilla – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Cifras oficiales de población resultantes de la revisión del Padrón municipal a 1 de enero de 2013. Bevölkerungsstatistiken des Instituto Nacional de Estadística (Bevölkerungsfortschreibung).
  2. www.hnms.gr; Hellenic National Meteorological Service
  3. Enciclopedia Heraldica Y Genealogica
  4. Der Name Giralda kommt von der Drehbarkeit der Figur auf der Spitze (aus dem Altgriechischen γyρεiν= drehen, vgl. Gyros.).
  5. Kathrin Dorscheid: Spaniens Oktoberfest: Flamenco im Festzelt. In: Spiegel Online. 26. März 2012
  6. Projects and networks: Velo-city. European Cyclists’ Federation, 25. Januar 2013, abgerufen am 9. März 2013.