Zosimos aus Panopolis

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Zosimos aus Panopolis war ein griechischer Alchemist des späten 3. und frühen 4. Jahrhunderts.[1] Er wurde in Panopolis (heute Achmim) in Oberägypten geboren. Zosimos lehrte in Alexandria und verfasste einen umfangreichen Corpus von Büchern über die Alchemie (Chemeutika), die nur teilweise erhalten sind und außerdem teilweise durch spätere Zusätze entstellt. Die Werke sind ursprünglich in Griechisch verfasst und darunter sind Lehrbriefe, die an eine gelehrte Frau – Theosebeia, seine Schwester im Geist (soror mystica) – gerichtet sind, und eine Schrift Über die Kraft, die Visionen des Autors wiedergibt.

Im Text wird die Alchemie als Geheimlehre von ausgewählten Priestern dargestellt. Zosimos selbst sah sich als Kompilator.

Er ist in alchemistischen Texten auch unter Rosinus, Rosinos, Rubinus bekannt. [2]

Die Lebensdaten ergeben sich aus seiner Erwähnung von Julius Africanus (starb nach 240) und der Erwähnung des Serapeums in Alexandria (zerstört 391). Für eine Einordnung um 300 spricht seine mögliche Erwähnung von Manichäismus in Ägypten. Die Suda gibt an, er stamme aus Alexandria, alle anderen Quellen geben ihm den Zusatz Thebaner, womit die Thebais (wo auch Panopolis liegt) gemeint ist, oder Panopolitaner.

Zum Werk[Bearbeiten]

Er ist der älteste Autor der Alchemie, der einer historischen Person zugeordnet werden kann. Ältere Texte sind aber bekannt (wie der Pseudo-Demokrit oder legendären Figuren wie Hermes Trismegistos und Maria die Jüdin zugeschriebene Schriften).

Die Textaufteilung und - überlieferung ist komplex und nur teilweise geklärt (Michèle Mertens)[3]. Die wichtigsten Handschriften sind Marcianus graecus 299 (10. oder 11. Jahrhundert), Parisinus graecus 2325 (13. Jahrhundert) und Parisinus graecus 2327 (15. Jahrhundert). In den Manuskripten sind auch Zeichnungen alchemistischer Geräte. Mertens teilt den Corpus der Haupt-Handschriften in vier Teile:

  • Die authentischen Memoiren (auch Über Apparate und Öfen), 13 Schriften einschließlich des bekannten Über den Buchstaben Omega, Über die Einzigartigkeit, Über die Zusammensetzung von Wassern. Darin sind auch seine Visionen.
  • Die Kapitel an Eusebia
  • Die Kapitel an Theodor
  • Die abschließende Zählung

Zosimos selbst und Kommentatoren verweisen außerdem auf einen nicht direkt erhaltenen Corpus Cheirokmeta (Durch Hand gefertigte Dinge) und einige andere Schriften wie Der Buchstabe Kappa, Das Buch der Schlüssel. Die Suda spricht von 28 Büchern, die Zuordnung ist aber nach Mertens schwierig.

Im Text des Werkes Über die Kraft (auch Visionen, Traumgesichte des Zosimos) geht es um Entkörperung, Verbindung des Körpers mit Geist, Vergeistigung. Dabei spielen die vier Elemente des Empedokles (Erde, Wasser, Luft, Feuer) eine Rolle und auch gnostische Ideen. In diesem Werk wird vom Priester Ion berichtet, der am frühen Morgen zerstückelt und verbrannt wird. Dabei wird – unter qualvollen Schmerzen – der Körper durch Feuer in Rauch und Geist umgewandelt, wobei er sich in ein kleines Menschlein (Homunkulus) verwandelt, das sich mit den eigenen Zähnen zerfleischt. Ein altersgraues Männlein klärt nun über das Verdampfen des Wassers auf dem Altar auf. Durch diesen Prozess von Wandlung – oder Läuterung – geht das Wasser in Dampf über. Die vier Elemente verschmelzen, verwickeln, vergeistigen sich nach festen Regeln entsprechend Maß und Gewicht. Dieser Prozess ist fortlaufend mit Trennung und Vereinigung verbunden, es ist das Wesen des Kosmos. Um zur Erkenntnis zu kommen, muss der Eingang des Tempels, in dem reines Wasser und Licht vorhanden sind, aufgefunden werden. Der Eingang wird jedoch durch einen Drachen bewacht. Dieser Drachen kann nur nach einer Methode überwunden werden.

In dieser verworrenen Schreibweise wird in diesem Text beispielsweise der Destillationsprozess beschrieben oder die Metallveredlung: ein roter Kupfermensch (Charlkanthropos) wird durch ein Bad in einer schwarzen Flüssigkeit zum Silbermenschen (Argyranthropos) und dieser durch Feuer zum Goldmenschen (Chrysanthropos). Zosimos geht von vier unedlen Metallen aus (Kupfer, Eisen, Zinn, Blei), die bei der Zerlegung in die Materia Prima zunächst schwarz gefärbt werden (Nigredo), umgeordnet und fixiert werden, bis schließlich Gold entsteht.

Die notwendige Parallelität einer innerer Wandlung im Alchemisten und den von ihm in Gang gebrachten chemischen Prozessen als Voraussetzung des Gelingens des großen Werks (Opus Magnum) war in der ganzen weiteren Geschichte der Alchemie einflussreich und wurde von Carl Gustav Jung psychologisch als Projektion interpretiert. Nach Mertens[4] gibt es in der Parallelität von Befreiung der Seele eines Menschen und des flüchtigen Anteils einer chemischen Substanz (Pneuma) möglicherweise Verbindungen zur (christlichen) Gnosis (Nag-Hammadi-Schriften).

Bei den Briefen an Theosebeia wird unter anderem über das Recht der Münzherstellung der Könige berichtet. Das Geheimnis wird nur mündlich dargelegt und ist von den Vorfahren geerbt worden. Wer das Geheimnis kennt, führt das Werk niemals selbst aus, sondern beauftragt andere. Die Werkleute arbeiten jedoch nur für den König, den Geheimnisträger. Theosebeia wird nun auch ermahnt, sich vor falschen Propheten zu schützen und die Leidenschaften zu bekämpfen. Da Menschen das Gold mehr lieben als die Kenntnis der Kunst, verlieren sie schnell Verstand und Reichtum. Nur wer den Weg der Vernunft geht, wird auch das Gold finden. Das Gold liegt direkt vor den Augen des Menschen, es ist jedoch auf geheimnisvolle Weise auch verborgen und nicht für jeden sichtbar. Namentlich erwähnt als betrügerischer Goldmacher wird ein Priester Nilos. Im weiteren Text wird dann auf ähnlich geheimnisvolle Weise die Herstellung von chemischen Stoffen sowie Färbemitteln beschrieben.

Beschrieben werden in seinen Schriften auch Verfahren und Öfen z.B. für die Wachsmalerei, zur Herstellung von Schwefelwasser[5], Destillationsapparate wie ein geschlossenes Gefäß (Kerotakis), in der Metalle Dämpfen verschiedener Tinkturen ausgesetzt wurden z.B. zur Metallfärbung, Sublimationsverfahren, Pigmenten wie Zinnober (und Quecksilbergewinnung daraus) und Magnesia, Ocker, Arsenik (von ihm als zweites Quecksilber bezeichnet),[6] Hämatit und Natron. Nach Mertens bezieht er sich in seiner alchemistischen Praxis wahrscheinlich hauptsächlich Maria die Jüdin (deren Werk nur in unvollkommen bekannt ist und für deren Kenntnis Zosimos auch als Quelle dient).

Zosimos wurde ausgiebig von arabischen Autoren des Mittelalters rezipiert (z.B. Ibn Umail)[7] und seine Texte sind ohne Nennung des Namens zum Beispiel im Turba Philosophorum.

Schriften[Bearbeiten]

Textausgaben gab es in Marcellin Berthelot, C. E. Ruelle: Collection des anciens alchimistes grecs, Paris: Steinheil 1888, basierend auf Handschriften in Paris und der Marciana in Venedig. Ein Editionsprojekt von Michèle Mertens ist im Gang.

  • Howard M. Jackson (Herausgeber und Übersetzer): Zosimos of Panopolis, On the Letter Omega, Missoula, MT: Scholars Press, 1978.
  • Michèle Mertens (Herausgeber und Übersetzer): Zosime de Panopolis, Mémoires authentiques, Les alchimistes grecs, Band 4, Teil 1,, Paris: Les belles lettres, 1995.

Literatur[Bearbeiten]

  • Heike Hild: Zosimos von Panopolis, in: Claus Priesner, Karin Figala: Alchemie. Lexikon einer hermetischen Wissenschaft, Beck 1998, S. 380-381
  • Michèle Mertens: Zosimos of Panopolis, in: Dictionary of Scientific Biography (neue Auflage 2007)
  • Michèle Mertens: Alchemy, Hermetism, and Gnosticism at Panopolis c. 300 A.D.,: The Evidence of Zosimus, in: A. Egberts, Brian P. Muhs, Jacques van der Vliet (Hrsg.), Perspectives on Panopolis—An Egyptian Town from Alexander the Great to the Arab Conquest: Acts from an International Symposium Held in Leiden on 16, 17, and 18 December 1998, Papyrologica Lugduno-Batava 31. Leiden: Brill, 2002.
  • Michèle Mertens: Graeco-Egyptian Alchemy in Byzantium, in: Paul Magdalino, Maria Mavroudi (Hrsg.): The Occult Sciences in Byzantium, Genf: La pomme d’or, 2006.
  • Michèle Mertens: Project for a new Edition of Zosimos of Panopolis, in Z. R. W. M. van Martels (Hrsg.): Alchemy revisited. Proc. of the Internat. Conference on the History of Alchemy, Groningen 1989, Leiden 1990, S. 121-126
  • Garth Fowden: The Egyptian Hermes: A Historical Approach to the Late Pagan Mind, Cambridge University Press, 1986
  • Günther Bugge: Das Buch Der Grossen Chemiker, Verlag Chemie, Weinheim 1974, Julius Ruska: Zosimus, S. 1–18, ISBN 3-527-25021-2.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nach Dictionary of Scientific Biography um 300
  2. Unter Rosinus wurden Texte von ihm in der Sammlung Artis Auriferae, Basel 1571 (bei Pietro Perna) gedruckt, in der auch der Erstdruck des Turba Philosophorum erschien
  3. Dictionary of Scientific Biography 2007
  4. Mertens, Artikel Zosimos, Dict. Sci. Biogr
  5. Die im Werk erwähnte göttliche Flüssigkeit oder Schwefelwasser (Theion hydor) kann auch symbolisch gemeint sein oder eben für eine Flüssigkeit zum Metallfärben. Mertens, Dict. Sci. Biogr.
  6. Pötsch u.a. Lexikon bedeutender Chemiker, Harri Deutsch 1989, Artikel Zosimos, S. 469
  7. Die Erschliessung der arabischen Überlieferung stand nach Mertens, Dict. Sci. Biogr., 2007 erst am Anfang und Mertens verweist auf Bink Hallum. Im arabischen Raum war er unter verschiedenen Namen bekannt, wie Zusimus, Risamus, Rusim, Arsimun